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Tanzen ist ihr Leben

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1 / 4Anni Staab mit 20 Jahren beim Tanzen in ihrer Heimat. © Foto: privat
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2 / 4Anni Staab mit 20 Jahren beim Tanzen in ihrer Heimat. © Foto: privat
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3 / 4Ihre Enkelin Isabella beim Tanz in der Wiener Staatsoper. © Foto: privat
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4 / 4Anni Staab Ballettpädagogin aus Sankt Wolfgang. © Foto: privat

St.Wolfgang - Portrait

St.Wolfgang - Portrait

Anni Staab

Staatlich geprüfte Ballettpädagogin & Gymnastiklehrerin aus St. Wolfgang

Wie haben Ihre Eltern reagiert, als Sie ihnen erzählt haben, dass Sie Balletttänzerin werden wollen?

 Mein Vater war nicht begeistert. Er war Abteilungsdirektor einer Bank und wollte deshalb, dass ich einen anständigen Beruf erlerne. Meine Mutter stand vollkommen hinter mir, denn sie war selbst Konzertpianistin und verstand meinen Wunsch, etwas Künstlerisches machen zu wollen. Sie war auch diejenige, die stundenlang mit mir bis tief in die Nacht hinein geübt hat, bis mein Vater aufgestanden ist, die Sicherung rausgeschraubt hat und wir aufhören mussten.

Was ist der Reiz am Tanzen?

Tanzen ist meiner Ansicht nach kein Beruf, dass eine Berufung. Man wird als Pädagogin geboren, das lernt man nicht. Und der Tänzer braucht den Kitzel, es gut machen zu wollen, sodass es dem Choreographen, der vor ihm steht gefällt. Tanzen ist mein Leben. Für eine Tänzerin ist der Tag gelaufen, wenn der Ballettmeister nicht zufrieden ist und einen blöd anredet.

Wo haben Sie ihre Ausbildung gemacht?

Ich habe meine Ausbildung zur Tänzerin in der Musikhochschule in München absolviert und bin zur Bodeschule, einer Gymnastikschule auch in München gegangen. Diese habe ich statt der üblichen drei Jahre nur ein Jahr besuchen müssen, weil ich so gut war. Beide Ausbildungen waren sehr harte Kämpfe, aber sie wurden mit einer eins belohnt. Ich bereue bis heute nicht, dass ich mich für diesen Weg entschieden habe.

Wann und warum haben Sie die Ballettschule in St. Wolfgang gegründet? 1987 hab ich angefangen in St. Wolfgang zu unterrichten. Meine Schwiegermutter und mein Mann, Fritzi, sind auf die Idee gekommen. Es war sehr schwierig am Anfang in St. Wolfgang, weil ich absolutes Neuland betrat.

Sie sind Europameister, Deutscher Meister und Bayerischer Meister mit einer Ihrer früheren Tanzgruppen geworden, was ist das für ein Gefühl?

 Das ist ein unwahrscheinlich tolles Gefühl. Es steckt sehr viel Arbeit dahinter. Am Anfang wollte ich alles alleine organisieren, aber das ging natürlich nicht. Auch war jeder Sieg doppelt, einerseits ein riesiger Kampf, andererseits eine große Freude. Bei solchen Wettkämpfen herrscht auch sehr viel Ungerechtigkeit, über die meine Tanzgruppe aus München und ich jedoch dann gesiegt haben.

Wenn Sie Ihre Karriere rückblickend betrachten, würden Sie heute etwas anders machen? 

Nein, ich würde rein gar nichts ändern. Es war eine sehr aufregende und tolle Zeit. Mit jungen Leuten, die motiviert und engagiert sind, Zeit zu verbringen, macht mir immer noch viel Spaß.

Was war das schönste Erlebnis in Ihrer Karriere für Sie? 

Wie ich selber tanzen gelernt habe. Ich war drei Jahre auf der Ballett Academy. Dort habe ich meine Ausbildung zur Ballettpädagogin mit vielen Ballettprofis machen dürfen. Aber natürlich auch die vielen Meisterschaften mit meinen Münchner Tanzgruppen und die Auftritte mit meinen Tanzschülern aus St. Wolfgang im Fasching.

Ihre Enkelin Isabella tanzt an der Wiener Staatsoper. Wollte sie wegen Ihrem Erfolg diesen Weg gehen?

 Nein, das glaube ich nicht. Meine Tochter Claudia hat ein eigenes Ballettforum. Ich denke, dass wir beide einen großen Einfluss auf Isabella hatten. Außerdem hat sie die Begabung sowie die Begeisterung für den Tanz schnell für sich entdeckt und vielleicht auch ein bisschen geerbt. Isabella war bei mir im Ballettunterricht mit vier Jahren. Ihre körperlichen Voraussetzungen sind ideal, weil ihre Hüften richtig stehen und der Spann vom Fuß extrem gut ist. Aufgrund dessen wurde sie schon mit neun Jahren bei der Ballett Academy in München aufgenommen. Dort war sie vier Jahre. Später besuchte sie ein Abendgymnasium, um den Tag über in der International Ballett School in München tanzen zu können. Seitdem sie 15 Jahre alt ist, also seit zwei Jahren, wohnt sie in Wien. Dort tanzt sie in der Wiener Staatsoper bei Galavorstellungen. Ihr Ziel ist als solistische Ballerina in verschiedenen Opern aufzutreten. Ich bin guter Dinge, dass sie das auch schaffen kann.

Ohne welche Person wäre Ihre Karriere nicht möglich gewesen? 

Ohne meine Nachbarin in Waldtrudering, wo mein Mann und ich früher gewohnt haben.Sie hat immer auf meine zwei Kinder aufgepasst, als ich in der Gymnastikschule unterrichtet habe. Sie hatte selbst drei Kinder und nahm meine Kinder trotzdem zu sich. Auch hat mir der Fritzi, die Liebe meines Lebens, unbewusst sehr geholfen. Ohne ihn wäre ich nie so selbstbewusst, selbstständig und stark geworden, wie ich es heute bin.

Was fasziniert Sie an ihrem Beruf nach so vielen Jahren immer noch?

Die Kinder, die im Alter zwischen vier bis fünf Jahren, bei mir in St. Wolfgang anfangen. Weil sie meine Härte und Disziplin ertragen. Außerdem verstehen sie, dass dadurch der Erfolg kommt. Ich denke das Geheimnis ist, dass ich überzeugt bin, von dem was ich tue und das merken die Kinder. Ich liebe alle meine Schüler sehr und darf ihre Entwicklung von klein auf bis zum Teenager miterleben, das ist etwas ganz Besonderes. Ich kann mir nicht vorstellen, meine Kleinen und meine Großen nicht mehr zu unterrichten.

Balletttanzen ist ja auch mit viel Schmerz verbunden. Wie stecken Ihre Zehen das weg? 

Die Schmerzen merke ich erst jetzt (lacht), die kommen aber nur von den Spitzenschuhen. Diese müssen passen. Früher gab es ja noch keine Schoner für die Zehen, da hatte ich dann nur Watte zwischen meinen Zehen und dem Schuh.

„Colour your life“ ist das Thema der Young Generation. Was erwartet das Publikum? 

Die Young Generation sind ja mittlerweile meine Ältesten. Mich macht es sehr stolz, dass sie sich jedes Jahr steigern und mit sehr viel Willen, Motivation, Ausstrahlung, Spannung und Synchronität dahinter sind. Auch nehmen sie meine Kritik meist an (lacht) und bemühen sich diese auch umzusetzen. Das Publikum erwartet ein farbenreiches und energiegeladenes Programm. Die Mädels und Jungs der Gruppe tanzen sowohl Ballett, Contemporary, Hip Hop als auch Jazz. Mir gefällt es wirklich sehr gut, ich hoffe den anderen Leuten auch.

Young Generation

Anni Staabs derzeit älteste Tanzgruppe tritt mit dem Programm „Colour your life“ unter anderem bei folgenden Faschingsveranstaltungen auf

Feuerwehrball St. Wolfgang: 20.1.2018 Turnerball St. Wolfgang: 27.1.2018 Kinder- und Jugendgardefestival St. Wolfgang: 21.1.2018 Hofmark: 11.2.2018

Außerdem kann die Tanzgruppe gerne für Geburtstage, Faschingsveranstaltungen oder sonstige Feste gebucht werden unter Tel. (0 80 85) 222.

Das Interview führte Laura Silbernagl

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