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Umwelt- und Kulturpreise der Stadt Dorfen

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Von: Michaele Heske

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Zehn Männer und Frauen stehen nebeneinander auf einer Bühne
Bei der Preisverleihung (v.l.): Heinz Grundner, Ulrike Scharf, Georg Schmederer, Doris Minet, Regina Blasi, Monika Graßl, Martina und Rudi Nagl, Wolfgang Lanzinger und Hans Baumgartner. © Michaele Heske

Doris Minet, Wolfgang Lanzinger, Martina und Rudi Nagl, Regina Blasi und Georg Schmederer wurden bei einem Festabend für ihr Engagement geehrt

Dorfen – Die Stadt Dorfen hat am Freitag im Jakobmayersaal engagierte Bürger ausgezeichnet. Die Verleihung der Preise für herausragende Verdienste in den Bereichen Kultur, Soziales und Umwelt findet im zweijährigen Turnus statt. 2020 fiel der Festakt der Pandemie zum Opfer - deshalb wurden heuer gleich sechs Preisträger geehrt. Rathauschef Heinz Grundner überreichte zudem Doris Minet die Bürgermedaille.

Bürgermedaille für Doris Minet

Bürgermeister Grundner machte es kurz: „Das bürgerliche Engagement in Dorfen ist sehr vielfältig.“ Frei nach Cicero zitierte er: „Die Stadt ist sehr stolz auf ihre Preisträger - es gibt keine wichtigere Verpflichtung, als - hier und heute - Danke zu sagen.“

Grundners Dank galt zunächst Doris Minet, die vor zwei Jahren vom Stadtrat für den Sozialpreis vorgeschlagen wurde und nun für ihr außergewöhnliches Engagement geehrt wurde. In diesem Jahr entschied das Gremium zudem, sie mit der Bürgermedaille auszuzeichnen.

„Bei Doris Minet ist soziale Gerechtigkeit keine leere Worthülse. Sich für ihre Mitmenschen einzusetzen, für andere da zu sein - das ist die Maxime, die sie sich zeitlebens als Ziel gesetzt hat“, so Laudator Grundner. Schon als Kind engagierte sich die heute 72-jährige Dorfenerin in der Kirche, sang im Chor. Später arbeitete sie im Pfarrgemeinderat mit. Bis heute ist Minet in vielen Vereinen aktiv, sie habe zudem viele Initiativen mitbegründet. Die Tauschzentrale beispielsweise, oder „Dorfen ist bunt“. Das Bündnis setzt sich für Vielfalt und Toleranz ein, zeigt klare Kante gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass, „2006 war eine Zeit, als in Dorfen rechte Wirrköpfe mit ihren Parolen aufmarschierten“, so Grundner.

Ein Thema, das sie bis heute beschäftigt, sei die Nazizeit in Dorfen. Gemeinsam mit der Geschichtswerkstatt gebe sie ihren Forschungen zum Thema Euthanasie, den Opfern aus der Region, Namen und Gesichtern: „Dank ihrer detektivischen Fähigkeiten, stieß sie auf das Schicksal der Displaced Persons“, auf jene Juden, die den Holocaust überlebten, und nach dem Krieg in Dorfen lebten.

Als 3. Bürgermeisterin und Seniorenbeauftragte der Stadt setzte die Kreis- und Stadträtin in der Kommunalpolitik viele Akzente. Für ein barrierefreies Dorfen habe sie sich stark gemacht, ebenso für die Sanierung des Lifts im Krankenhaus Dorfen. „Ihre Aufgaben waren und sind ihre Passion - vergelt’s Gott.“

Maria Becker erhielt 2006 die Bürgermedaille, ihr Mann Gisbert 2008. Auch die Altbürgermeister Hermann Simmerl und Josef Sterr gehören zu den Trägern des städtischen Verdienstordens, um nur die lebenden Ehrenbürger der Stadt zu nennen.

Kulturpreis 2022 für Wolfgang Lanzinger

Hochgebildet, höchst geschätzt von Kollegen und Schülern, zudem ein begnadeter Schauspieler - so beschrieb Kulturreferent Ludwig Rudolf den neuen Kulturpreisträger der Stadt: Wolfgang Lanzinger, stellvertretender Schulleiter des Dorfener Gymnasiums.

Neben all diesen Superlativen zeichne sich Lanzinger allerdings vor allem durch seine vielen Ehrenämter aus, die er in den vergangenen Jahrzehnten schon inne hatte: „Sei es als ehemaliger Stadtrat und Kulturreferent, oder aktueller Pfarrgemeinderatsvorsitzender“, so der 2. Bürgermeister Dorfens.

Lanzingers Herz schlage aber vor allem für die lokale Geschichte. Heimatforscher Lanzinger habe sozusagen das „Wikipedia von Dorfen“ verfasst: „982 Seiten stark ist das „Dorfener Heimatbuch - und seine Vorträge sind ein Hochgenuss“, würdigte der Laudator das Werk des Geschichtslehrers, der zudem stellvertretender Vorsitzender des Historischen Kreises ist.

„Ich habe nicht damit gerechnet, den Kulturpreis zu bekommen“, freute sich Lanzinger. „Vieles, was ich geschafft habe, war nur im Team möglich - und nur deshalb, weil meine Frau mir immer den Rücken freihält.“ Lanzinger will sein Preisgeld von 500 Euro für die Sanierung der Kapelle St. Sebastian spenden. „Mitten in der Stadt ist ein ganz besonderes Kleinod im Dornröschenschlaf versunken. Um dieses wieder zum Leben zu erwecken, werden wir im kommenden Januar einen Förderverein aus der Taufe heben“, so Dorfens Kulturpreisträger.

Umweltpreis 2020 für Martina und Rudi Nagl

Als Umweltreferenz könne man, angesichts der drängenden Krisen von Klima und Artenschutz, nicht immer zufrieden sein, meinte Gerald Forstmaier. Um so schöner als der Anruf von Martina und Rudi Nagl kam: „Wir wollen was Sinnvolles für den Umweltschutz machen. Wir hätten da zwei Grundstücke im Isental zu verschenken“, sagten sie. „Das war wie Weihnachten und Geburtstag zusammen“, so der Laudator.

Sogleich setzte sich der GAL-Stadtrat an die Planung, entwarf das Projekt. „Es geht um die Aufwertung im Sinne des Artenschutzes“, berichtete er. Die Wildland-Stiftung wurde mit ins Boot geholt. Jetzt will das Team gemeinsam mit „Natur - Vielfalt - Isental“ langfristig das Areal und die Artenvielfalt im Isental beackern, mit artenreiche Blumenwiesen, Heckenstrukturen und Totholz sanieren. Biodiversität sei das Schlagwort. „Das ist langfristig ein essentieller Teil für das Überleben der Menschheit - schön, dass ihr uns dabei unterstützt“, dankte Forstmaier und überreichte Martina und Rudi Nagl den Umweltpreis 2020 der Stadt Dorfen. „Ein mutiges und weitsichtiges Projekt“, lobte er die edlen Spender.

Umweltpreis 2022 für Regina Blasi und den Gartenbauverein Grüntegernbach

Den Umweltpreis 2022 nahm Regina Blasi, stellvertretend für den Gartenbauverein Grüntegernbach entgegen. „Selten habe ich einen schöneren Ort gesehen - allein der Blumenschmuck am Dorfplatz - und die üppigen Gärten. Wir waren verzaubert, alles war wie im Märchen“, stellte Walter Zwirglmaier fest, als er im Frühsommer bei einer Radtour durch Grüntegernbach radelte. „Was meine Frau und ich hier gesehen haben, ging weit über den Standard hinaus.“

Um so mehr freute es den Förster und ÜWG-Stadtrat nun, Regina Blasi wegen ihres Einsatzes für Natur, Umwelt und Gesundheit zu danken. Besonders das Heranführen und Sensibilisieren von Kindern und Jugendlichen sei dem Verein ein wichtiges Anliegen, hieß es in der Laudatio. Kein schöner Ort als Grüntegernbach: „Es ist narrisch schön, dass ich hier wohnen darf“, sagte Blasi bei der Preisvergabe und verwies auf die Grundschule und den Kindergarten im Ort, die „Greadugge“ liebes- und lebenswert für Familien machen. „Wir haben einen tollen Verein und mit die schönsten Gärten im Landkreis.“

Kulturpreis 2020 für Georg Schmederer

Seit elf Jahren ist s’Kino im Jakobmayer eine Top-Adresse für Cineasten. Ohne Georg Schmederer gäbe es das kleine aber feine Lichtspielhaus in der Isenstadt nicht, würdigte Laudator Ludwig Rudolf sein ehrenamtliches Engagement mit dem Kulturpreis 2020. Der gebürtige Dorfener stamme aus einer alten Kaufmannsfamilie und sei 1955 im Schmederer-Haus, gleich neben dem Wesnertor, geboren, so Kulturreferent Rudolf. Aber mit Kaufhäusern habe er nie etwas am Hut gehabt, seine Leidenschaft gehörte der Technik. Und anspruchsvollen Filmen. Schmederers Traum: „Ein eigenes Kino.“ Als die Stadt den Jakobmayer sanierte, kam endlich Schmederers Zeit. „Er entwickelte ein Konzept, überzeugte damit den Stadtrat und sammelte Spenden, etwa durch Kinostuhlpatenschaften.“

Cineasten können seither auf großer Leinwand Arthouse-Streifen sehen, denn nur selten stehen hier Blockbuster auf dem Programm. Gemeinsam mit seiner Frau Inge Schmederer kümmert er sich um alles, die Technik und Wartung, die Filmauswahl und die Einsatzpläne der acht Mitarbeiter. „Ein Fulltime-Job - oft bis in die Nacht hinein.“

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