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Von Afrika nach Arndorf

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Von: Birgit Lang

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Zwei Männer umrahmen eine alte Dame stehend
Eine Jubilarin mit weitgereistem Erlebnisschatz: Gertrud Gräbner (Mitte) an ihrem 90. Geburtstag zusammen mit Landrat Martin Bayerstorfer (r.) und Kirchbergs Bürgermeister Dieter Neumaier. © Jana Liebhardt

Ex-Lehrerin Gertrud Gräbner, die erste Gemeinderätin von Kirchberg, darf auf 90 bewegte Lebensjahre zurückschauen

Kirchberg – Ist das vorstellbar? Mit 89 Jahren bis 2 Uhr nachts mit Tochter und zwei Enkelkindern in den eigenen 90. Geburtstag „hineinpuzzeln“? Das ist nicht nur vorstellbar, sondern wurde vor wenigen Tagen Realität: Gertrud Gräbner aus Arndorf baute mit ihren Lieben die halbe Nacht bis zu ihrem runden Geburtstag ein 1.500-teiliges Puzzle fertig.

Den Ehrentag verbrachte die 1932 in Stuttgart geborene Gräbner dann mit vielen Anrufen von Verwandten, Freunden und Bekannten sowie Besuchen von Arndorfer Nachbarn. In den Gratulationsreigen reihten sich auch Landrat Martin Bayerstorfer und Kirchbergs Bürgermeister Dieter Neumaier – selbst ein gebürtiger Arndorfer – ein und überbrachten der Jubilarin herzliche Glückwünsche und kleine Geschenke.

Lehrerin und Liebe in Äthiopien

Gertrud Gräbner studierte in jungen Jahren an den Universitäten in Marburg und Frankfurt Lehramt für Realschule. Als sie Anfang der 1960er-Jahre einige Zeit an der Deutschen Schule in Äthiopien unterrichtete, lernte sie dort ihren späteren Ehemann Karl-Erich Gräbner kennen, der ebenfalls in dem ostafrikanischen Land als Lehrer tätig war. Zurück in Deutschland wurde 1969 geheiratet und mit den Kindern Peter und Anna war das Familienglück perfekt. Beruflich bedingt – Gräbners Ehemann Karl-Erich hatte den Schuldienst quittiert und eine Stelle beim ZDF angetreten – verschlug es die Familie zunächst nach Erding.

Anwesen in Arndorf

Anfang der 1980er-Jahre machten sich die Gräbners auf die Suche nach einem Haus mit großem Garten und wurden schließlich in Arndorf fündig, wo sie das kleine, ehemalige landwirtschaftliche Anwesen „beim Lohhans“ erwarben. Gertrud Gräbner unterrichtete in Bayern anfangs in Burgau (Landkreis Günzburg), später an der Volksschule Reichenkirchen und dann lange Jahre an der Hauptschule in Wartenberg. Als erfahrene Pädagogin ließ sie sich gegen Ende ihrer Lehrerlaufbahn als mobile Reserve einteilen und kam so als Mutterschaftsvertretung an die Grundschule Schröding, wo sie 1989 pensioniert wurde.

Erste Frau im Kirchberger Gemeinderat

1990 wählten die Bürger Gertrud Gräbner auf Anhieb als erste Frau in den Kirchberger Gemeinderat, dem sie eine Periode lang angehörte und in dem sie gewohnt selbstsicher und aktiv mitarbeitete. In diese Zeit fielen beispielsweise die Entscheidung und Vorbereitung des Schulhausneubaus in Schröding und die Bebauungspläne Burgharting-West und Kirchberg-Einfeld. Auf die Frage, was denn das Spannendste in ihrer Gemeinderatszeit war, antwortet Gräbner mit einem verschmitzten Lächeln und einem zwinkernden Auge: „Der Bürgermeister!“ Gemeint ist hier Kirchbergs Ex-Gemeindeoberhaupt Georg Strohmaier sen., der damals auch als „Holzland-Texaner“ bekannt war.

Zurück nach Afrika

Die Liebe zu Afrika veranlasste Gertrud Gräbner ihrem Ehemann 1994 zum 70. Geburtstag von ihrem Geld eine Farm in Namibia zu kaufen und sie ihm zu schenken. In den Folgejahren verbrachten beide gemeinsam, und nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2000 Gertrud Gräbner alleine, viel Zeit in dem südwestafrikanischen Land. Das war auch der Grund, warum Gräbner für keine zweite Amtszeit als Gemeinderätin kandidierte. Regelmäßig kam sie jedoch zurück nach Deutschland, um in Arndorf nach dem Rechten zu sehen und Sohn Peter, der das heimische Anwesen zwischenzeitlich übernommen hatte, zu unterstützen. Einige Kirchberger nutzten die Gelegenheit und besuchten zusammen mit den Gräbners die Farm in der ehemaligen deutschen Kolonie und berichten noch heute von der eindrucksvollen Namib-Wüste oder von der artenreichen Tierwelt.

Zweiter Ruhestand

Obwohl Gertrud Gräbner bei guter Gesundheit und geistig fit ist, sind solche Reisestrapazen heute nicht mehr denkbar. In ihrem quasi „zweiten Ruhestand“ bei Sohn Peter genießt sie nun einmal mehr den großen naturnahen Garten, der schon immer ihr Interesse und Hobby war. Sie liest viel, löst gerne Sudokus und macht – wenn es das Wetter zulässt – täglich einen Spaziergang bis zum rund einen halben Kilometer entfernten Wasserhaus östlich von Arndorf, rastet dort auf einer eigens aufgestellten Bank, bevor sie sich wieder auf den Heimweg macht. Zuhause genießt sie, dass Enkelin Jana seit kurzer Zeit bei ihr wohnt und ihr hilfreich zur Hand geht. An Arndorf schätzt Gertrud Gräbner ganz besonders die gute Nachbarschaft. Und was sie noch schätzt ist das Bauen von Puzzles – auch wenn es manchmal die halbe Nacht dauert.

Dieter Neumaier

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