Interview

Vorsitzender des Gewerbevereins Holzland Georg Strohmeier über die Suche nach Azubis 

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Der Vorsitzende des Gewerbevereins Holzland Georg Strohmaier.

Auszubildende zu finden, ist nicht leicht. Vor allem, wenn die Betriebe auf dem Land sind. Georg Strohmaier, Vorsitzender des Gewerbe­vereins Holzland, hat dazu eine ziemlich unkonventionelle Einstellung.

Interview mit Georg Strohmeier, Vorsitzender des Gewerbevereins Holzland, über 

Herr Strohmaier, ist es generell schwerer heutzutage Azubis zu finden? 

Das kann ich generell so nicht gelten lassen. Eine lapidare Aussage zu treffen, Lehrlinge zu bekommen, ist schwierig und stimmt nicht immer.

Man muss sich halt auf die Hinterfüße stellen, was tun und kämpfen. Ich bin bei unserem letzten Lehrling auch zur Familien gefahren und hab mich anhand von Vorgesprächen schon ein Jahr vorher gekümmert, weil ich gesehen habe, dass er gut geeignet ist.

Das gilt für Sie, aber auch für andere Unternehmen? 

Betriebe, die gerne mit Lehrlingen arbeiten, die stellen sich auch auf die Hinterfüße und kümmern sich, dass sie welche kriegen. Wir kriegen ja auch Unterstützung von den Schulen, sei es beim Jobbörsen-Organisator Manfred Stangassinger oder beim Schulleiter Adi Geier von der Mittelschule Taufkirchen. 

Die schauen auch, dass die Betriebe landum immer wieder Schnupperlehrlinge kriegen, etwa zu den Schnuppertagen, wie es sie in den Faschingstagen immer gibt. Dort sind unsere Betriebe schon bekannt, die gerne Schnuppertage und -lehren anbieten.

Stellt sich der Gewerbeverein Holzland auch auf die Hinterfüße? 

Ja, wir sind mit dem Gewerbeverein fest dran, wieder unsere Lehrlingsbörse zu aktualisieren und waren bei der Jobbörse der Taufkirchener Mittelschule diesen März wieder stark vertreten. Wir sind in unserem Gewerbeverein schon aktiv.

Ein Problem ist, wie die Azubis zum Lehrbetrieb kommen oder? 

Ja, das ist ein sehr großes Problem, wobei ich mich persönlich da zurückhalten muss. Denn unser Betrieb ist selbst betroffen. 

Wir haben Gastschulanträge bestellt für Landshut, weil unsere Lehrlinge sonst nach Freising und München müssen zur Überbetrieblichen. Wir haben gedacht, dass es nach Landshut kürzer wäre. 

Jetzt ist die Busverbindung aber mehr oder weniger nicht vorhanden beziehungsweise unsere Lehrlinge können erst ab der B15 zusteigen. Jetzt fährt mein Mitarbeiter seinen Lehrling halt jeden Tag in der Früh nach Quick zum Bus. 

Ein weiteres Problem ist, dass der Bus erst um 17.45 Uhr zurückfährt, unser Lehrling aber oft schon um 12 oder 12.30 Uhr Schule aus hat. Dann holen wir ihn wieder in Landshut. Die Busverbindung ist ein sehr großes Problem. 

Ich weiß seit über einem Jahrzehnt, dass die Busverbindung nicht mehr passt und man oft umsteigen muss. Nur ich als Handwerksmeister und Vorsitzender des Gewerbevereins traue mich gar nicht mehr aufzumucken, weil das mit den Busverbindungen ein schwieriges Unternehmen ist. 

Gerade bei uns auf dem Land fahren die zwei, drei Busse oft halb leer. Dann sehe ich wie schwer das zum Finanzieren sein muss. Das ist wahrscheinlich das größte Problem. Den Bus einteilen kann man schon, aber wer soll es dann bezahlen.

Stimmt es, dass fast nur noch Mittelschüler ins Handwerk gehen? 

Es heißt zwar immer wieder, für‘s Handwerk kann man sowieso keine Realschüler kriegen, weil die lieber ins Büro gehen, größere Firmen bevorzugen oder studieren wollen. Aber das kann ich nicht bestätigen. 

Wir haben immer wieder Interessenten aus der Realschule und wir hatten auch schon einige in unserem Betrieb. Bei denen passiert es oft, dass sie einen vorzeitigen Lehrabschluss machen. Sie lernen halt dann drei oder nur zweieinhalb Jahre, weil sie von der schulischen Bildung her schon große Vorzüge haben.

Sie sehen die Ausbildungslage also nicht so negativ?

Nein, ich persönlich nicht. Und ich sehe auch im Gespräch mit Kollegen, wie etwa unserer Schriftführerin Margit Niedermaier, dass man sich kümmern muss, um nicht unter die Räder zu kommen. 

Sicher ist bei den Lehrlingsbörsen die Industrie stark vertreten und sie suchen sich die vermeintlich besseren Schüler raus, das mag schon sein. Aber ich habe schon Lehrlinge ausgebildet, die in der Schule keine guten Noten hatten, aber die sind später die besten Handwerker geworden.

Es gibt nach wie vor Schüler, die entwickeln sich in der Berufsausbildung erst richtig. Die brauchen ein bisschen länger. Das Zeugnis ist natürlich sehr wichtig, aber man darf die anderen nicht vergessen. Wenn der Wille da ist, dann gibt‘s auch einen Weg. Wenn der Ausbildungsbetrieb sich entsprechend einsetzt, dann ist es auch kein Problem den Lehrling zu fördern, weil er im Arbeitsfortgang einfach mitläuft. 

Der Lehrling wird von den Gesellen an der Hand geführt. Was soll da das Komplizierte dran sein. Es gibt mittlerweile viele Betriebe, die keine Lehrlinge mehr nehmen, aber es gibt noch genug andere Handwerksbetriebe, die gerne ausbilden.

Welche Rolle spielt der Verdienst? 

Ich hab es nicht geglaubt, aber es ist schon mit ausschlaggebend. Das hab ich in den letzten Jahren lernen müssen. Wobei ich sagen muss, dass die Handwerksberufe mit den Ausbildungsvergütungen wirklich gut nachgezogen haben. 

Da geht keiner mehr unter 700/800 Euro heim im ersten Lehrjahr. Ich bin schon der Meinung, dass die jungen Kerle damit auskommen können. Sicher verdienen sie in der Industrie bis zu 150 Euro mehr, aber dann muss ich schon fragen, wollt ihr was lernen oder geht‘s nur noch um den Lohn. Das Persönliche ist doch auch sehr wichtig.

Wie viele Azubis haben Sie schon ausgebildet und gab es schon mal Probleme? Bei meinen 48 Azubis ist es eigentlich nur einmal passiert. Da haben wir uns im beiderseitigen Einverständnis wieder getrennt.

Die Zahl der Ausbildungsabbrecher steigt. Woran liegt das in ihren Augen? 

Vielleicht auch am Betrieb. Ich war ja selber auch Berufsabbrecher. Ich habe bei Himolla 1966 eine Lehre als Betriebselektriker angefangen. Hatte schon ein Riesenglück, dass ich da überhaupt reingekommen bin. Dann hab ich im Februar 1967 zu meinem Vater gesagt, dass es mir nicht gefällt, weil ich durch den Betrieb geschickt wurde und meistens nur Brotzeit holen musste.

Mein Vater hat mich unterstützt und dann bin ich nach Langengeisling gekommen zu einem Installateur. Und dann hab ich es bereut. Denn dort war es genau entgegen gesetzt. Da konnte ich nicht mehr genug arbeiten.

Was würden Sie empfehlen? 

Was ich wichtig finde, sind Schnupperlehren. Sie sollten noch ein bisschen ausgebaut werden, weil es so viele Berufsanfänger gibt, die sich bei der Berufwahl hart tun. Mit 15/16 Jahren ist es ein Unding zu wissen, was man will. Das wissen vielleicht 15 oder 20 Prozent. 

Für die anderen kommt ein viel größeres Spektrum in Frage. Wenn ich nur in ein, zwei Möglichkeiten reinschnuppern kann, sind sie nachher vielleicht unglücklich mit ihrer Berufswahl. Deshalb sollte man ihnen vorher die Möglichkeit geben, in möglichst viele Betrieben reinzuschnuppern zu können. til

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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