Sport

Die Behinderung akzeptieren

+
Bernd Schott mit voller Montur beim Schießen.

Die Weltmeister Bernd Schott und Josef Neumaier gelten als Vorreiter in Sachen Inklusion im Schützensport.

Mühldorf/Inn – Die Inklusion, also die Einbindung behinderter Sportschützen und Hobbyschützen in den allgemeinen Schießbetrieb und Leistungssport, steht seit jeher auch im Focus der deutschen und bayerischen Sportschützen. Dazu gehört auch der Schützengau Mühldorf, der dazu vor allem auch für den unteren Bereich der Sportschützen eigene Regelungen innerhalb des Gaues Mühldorf für die Gaumeisterschaften - und wettkämpfe geschaffen hat.

Gerade aus unserer Region mit Bernd Schott, dem mehrfachen Welt- und Europameister, oder auch Sepp Neumaier, mehrfacher Deutscher- und Weltmeister, sowie erfolgreicher Medaillengewinner bei den Paralympics und einer der ersten Rollstuhlfahrer in der Bundesliga mit Gilde Waldkraiburg, gibt es Vorreiter in Sachen Inklusion im Schützensport.

Die Ehefrau hilft, wo sie kann

Bei einem der größten Inklusions-Wettkämpfe trat auch Bernd Schott aus Waldkraiburg an den Schießstand. Vollgepackt mit einem großen Wagen betrat das Ehepaar Schott den Schießstand bei der ISCH in Hannover; darauf eine große Tasche, ein Gewehr und ein selbstgebauter Tisch. Alexandra Schott, selbst eine begeisterte Sportschützin, begleitet ihren Mann auf jeden Wettkampf, nicht nur aus Spaß an der Freude, sondern weil er sie braucht – mehr denn je.

Ehrgeiz ungebrochen

Ein Schlaganfall während der Arbeit veränderte sein Leben und auch das seiner Frau. Trotzdem beschloss Bernd Schott bereits auf der Intensivstation, kurz nachdem er aus dem Koma erwacht ist: „Ich will wieder schießen.“ Heute, fünf Jahre später, geht alles etwas langsamer und beschwerlicher, ein Stock hilft ihm die halbseitige Lähmung beim Gehen auszugleichen. Das Schießen ist nur noch mit Federbock und der Ladehilfe seiner Frau möglich. 

Doch das Wichtigste ist: Er ist wieder da, da bei seinen Freunden, da mit seinem Herzen. „Das Schießen ermöglicht mir raus zu gehen in die Öffentlichkeit, mich über die Behinderung auszutauschen, meine alten Kollegen wieder zu treffen. Diese Kameradschaft ist viel Wert“, erzählt er, „Es ist schön, nicht abgeschrieben zu werden und wieder dabei sein zu können.“ 

Was bedeutet Inklusion?

Was dabei hilft, ist Inklusion. Doch was bedeutet das genau? Inklusion heißt nichts anderes, als dass jeder Mensch ganz natürlich dazu gehört. Egal wie er aussieht, egal wo er herkommt, egal ob mit oder ohne Behinderung. Jeder soll mitmachen können, jeder soll mitschießen können. Dafür bietet das Sportschießen die Möglichkeit, gerade auch im Mannschaftssport, wo die Durchlässigkeit vom Schüler bis zu den Senioren und Schützen mit Handicap, gegeben ist.

Sich gegenseitig akzeptieren

Wie das funktioniert, zeigen Bernd Schott und Josef Neumaier, die seit Jahren gemeinsam trainieren. Früher half Bernd Schott Josef Neumaier auf dem Weg nach oben, gab ihm Tipps und Tricks als Weltklasse-Schütze, heute ist es genau umgekehrt und er profitiert von der Erfahrung seines Schützenkollegen im paralympischen Sport. Zwei Freunde, die sich durch den Sport gefunden haben, die voneinander profitieren und früher sowie heute miteinander unterwegs sind und sich dabei so akzeptieren, wie sie sind: Das ist echte Inklusion. fr

Auch interessant:

Meistgelesen

Taufkirchener kbo-Personalratsvorsitzender Franz Wimmer geht in Rente
Taufkirchener kbo-Personalratsvorsitzender Franz Wimmer geht in Rente
Sparkasse ehrt langjährige Mitarbeiter
Sparkasse ehrt langjährige Mitarbeiter
Lebensfreude beim Boogie in Taufkirchen
Lebensfreude beim Boogie in Taufkirchen

Kommentare