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Wer spendet Hilfsgüter für ukrainische Flüchtlinge? 

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Von: Birgit Lang

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Ein Mann mit Brille und Bart sitzt einer Frau mit schwarzen Haaren an einem Tisch gegenüber, die beiden unterhalten sich
Pater Paul Krutschek hat sich mit Seniorenbeiratin Sosa Balderanou eine erfahrene Organisatorin für den Hilfskonvoi gesucht. Spontan sagte sie ihre Hilfe zu. Wie viele andere auch © Birgit Lang

Pater Paul Krutschek CR vom Pfarrverband Taufkirchen organisiert mit Hilfe von Seniorenreferentin Sosa Balderanou
einen Hilfsgütertransport nach Polen. Feldbetten, Bettwäsche, Pampers und vieles mehr wird benötigt.

Taufkirchen – Krieg in Europa – das macht vielen Angst. Viele Menschen möchten helfen, zwei davon sind Taufkirchens Pater Paul Krutschek CR und Seniorenreferentin Sosa Balderanou.

Die Zwei planen seit Samstag einen Hilfskonvoi, um den ukrainischen Flüchtlingen in Polen dringend nötiges Material zu bringen. Seither stehen ihre Telefone nicht still.

Auf die Idee habe ihn Alexa Julia Zündit aus Taufkirchen gebracht, erzählt Krutschek. Sie hatte dem Pfarrer eine Nachricht geschickt und ihn gefragt, ob man irgendwie, vor allem den Kindern helfen könnte.

Die besorgte Taufkirchener Mutter hatte schon kräftig beim Hilfskonvoi vor Weihnachten mitgeholfen, als Paul mit Verwaltungsleiter Daniel Helmecke und zwei Freunden Spiel- und Sportsachen in die Ukraine bringen wollte. 14 Stunden wurden sie von den ukrainischen Grenzern schikaniert und dann wieder zurückgeschickt.

Trotz dieser frustrierenden Erfahrung ist es ihm ein Anliegen wieder zu helfen. „Wir sind als Christen zu Caritas – also zur Liebe für den Nächsten aufgerufen.“ Schon damals hatte er weitere Hilfstransporte angekündigt, dass es so schnell geht, hatte er nicht gedacht. Dieses Mal möchte er dringend Hilfsgüter sammeln und diese spätestens in 14 Tagen mit einem Konvoi nach Polen bringen. Kleinere Transporter stehen ihm zur Verfügung, Spediteur Anton Fürmetz stellt einen Laster zur Verfügung. Auch Geldspenden sollen möglich sein. Nicht möglich seien allerdings Spenden direkt in die Ukraine, sagt Pater Paul. Denn die Situation sei noch komplizierter als vor Weihnachten.

Halbe Million Flüchtlinge

Laut Tagesschau (24. Februar) leben aktuell zwei Millionen Ukrainer in Polen. Sie sind infolge der Krim-Annexion und des Donbass-Konflikts, aber auch wegen der Arbeit gekommen und gehören inzwischen zum polnischen Alltag. Mehr als eine halbe Million Menschen sind laut UN aus der Ukraine geflohen - die meisten nach Polen. Nach Deutschland kamen bisher 1800 Menschen. Denn seit 24. Februar fliehen täglich Tausende von Ukrainer mit dem Auto oder zu Fuß in die Nachbarländer. Die polnische Bevölkerung stehe ihnen aufgeschlossen gegenüber. Schließlich verbindet beide Nationen eine lange Geschichte. Die Flüchtlinge würden von den Aufnahmestationen dann auf die Städte verteilt, so Pater Paul.

Er ist ständig in Kontakt mit seinen Mitbrüdern vom Orden der Resurrektionisten in Lemberg. Der knapp 730.000 Einwohner zählende Ort liegt nur 60 Kilometer von der Grenze entfernt und 15 Kilometer vom Militärflughafen von Sambir, der schon angegriffen wurden. Im Kloster Lemberg-Lwiw werden auch 45 Kinder versorgt, die teilweise Waisen sind oder nur noch einen Angehörigen haben. „Dort wird super tolle Arbeit geleistet“, sagt Krutschek. Die Güter, die er vor Weihnachten nicht in der Ukraine abliefern konnte, seien dort schon lange und gut angekommen. Lembergs Bischof Mieczysław Mokrzycki habe den Transport persönlich mit seinem Sekretär über den Diplomatenweg dorthin gebracht.

Auch mit Mikolaj (Nikolaus) Lipitak CR habe er gesprochen. Vier mal habe es dort schon Bombenalarm gegeben, habe er ihm mitgeteilt und gebeten: „Sag deiner Regierung, dass wir allein sind“. Verständlich, dass sich der Taufkirchener Pfarrer, der selber aus Polen stammt, große Sorgen macht. „Die Menschen dort haben Angst und verstecken sich in der alten Kapelle unter der Kirche.“ 300 Personen könnten dort Schutz finden. Pater Mikolaj bitte nicht für sich, sondern für die Flüchtlinge, die alles in der Ukraine hinterlassen haben, betont sein Ordensbruder.

Auch mit Provintial P. Krzysztof Swół CR in Krakau ist der Taufkirchener Seelsorger in Kontakt. 50 Flüchtlinge wurden im dortigen Priesterseminar erwartet und man habe Platz für weitere Menschen. An Platz und Essen fehle es nicht, aber an Betten, Bettzeug, Handtücher, Pampers, Hygieneartikel und Waschmittel. Deshalb bittet Pater Paul um aufklappbare Camping- und Feldbetten mit Matratzen und die weiteren fehlenden Güter, die er mit Hilfe von Balderanou, die alles organisiert, sammeln und persönlich mit ihr dorthin fahren möchte.

Die deutsche Griechin, CSU-Kreis- und Gemeinderätin sowie Vorsitzende des Verein für Therapeutisches Reiten Taufkirchen hat sich spontan bereit erklärt, dem Pfarrer zu helfen. Sie ist bestens vernetzt und eine erfahrene Organisatorin. Sie hat sich nach einem kurzen Briefing mit ihm sofort ans Telefon und Laptop gesetzt, um Sach- und Geldspenden aufzutreiben. Pater Paul organisiert derweil alles in Polen, wo welche Güter abgeliefert werden sollen - fest stehen schon die Städte Kolbuczowa, Rzeszeow, Przemysl und Krakau. Und er kümmert sich um die Zwischenlagerung in Taufkirchen. Auch Landrat Martin Bayerstorfer haben beide um Hilfe gebeten. Er hat seine Unterstützung ohne langes Zögern sofort zugesagt.

Jeder kann mithelfen

Balderanou freut sich über jedes Unternehmen, jede Institution und jede Privatperson, die spenden kann und will. Am Montagabend hatte sie bereits Zusagen für 5000 Euro an Spenden und viele Hilfsgüter erhalten. Sie könnte sich auch vorstellen, dass Alleinlebende in einem großen Haus ukrainische Frauen und Kinder aufnehmen möchten. „Das wäre eine Win-Win-Situation für beide. Die Sprache ist der Schlüssel zur Integration.“ Solche Hilfsaktionen würden das Miteinander und den Zusammenhalt stärken. „Keiner verlässt seine Heimat, weil es ihm dort nicht gefällt“. Auch im Pfarrverband Taufkirchen könnte man ukranische Familien aufnehmen, so der Pater. Wer helfen möchte kann Balderanou kontaktieren unter Handy (0152) 31 09 67 30 oder via Email balderanou@freenet.de. Pater Paul ist unter Handy (01 62) 569 74 61 zu erreichen.

Spendenkonto

Zudem wurde ein Spendenkonto für die Resurrektionisten e.V. eingerichtet unter dem Stichwort: „Von Null auf 100“, Kto DE87 7509 0300 1409 0192 00. Auf Nachfrage kann eine Spendenquittung ausgestellt werden.til

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