Freizeit-Tipp

Wie erlebt der Oberreither Wildpark die Corona-Zeit?

Der renovierte Waldseilgarten
+
Oberreit-Wildpark-Waldseilgarten-6594.jpg

Jetzt ist die Zeit, alles auf Vordermann zu bringen

Oberreith – Ungewohnt ist derzeit ein Spaziergang mit Geschäftsführer Thomas Mittermair durch den Park. Wo man sonst nicht lange an einem Gehege oder an einer Voliere steht, weil Besucher nachrücken, herrscht nun Ruhe. Kein weiterer Mensch ist in Sicht. Die Tiere sind daher neugieriger, kommen hervor und schauen. So redet die Uhu-Dame, wann immer sie jemanden erblickt, was derzeit aber noch überschaubar ist. Die Alpakas traben heran und mustern neugierig, selbst der Fuchs verschwindet nicht, sondern beäugt die Zweibeiner zwar aus sicherer Entfernung, aber er bleibt. Die Ziegen drängt es auch nach draußen, sobald sich etwas rührt, vielleicht gibt‘s ja doch ein Leckerli? Im Streichelzoo halten die Tiere Ausschau nach Menschen.

Totenstill ist es trotzdem nicht, denn jetzt sei die Zeit, alles auf Vordermann zu bringen, berichtet der Geschäftsführer. Er rechnet fest mit dem absehbaren Öffnen des Parks. Ist das geschehen, sollten Bereiche aufgrund von Instandhaltungen nicht so bald wieder schließen müssen. So laufen jetzt Handwerker und Mitarbeiter durch die Anlagen, streichen etwa den neuen Bahnhof, bauen ein neues Heim für die Wollschweine oder erneuern den Hochseilgarten. Letzterer ist nun fast wie neu, weitere Parcours sind hinzugekommen. Nicht nur das Notwendige ist ersetzt worden, sondern auch das, was in absehbarer Zeit nach Austausch verlangt.

Das war es aber noch nicht mit den Auswirkungen dieser Krise. Thomas Mittermair ist arbeiten gewöhnt, mehr noch, sie bestimmte die letzten 20 Jahre sehr stark sein Leben, als es darum ging, den Wildpark aufzubauen. Sieben Tage die Woche etwas mit einem Ziel zu tun war normal. Das hat sich im vorigen Jahr nun erstmals geändert. „Plötzlich war gar nichts mehr. Wir haben fünf Telefone, eines klingelte immer, jetzt ist Ruhe.“ Kein Wunder, denn Feiern sind auch nicht mehr möglich. Nun entdeckte der Landwirtschaftsmeister Mittermair mit seiner Familie die Umgebung, sei es die Gemeinde oder „den Inn rauf und runter“; mit dem Elektrofahrrad macht das Spaß. Das geht plötzlich samstags, was schon eine Überraschung war, aber jetzt auch noch sonntags. Und es ist jetzt auch Zeit, die Kommunikation mit Mitarbeitern nicht nur auf das beruflich Notwendige zu beschränken, sondern auch etwas mehr von ihnen zu erfahren.

Hat diese Krise nur Vorteile? Bestimmt nicht. Denn egal über was man spricht, sei es über die neue Indoorhalle mit Regionalladen und Produkten aus der Stiftung Attl und Gabersee, oder über die neue Wärmepumpe, die zusammen mit der Fotovoltaikanlage dafür sorgt, dass sich der Wildpark selbst mit Energie versorgt, dreht sich doch fast alles letztlich um Corona. So auch die Frage, wie lange das ohne Einnahmen für den Wildpark durchzuhalten ist? Immerhin sind viele Tiere zu versorgen, Gebäude zu unterhalten, Tierpfleger und Handwerker zu bezahlen und die Kosten für Instandsetzungen aufzubringen. Die Antwort ist einfach: „Wir müssen dazu Kredite aufnehmen, aber die müssen wir auch wieder zurückbezahlen“, fasst Thomas Mittermair zusammen. Er habe Glück, meint er, „denn wir verfügen der über umfangreiche Sicherheiten in Form von Grund und Boden.“

Trotzdem schwingt immer die Frage mit, warum das Thema Corona zunehmend widersprüchlich wird, weshalb Menschen daheim eingesperrt werden, wenn sie sich in der Natur besser verteilen könnten. War der Beginn der Maßnahmen vor einem Jahr noch nachvollziehbar, gelingt das jetzt nicht mehr so leicht, sieht er immer öfter. Tragisch sei auch, dass andere Betriebe, vor allem Gastwirtschaften, auf der Strecke bleiben; auf das Warum findet auch er keine Antwort. Sei es eine Option für ihn zuzusperren? „Nein, das war nie ein Thema. Wir bauen doch nicht 20 Jahre was auf und wenn‘s dann läuft, machen wir in einer Krise gleich zu!“, zeigt sich Mittermair entschlossen. Auch wenn ihm manchmal nicht danach ist, sieht er es trotzdem als seine Aufgabe an, Zuversicht zu verbreiten. Denn das sei er seinen 60 Mitarbeitern schuldig, sagt er. Die meisten bezögen derzeit Kurzarbeitergeld, niemand werde ausgestellt. „Warum auch, wenn‘s wieder losgeht brauchen wir jeden.“ Eine nette Geste war zu Beginn die sogenannte Soforthilfe, aber doch nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“. Ein Kredit sei ihm angeboten worden: „Ein Witz, mit dem doppelten Zinssatz der Hausbank“. Das war es dann im Frühjahr mit der staatlichen Unterstützung.

Jetzt konzentriert er sich mit seinen Mitarbeitern auf den Tag, an dem es wieder losgeht. Voriges Jahr lief es im Sommer ja auch wieder gut an. Die neue Indoorhalle mit einer Spielelandschaft auf drei Etagen habe man gar nicht richtig in Betrieb nehmen können, doch trotz allem: „Das vorige Jahr war gar nicht so schlecht.“ Er schätzt, dass sich die Einnahmen etwa um ein Drittel reduziert haben, mag aber sonst keine Zahlen nennen. Im Blick ist das 20-Jahre-Jubiläum im kommenden Jahr, da kann man sich einiges ausdenken. „Das ist viel wichtiger“, schaut Thomas Mittermair nach vorn. - kg

Auch interessant:

Meistgelesen

Kommentare