Interview mit einem Wrestler

Wrestling – Alles nur Fake?

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Don Sheen wirft seinen Gegner von einer Leiter!

Dominik Schiens größtes Hobby ist das amerikanische Wrestling. Er selber kommt aus Dorfen und übt seine Leidenschaft bei der EWS – Erding Wrestling Show aus. Auch, wenn der 21-Jährige von der großen Karriere träumt, bleibt er auf dem Boden.

Dominik Schien

Wrestler aus Dorfen


Hallo Dominik, Du hast ein sehr ungewöhnliches Hobby: Wrestling. Wie bist du dazu gekommen?

Seit ich zehn Jahre alt bin, schaue ich regelmäßig die WWE (World Wrestling Entertainment) im Fernsehen an. Das, was da gezeigt wird, faszinierte mich auf den ersten Blick. Zu sehen, wie die Kämpfer bewundert werden, hat mich schließlich dazu gebracht, bei der Erding Wrestling Show, kurz EWS, im Training vorbeizuschauen. Ich wollte auch dieses Gefühl haben, dass mir die Leute zujubeln.

Was ist Wrestling überhaupt?

Wrestling kommt aus Amerika und ist eine Show-Kampfsportart. Im Endeffekt kann man sich es wie eine Seifenoper vorstellen, nur dass sich die Darsteller verkloppen (lacht). Man schlägt sich aber nicht nur, sondern baut auch spektakuläre Würfe und Sprünge ein. Jeder hat seinen eigenen Charakter. Wie in einem Film gibt es die Guten und die Bösen. Wer wen darstellt ist ziemlich offensichtlich, je nachdem wie man mit den Fans umgeht oder wie man sich im Kampf verhält. Die Kunst ist es, den Gegner nicht zu verletzen, es aber trotzdem so aussehen zu lassen. Damit nichts Ernsthaftes passiert, haben Wrestler jedes Training Fallschule und rollen sich sehr viel ab.

Ist Dir schon mal was passiert?

Bis auf ein paar Blessuren und eine blutige Nase hatte ich bisher noch nichts. Einem Gegner habe ich versehentlich mit einem Ellenbogenschlag ein blaues Auge verpasst, aber so etwas passiert nun mal.

Was ist Dein Charakter?

Ich nenne mich Don Sheen und bin im Moment einer von den Guten. Ich spiele einen Jungen, der gerade frisch von der Schule kommt und vielleicht nicht der größte oder stärkste ist, aber durch seinen Kampfgeist besticht. Ich wäre aber deutlich lieber wieder der Böse. Da kann man richtig die Sau rauslassen, weil man schließlich erreichen will, dass die Fans jemanden nicht leiden können und deswegen ausbuhen.

Du sprichst von Seifenoper. Ist der Kampf als nicht echt nur gespielt, also fake? Schließlich steht diese Behauptung im Zusammenhang mit Wrestling oft im Raum.

Da muss man differenzieren können. Wrestling ist ein absoluter Leistungssport. Ich habe früher auch Fußball gespielt und kann sagen, dass zehn Minuten im Ring anstrengender sind, als eine Stunde auf dem Platz. Wir wissen zwar davor wer gewinnt, aber was wir da im Ring machen, ist verdammt hart, vor allem der Boden, wenn du volle Wucht aus zwei Meter draufknallst, das kann man nicht schauspielern. Da muss man einfach durch. Aber wir haben ein Zauberstück im Ring. Es ist eine Feder in der Mitte, die das Fallen erträglicher macht. Ansonsten besteht er nur aus Metall, Holz und ein paar Judomatten.

Gibt es beim Wrestling eigentlich Regeln?

Natürlich gibt es die. Das Ziel der meisten Matches (Kämpfe) ist es, seinen Gegner drei Sekunden lang mit den Schultern auf die Matte zu drücken, oder zur Aufgabe zu zwingen. Wenn man sich mehr als zehn Sekunden außerhalb des Rings aufhält, verliert man ebenso. Der Einsatz von Objekten ist auch verboten. Stühle oder Tische werden normalerweise nur in bestimmten Kämpfen eingesetzt, in denen es keine Disqualifikation gibt, oder um eben eine Geschichte zu erzählen.

Welche Geschichten meinst Du?

Da gibt es viele Möglichkeiten. Man muss einfach schauen, wie sich die Charaktere ergänzen und was man daraus machen kann. Ein Klassiker ist ein Kräftemessen. Auf der einen Seite hat man diesen arroganten Typen, der mit allem angibt, und dann kommt der freundliche Kerl von nebenan vorbei und wird von ihm verspottet. Deswegen können sie sich nicht leiden und kämpfen dann gegeneinander. Diese Rivalitäten werden bei kleineren Ligen meist über kurze Sequenzen im Ring mit einem Mikrofon, oder mit bestimmten Videos beworben.

Verdient man mit dem Sport genug Geld, um davon zu leben?

In Amerika auf jeden Fall. Große Stars wie der Undertaker, Hulk Hogan, John Cena oder The Rock sind inzwischen Multimillionäre. Ich kann von meiner aktuellen Bezahlung natürlich noch bei weitem nicht leben. Deswegen habe ich auch mein Abitur gemacht und gehe ganz normal arbeiten. Schon neben der Schule habe ich bei der Agip Tankstelle in Dorfen gejobbt, um mein Geld zu verdienen. Wrestling ist aktuell nur ein sehr geringes und unregelmäßges Einkommen. Bei unserer Liga bekomme ich natürlich kein Geld, weil ich schließlich dort trainiere, aber wenn mich andere Ligen buchen, werden meine Spritkosten übernommen und ich bekomme eine Gage.

Wie viele Kämpfe hast Du pro Jahr?

Letztes Jahr waren es knapp sieben Kämpfe. Dieses Jahr wurden schon zwölf bestätigt, unter anderem am 10. Februar in der Schweiz und im September in Österreich. Ich komme durch meinen Sport sehr gut herum. Mein nächster Auftritt in der Region ist am 24. März im Sportpark Schollbach in Erding. Da werden mein Partner und ich unseren Tag Team Pokal verteidigen.

Tag Team Pokal?

Ja, ich bin amtierender Tag Team Champion in der EWS.Also sozusagen Meister in der Disziplin Teamkampf. Mein Partner heißt Diablo und kommt aus Konstanz. In Erding werden wir unseren Titel gegen zwei der erfolgreichsten Kämpfer im deutschsprachigen Raum aufs Spiel setzen. Da sollte wirklich jeder, der Zeit hat, vorbeikommen. Man findet meine Tourstopps auch online auf meiner Facebookseite „Don Sheen“: www.facebook.com/DonSheenReal

Vor wie vielen Zuschauern trittst du normalerweise auf?

Bei unserer letzten Veranstaltung waren 350 Leute da. Ich habe aber auch schon vor 60 Leuten gekämpft. Mein Traum wäre es bei Wrestlemania, dem größten Wrestling Ereignis der Welt, vor 90.000 Zuschauern im Ring zu stehen, plus die Millionen Zuschauer am Fernsehen. Aber das ist nur den absolut Besten vorbehalten. Mir geht es hauptsächlich darum, dass sich die Leute durch meinem Kampf unterhalten fühlen und glücklich nach Hause gehen. Außerdem ist man schon sehr stolz, wenn man nach der Show Autogramme gibt und Fotos mit den jungen Fans macht und weiß, dass die auf dem Pausenhof damit angeben werden.

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