5G-Funkmast sorgt für Unmut

Kommunikations-Stress in Moosach

Funkmast für Mobile Daten
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Die Standortsuche für einen 5G-Mast in Moosach wird von der Telekom übernommen. Die Moosacher sind davon nicht begeistert

Moosach ist verstimmt. In der Gemeinde soll ein neuer Funkmast errichtet werden. Dabei werden die Gemeinderäte vor vollendete Tatsachen gestellt

Moosach – Als nicht wirklich sympathisch bezeichnete ein Moosacher Bürger einen Vertreter der Deutschen Telekom, der zur Gemeinderatssitzung via Live-Stream in die Rudolf-Obermayr-Halle geschaltet wurde, um den kürzlich gestellten Bauantrag für einen Funkmasten zu verteidigen, über den der Rat zu entscheiden hatte. Neben den Gemeinderäten war jede Menge Publikum im Saal. Der Tagesordnungspunkt „Neubau Stahlgittermast mit Funktechnologie - Grafinger Straße 13“ hatte sie auf den Plan gerufen. Den Bauantrag für den Sendemasten hatte die Deutsche Telekom, wie es heißt, für die Gemeinde überraschend gestellt. Der Mann im Bildschirm erklärte warum und dass es ganz und gar nicht überraschend sei, sondern ein „ganz normaler Vorgang.“

Frank Peter Käßler, so der Name des Mannes, erklärte folgendes: 2018 war die Deutsche Telekom auf die Gemeinde zugegangen und bat um einen Abstimmungsprozess für die Errichtung eines neuen Sendemasten. Ein Zeitraum von acht Wochen sei dafür vorgesehen. „Da die Kommune es damals aber versäumt hat, dies zu tun, haben wir uns inzwischen eigenständig auf die Suche nach einem geeigneten Standort gemacht und dafür nun einen Bauantrag eingereicht.“ Von einem ganz normalen Prozess sprach er, vom guten Recht der Telekom. Das traf auf Unmut, denn gewöhnlich entscheidet die Gemeinde über potentielle Standorte für neue Masten mit. Weil die Gemeinde sich in der Vergangenheit darum aber offensichtlich nicht gekümmert hat, „sind wir nun vor vollendete Tatsachen gestellt,“ wie eine Rätin bemerkte. 2018 hätte die Gemeinde alternative Standorte vorschlagen können, erklärte Keßler, jetzt aber sei das zu spät. „Es wird keine weitere Diskussion über Standorte geben. Irgendwann ist der Sack zu. Wir wollen jetzt zu Potte kommen. Die Telekom kann nichts dafür, dass das Vorhaben in der Gemeinde nicht kommuniziert wurde. Wir haben alles richtig gemacht. Und selbst wenn Sie den Bauantrag ablehnen, werden wir ihn einreichen.“ Bürgermeister Michael Eisenschmid – der erst seit der letzten Kommunalwahl im Amt ist – war sichtlich verdrossen. Er hätte sich eine andere Form der Kommunikation gewünscht. „Mir wäre ein Dialog lieber gewesen,“ sagte er „auch hinsichtlich einer Standortsuche.“ Einiges an Zeit nahm dieser Tagesordnungspunkt ein, denn zu Wort kommen durften vor der Abstimmung auch die Bürger und Bürgerinnen im Saal. Schon deren reichliche Wortmeldungen zeigten deutlich, dass vielen dieser neue Mobilfunkmast nicht schmeckt. Sicherheitsbedenken, eine möglich Monopolstellung der Telekom oder die Haftungsfrage hinsichtlich des zukünftigen 5G-Netzes, das dort über die bestehenden Frequenzen einmal betrieben werden soll, wurden thematisiert. „Sollte es zu Schäden wegen 5G kommen, wer haftet dann?“

Die Deutsche Telekom hätte eine gute Haftpflichtversicherung, entgegnete Käßler dieser Frage fast spöttisch. „Es gibt seit 40 Jahren Mobilfunk. Von wie vielen Schäden haben Sie gehört?“ Ein neuer Sendemast müsse einfach entstehen, erklärte er „da die Politik beschlossen hat, auch den ländlichen Raum besser zu versorgen,“ und verdeutlichte: „Im Durchschnitt hat jeder Mensch 1,6 – 1,7 mobile Endgeräte. Das Datenvolumen steigert sich pro Jahr um 60 Prozent. Deshalb müssen wir die bestehenden Netze entlasten und neue Standorte für Sendemasten schaffen.“ Zur Standortfindung gab es dennoch vielfältiges Kopfschütteln. Nach langer und intensiver Diskussion gab der Gemeinderat dem Bauantrag zwar statt, allerdings nicht einstimmig. Acht Gemeinderatsmitglieder stimmten dafür, vier dagegen. Die Zuhörer hingegen blieben verärgert: Man wolle das nicht einfach so hinnehmen und bereite bereits Schritte gegen diesen Entscheidung vor. „Es gibt Möglichkeiten,“ deutete man an. Was sich die Gegner wünschen ist ein Bürgerentscheid. Kees

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