70.000 Quadratmeter Kraterlandschaft in Zorneding

Kiesabbau gefährdet Zornedinger Radweg

Kiesabbau Kieswerk mit Bagger
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Gefährdet der Kiesabbau in Zorneding bald Radwege der Gemeinde?

Das Zornedinger Gemeingebiet scheint ein wahres Paradies für Kies zu sein. Wie jüngst im Gemeinderat diskutiert, möchte sich ein Unternehmen aus der Nachbarschaft auf einer Fläche von 70.000 Quadratmetern engagieren. 

Zorneding - Die Gemeinderatsmitglieder waren darüber hörbar nicht erfreut. Auch und vor allem, weil auf der ins Auge gefassten Großfläche im Süden Zornedings ein Weg am und im Wald verläuft, der durch den Kiesabbau gefährdet erscheint. Radfahrer nutzen ihn gerne für einen Ausflug an den Steinsee. Und als Transportstrecke für Holz dient er obendrein. Zudem sei die Gemeinde schon jetzt mit reichlich Kiesgruben gesegnet.

Mitte Dezember letzten Jahres hatte die Kiesverwertungsfirma Ebenhoe einen Kaufantrag für einen Teil des gemeindlichen Feldwegs vorgelegt. Diesem Ansinnen stimmte der Gemeinderat nicht zu. Vielmehr wurde verlangt, dass die Kieswerksbetreiber immer dafür sorgen müssten, dass ein „guter und gefahrenfreier Weg“ vorhanden sei, wie Renate Pfluger (CSU) unterstrich. Da aktuell noch kein Antrag für Kiesabbau vorläge, beantragte Barbara Weiss (Grüne), das Thema zu vertagen. Vielmehr müsse man nun die Bürger einbeziehen, auch wegen des vorhersehbaren LKW-Aufkommens unter anderem an der Bucher Straße und einer voraussichtlich 15 Jahre lang bestehenden Kraterlandschaft.

Grünen-Rat Helmut Obermaier sprach angesichts der 70.000 Quadratmeter großen Flächevon einem „gewaltigen Kiesabbau“. Er skizzierte, dass bei voraussichtlich 500.000 Kubikmetern Aushub mit etwa 120.000 LKW-Fahrten zu rechnen sein. Baumamtsleiter Stefan Ballerstaller informierte, dass überall im Zornedinger Gemeindegebiet Kies abgebaut werden könne, denn das Landratsamt würde dem zustimmen. Nur eine Änderung des örtlichen Flächennutzungsplans aus dem Jahr 2001, der so genannte Konzentrationsflächen ausweise, würde dagegen helfen. Dies würde aber mindestens ein Jahr dauern. Daher sei die rechtlich Lage aus Sicht der Gemeinde aktuell „schlecht“, um gegen noch mehr Kiesabbau etwas zu unternehmen.

Trotzdem sei noch kein Antrag zum Kiesabbau gestellt worden, so dürfte ein Bauantrag dazu „bereits in der Schublade liegen“, wie Bürgermeister Piet Mayr bemerkte. Da die voraussichtlichen Flächen nahe des Radwegs momentan landwirtschaftlich genutzt werden und Gemeinderat Robert Strobl wegen „persönlicher Beteiligung“ von der Diskussion dieses Tagesordnungspunktes ausgeschlossen war, dürfte Mayr sehr wohl mitten ins Schwarze getroffen haben. Bianka Poschenrieder versuchte zu beruhigen: „Ebenhoe war ja bei uns, es eilt ihm nicht, auch wegen Corona“. Und der Sitzungsleiter sprang ihr zu Seite, indem er Firmenbetreiber Ebenhoe als einen Mann bezeichnete, „mit dem man verhandeln kann“.

Letztendlich gab es zwar an diesem Abend keinen offiziellen Beschluss, jedoch die einhellige Meinung, dass der besagte Weg nicht verkauft werden soll und er bei einer Abgrabung in einem Teilbereich verschoben wird und anschließend an der ursprünglichen Stelle wieder herzustellen ist. Fazit: Der Kiesabbau wird nicht zu bremsen sein, aber im Gegenzug darf mit einem Entgegenkommen der Firma Ebenhoe bei der Aufrechterhaltung des beliebten Weges gerechnet werden. osw

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