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So geht Jungbürger-Beteiligung

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Von: Christian Schäfer

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8er Rat Ebersberg
„8er-Rat“ im ‚alten speicher‘ – Jugendtrifft Kommunalpolitik. © hr

Bayerische Premiere in Ebersberg. Als erste Kommune wird dort der 8er-Rat eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine verbindliche Beteiligung von Jugendlichen am kommunalpolitischen Prozess

Ebersberg – Statt einer Jungbürgerversammlung mit nicht definierbarem „Wunschkonzert“ – von Freibad über Chill-Ecken nebst Fastfood und Skaterbahn – setzte Ebersberg als erste bayerische Kommune das Konzept „8er-Rat“ mit verbindlicher Beteiligung von Jugendlichen und Erwachsenen ein.

Auf Flip Charts formulierten die Ebersberger Schüler der 8. Jahrgangstufe klare Ziele zu 16 unterschiedlichen Themen und stellten diese im ‚alten speicher‘ auf. Während sich mit Sportanlagen, Schulen und der Sicherheit in Ebersberg meist die Schüler befassten, richteten die Schülerinnen ihren Focus auf gesellschaftliche Bereiche.

Anschließend kam für die Jugendlichen der große Moment. Ebersbergs Kommunalpolitiker und Verwaltungsmitarbeiter betraten den ‚alten speicher‘ und nahmen Kontakt zu den Jungbürgern auf, um sich von den Jugendlichen ihre Belange erläutern zu lassen. Zum Konzept „8er-Rat“ gehört, dass sich zu jedem auf den Flip Charts behandelten Thema eine Arbeitsgruppe gründet, die das Thema weiterverfolgt und der neben den Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren auch Stadträte und Verwaltungsmitarbeiter angehören. So galt es nicht nur Wünsche vorzutragen, sondern auch die Erwachsenen zu überzeugen, sich in die Teilnehmerliste einzutragen und damit auch Verbindlichkeiten zu schaffen.

Von diesem Konzept der Jungbürgerbeteiligung zeigten sich Schulleiter Alexander Bär (Mittelschule) und Markus Schmidl (Realschule) überzeugt. „Aufgrund des Lehrplans sind die Mittelschüler im Vorteil“, so Schmidl. In der Realschule befasse man sich erst später mit politischer Bildung und der Teilhabe an strukturiertem gesellschaftlichem Leben.

Doch das Konzept „8er-Rat“ fordert nicht nur, es fördert auch seine Teilnehmer, gibt Hilfestellung bei der Strukturierung der Wünsche und zeigt Wege auf, wie man miteinander ins Gespräch kommt – und das alles bevor Schüler und Kommunalpolitiker aufeinandertreffen.

Diese Vorbereitung läuft während des Unterrichts. Federführend erarbeiten Christian Zeisel und Peter Hölzer von der Stadtjugendpflege das Projekt mit den Schülern. Aktiv unterstützte auch Clemens Scheerer (Partnerschaft für Demokratie) als Kooperationspartner die Pilotphase. Zusätzliche Projektmittel stellte der Bayrischen Jugendring bereit. Gut eine Stunde dauerte der erste Informationsaustausch zwischen Jugendlichen und den kommunalen Vertretern. Von Letzteren fühlten sich die Schüler durchaus ernstgenommen, man habe Tipps erhalten und eben auch die schriftliche Versicherung bekommen, dass gearbeitet werde, damit sich etwas ändert. Die Arbeitskreise finden außerhalb des Unterrichtes statt, auch die Schüler müssen Engagement aufbringen um etwas zu verändern. Kleinigkeiten wie ein neuer Basketballkorb am Bolzplatz oder Abfallbehälter in den Sanitärbereiche der Schulen lassen sich zügig realisieren. Schwieriger wird die Suche nach Räumen für die „Jugendtreffs am Nachmittag“, wobei hier Vorschläge wie das JUZ als durchaus machbar zu sein scheinen. Insbesondere, da die Teilnehmer bereit sind ,Verantwortung zu übernehmen und auch die Räume reinigen wollen. Eine neue Kooperation bahnt sich zwischen Jugendlichen und dem ‚alten kino‘-Chef Markus Bachmeier an.

Man will sich Filme in Ebersberg ansehen können und nicht weit fahren. Auch hier wollen die Jugendlich bei der Organisation helfen und nicht zuletzt auch saubermachen. Was das Schulbusangebot angeht, muss sich Bürgermeister Ulrich Proske mit dem Landratsamt absprechen. Mit fünf Bussen kommen die Realschüler morgens an der Realschule (im Zuständigkeitsbereich des Landkreises) an. Mit Unterrichtende steht jedoch nur ein Bus zur Verfügung, um die Schüler nach Hause zu bringen. Was die Realschüler ärgert, die Schulbusse der Mittelschule (Im Zuständigkeitsbereich der Stadt) fahren meist leer an ihnen vorbei. Ein Aspekt zieht sich durch alle Themen, die Jugendlich wollen selbstständig sein. „Doch das geht nur, wenn möglichst viele Angebote vor Ort sind und die Busverbindungen in die Nachbargemeinden zuverlässig verbessert werden“, so eine Realschülerin. Das Konzept soll in Ebersberg künftig jährlich stattfinden.

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