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Wenn Hühner die Welt bedeuten

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Von: Christian Schäfer

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Adrian Bonnentsmüller Chicken for Future
Spatenstich für die Hühnerfarm. Adrian (2.v.r) mit seinen Freunden Chris (2.v.r.) und Lukas (3.v.l.) © privat

Adrian Bonnetsmüller aus Ebersberg baut mit seinen Freunden eine Hühnerfarm in Äthiopien, um benachteiligten Kindern eine gute Schulbildung zu ermöglichen. Eine Geschichte, wie man mit kleinen Dingen Großes schaffen kann

Ebersberg – Es war einmal ein Bauer, dessen Huhn legte jeden Tag ein goldenes Ei. Der Bauer wurde bald zu einem reichen Mann. So erzählt es der französische Schriftsteller Jean de La Fontaine in seiner Fabel „Die Henne mit den goldenen Eiern.“ Doch die Geschichte nimmt kein gutes Ende – sowohl für den Bauern als auch für das Huhn.

In dieser Geschichte hier geht es nicht um goldene Eier, sondern um ganz gewöhnliche. Und doch können diese Eier für manche Kinder eine Währung für ein besseres Leben sein. Eine Geschichte mit einem guten Ausgang.

Eigentlich kümmert sich Adrian Bonnetsmüller um Personalpläne, Spielsachen und um die Frosch- oder Marienkäfergruppe. Er ist Leiter des Kindergartens St. Benedikt in Ebersberg. Viel zu tun. Dennoch reizte ihn der Blick über den Tellerrand, ganz konkret der afrikanische Kontinent. Aber es sollte kein Strandurlaub in einem äyptischen Beach-Ressort sein, Adrian wollte das wirkliche Afrika kennen lernen.

Mit seinen Freunden Lukas und Chris, die er aus alten Pfadfinderzeiten kennt, beschloss er, einen Monat lang nach Äthiopien zu gehen – und dort auch etwas zu bewirken.

Die drei Freunde reisten in einen Randbezirk der Hauptstadt Addis Abeba, um dort auf einem Schulcampus zu leben und auch zu arbeiten. „In Äthiopien ist jeder 2. Mensch unter 18 Jahre, da wimmelt es von Kindern, das ist wunderschön“, erzählt Adrian

500 Hühner finanzieren das Schulgeld für drei Kinder

Grundsätzlich hat Äthiopien eine gute Infrastruktur für Kinder, überall gibt es Kindergärten und Schulen. Doch es gibt deutliche Unterschiede. Adrian und seine Freunde unterrichteten an einer Privatschule, die Kinder können dort einen hervorragenden Abschluss machen und für sich und ihre Familien einen Ausweg aus der Armut finden. „Den Kindern steht nach ihrem Abschluss die Welt offen“, sagt Adrian.

Aber natürlich gibt es diesen nicht umsonst – die Eltern müssen für ihre Kinder Schulgebühren bezahlen, was sich in der Regel nur Menschen aus der Mittelschicht leisten können. „Unser Plan war es, etwas Nachhaltiges zu schaffen“, erzählt Adrian. „Etwas für bedürftige Familien, um deren Kindern eine gute Schulbildung zu ermöglichen.“ Und so kamen die Hühner ins Spiel.

Kinder Äthiopien Chicken for Future
In Äthiopien ist jeder 2. Mensch ein Kind. „Es wimmelt nur so von Kindern, das ist wunderschön“, sagt Adrian Bonnetsmüller © privat

Der Schulcampus betreibt bereits eine kleine Hühnerfarm, mit dem eingenommenen Geld kann das Schulgeld für drei Kinder bezahlt werden. „Wir dachten uns, es wäre doch geil, wenn wir das viel größer aufziehen und so 15 Kindern eine Schullaufbahn vom Kindergarten bis zur High School zu ermöglichen“, so Adrian. Jedoch fehlte hierfür das Geld, 8.000 Euro veranschlagten die drei für die Vergrößerung der Anlage.

Also starteten sie einen Spendenaufruf über die sozialen Medien. Damit das gelingt, musste natürlich ein griffiger Slogan her. Angelehnt an die Fridays for Future-Bewegung tauften sie ihr Vorhaben „Chicken for Future“, Hühner für die Zukunft. Und es funktionierte. „Wir haben Spenden von Bekannten und Unbekannten bekommen, von Freunden, die wir seit Jahren nicht mehr gesehen hatten“, erzählt Adrian. Innerhalb von 15 Tagen hatten sie ihr Spendenziel erreicht und natürlich „waren alle aus dem Häuschen“.

Und so kann es jetzt los gehen, Baumaterial und Handwerker müssen organisiert, Genehmigungen eingeholt werden. Adrian und seine Freunde haben es geschafft, mit der simplen Idee einer Hühnerfarm Kindern eine gute Zukunft zu sichern – und sie haben zudem noch Arbeitsplätze geschaffen.

„Und wenn Du dann einem Kind, dessen Vater an Corona verstorben ist und sich die Familie die Schulgebühren nicht mehr leisten kann, erzählst, dass es weiter auf die Schule gehen kann und Du die Dankbarkeit siehst, dann kann dich das emotional ziemlich überwältigen“, sagt Adrian.

Sein Trip war für Adrian eine nachhaltige Erfahrung. „Die Menschen leben teilweise in Wellblechhütten und sind trotzdem zufrieden“, sagt er. „Ich habe dort sehr viel gearbeitet, aber ich bin zufrieden zurück gekommen.“ sc

Spendenkampagne


Wer das nachhaltige Projekt „Chicken for Future“ unterstützen möchte, kann dies hier tun: www.gofund.me/2895d102

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