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30 Minuten Bergluft 

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Von: Christian Schäfer

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Adrian Fusco in den Bergen
„In den Bergen bin ich nur auf das Hier und Jetzt fokussiert“, erzählt Adrian Fusco. „Es zählt nur der nächste Schritt, der nächste Griff, sonst nichts.“ © privat

Einen Job in Hamburg würde Adrian Fusco nicht annehmen – zu groß ist seine Leidenschaft für die Berge. Seine Touren präsentiert er in eindrucksvollen Videos auf seinem Youtube-Kanal Alpine Summits

Es ist karg, schroff und irgendwie unwirklich hier oben – und dennoch von einer bizarren Schönheit. Der Weg zum Stadelhorn zeichnet sich durch eine wilde Fels- und Steinlandschaft aus, Vegetation sieht man hier auf über 2.000 Meter kaum. Und doch: die Einsamkeit, das anarchische Durcheinander von scheinbar willkürlich durcheinandergewürfelten Steinen und Felsen lässt einen demütig werden. Nicht weniger beeindruckend: der Felsgrad zwischen der vorderen und hinteren Karlsspitze: auf nur knapp einem halben Meter geht es links und rechts steil bergab, drum herum gibt es einen atemberaubenden Ausblick.

Nun war der Autor dieses Artikels weder auf dem Stadelhorn noch würde er sich auf den zum großen Teil ausgesetzten Grad im Wilden Kaiser wagen. Und dennoch hat er diese beeindruckende Bilder im Kopf – dank des Bergsteigers Adrian Fusco.

Adrian hat lange in Grafing gelebt, heute ist er in Bockhorn Zuhause. Er ist begeisterter Bergsteiger, in den Bergen findet er Freiheit, Abenteuer und Herausforderungen. „In den Bergen bin ich nur auf das Hier und Jetzt fokussiert“, erzählt er. „Es zählt nur der nächste Schritt, der nächste Griff, sonst nichts.“

Angefangen hat es mit gemütlichen Wanderungen mit Freunden - quatschen, einen Kaiserschmarrn auf der Alm und wieder ab nach Hause. Doch irgendwann war das nicht mehr genug, die Dosis hat nicht mehr gereicht. Es ging höher hinaus, die Touren wurden länger und vor allem anspruchsvoller – und Adrian zog es immer mehr dorthin, wo sonst nur wenige unterwegs sind. „Die Hotspots reizen mich nicht“, sagt er. „Um Berge und Natur genießen zu können, möchte ich möglichst allein sein.“ Und das ist auch der Reiz an seinen Videos: sie zeigen Landschaften, die man eben nicht kennt, wenn man kein erfahrener Berggeher ist. Denn neben den Bergen kam im Laufe die Zeit diese zweite Leidenschaft hinzu, das Filmen und Schneiden von Youtube-Clips von seinen Touren.

Auf Youtube finden sich eine Menge Videos über das Wandern, die Berge, das Klettern. Auch Adrian informierte sich über anstehende Touren auf dem Kanal – und dachte sich, da geht doch noch mehr. „Ich fand viele gute Videos, aber eigentlich wollte ich es genauer wissen. Wo sind die Schlüsselstellen? Kommt die anstrengende Kletterei nach einer oder nach fünf Stunden?“ Adrian kaufte sich eine GoPro, filmte eine seiner Touren und setzte sich abends an den PC. Und nach zwölf Stunden war sein erstes Video fertig. Ihm ist wichtig, das der Zuschauer einerseits mit eindrucksvollen Bildern, mit stimmungsvoller Musik und einem Spannungsbogen unterhalten wird. Zudem möchte er, das man einen Mehrwert aus seinem Video ziehen kann. So werden immer wieder Infografiken eingeblendet, das Bergpanorama beschrieben und besonders knifflige Stellen detailliert beschrieben. Die Clips hinterlassen Eindruck – und machen Lust auf die Berge. Sie schaffen einen Anreiz, der nicht unproblematisch ist, das ist auch Adrian bewusst. „Jemand, der noch nie am Berg war, sollte meine Touren auf keinen Fall nachgehen“, mahnt er. Auch er musste sich an immer schwierigere Touren herantasten, Erfahrungen sammeln und nach und nach den Schwierigkeitsgrad steigern.

„Ich versuche, möglichst viel Kontrolle am Berg zu haben, aber ein gewisses Restrisiko ist immer dabei, das muss einem bewusst sein“, sagt Adrian. Und wie geht es weiter? Die Videos von seinem Kanal „Alpine Summits“ kommen an, teilweise werden sie über 6.000 Mal aufgerufen. Und es gibt noch viel zu tun. „Es gibt in unseren Bergen so unfassbar viel Möglichkeiten“, schwärmt Adrian. „Ich habe eine unendlich lange Liste, die immer länger statt kürzer wird.“ Im Fokus steht bei ihm immer die Tour, die Natur, das Erlebnis. „Wenn ich irgendwann nur noch in die Berge gehe, um Futter für meinen Kanal zu haben, dann höre ich auf.“ Und wenn jetzt das mega Jobangebot aus Hamburg kommen würde? „Dann werde ich wahrscheinlich absagen müssen“, sagt er mit einem Schmunzeln. „Dafür ist die Leidenschaft für die Berge

Zu sehen sind die Videos von Adrian Fusco unter www.youtube.com/c/AlpineSummit 

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