Marianische Männerkongregation in Albaching

„Die Kirche könnte weltoffener sein“

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Anton Meyer

In Albaching feierte die Marianische Männerkongregation Jubiläum. Doch was ist das überhaupt? Wir haben mit dem Vorsitzenden Anton Meyer darüber gesprochen

Wer kann bei der Marianischen Männerkongregation Mitglied werden? Jeder, der mindestens 16 Jahre alt ist, männlich und Interesse am Glauben hat.

Warum sollte jemand beitreten? 

Wir stellen uns unter den besonderen Schutz der Mutter Gottes, die Aufnahme erfolgt durch den Präses mit einem Weihegebet. Das tut man, weil man Vertrauen hat. Bei mir geschah das aus eigener Erfahrung; ich habe sehr große Hilfe erhalten, mehrere Fügungen kamen dabei zusammen. Da habe ich das Gelübde abgelegt, jedes Jahr nach Altötting zu pilgern. Der Glaube ist nicht umsonst, aber das kann man schwer vermitteln. Mir – und anderen – gibt es eine Sicherheit, mehr Ruhe in mir selber, und ein gutes Gefühl. Ich weiß, da schaut jemand auf uns, dafür bete ich.

Ist die Marianischen Männerkongregation eine Art Geheimbund? 

Nein, die Glaubensweitergabe, gegenseitige Stärkung und wünschenswert gelebte Glaubenspraxis sind Ziel einer Männerkongregation. Dies drückt sich in Andachten, Heiligen Messen auch bei Nachbarortskongregationen aus. Einmal im Jahr kommt der Präses, wir haben Kreuzwegandachten und private Gebete. Wir treffen uns zu Vorstandssitzungen, organisieren Paketaktionen für den Balkan zusammen mit Jugendgruppen, spenden an die Münchner Obdachlosenhilfe, die Pfarrbücherei und für die Renovierung der Altöttinger Basilika.

Wie schaut es mit Nachwuchs aus? 

Derzeit sind 125 Männer dabei, es sterben aber mehr weg als dass neue dazugehen. Mit dem Rosenkranz kann man heute nur noch wenige Jugendliche begeistern, aber trotzdem: Das ist etwas Meditatives, man kommt zur Ruhe.

Wie sehen Sie die Zukunft der Kongregation? 

Die Mitglieder fliegen uns nicht zu, da kommt keiner von selbst. Mein Vater war aber recht hartnäckig, in seiner Zeit ist die Mitgliederzahl von 36 auf 140 gewachsen. Wir bekommen aber auch mit, wenn jemand mit der Kirche nicht zufrieden ist, dann tritt er schonmal aus. Wir sind kein stiller Betverein für alte Männer, wir versuchen stets für unseren Verein zu werben und dafür zu begeistern.

Wie ist Ihr Eindruck aktuell von der Kirche? 

Die ist derzeit leider mit negativen Vorkommnissen behaftet, sie wirkt teilweise unnahbar und hat zunehmend Mühe, ihre Botschaft verständlich und authentisch zu verkünden. Aber zunehmend gibt es neue Aufbruchsbewegungen, wie Jugend 2000, Gemeinschaft Emanuel, um nur ein paar zu nennen. Das gibt Hoffnung für die Zukunft.

Wie sollte sich die Kirche entwickeln? 

Den Zölibat abzuschaffen ist die verkehrte Richtung, deshalb kommen auch nicht mehr Priester. Momentan haben Pfarrer sehr viele Aufgaben in einer Pfarrei und den Pfarrverbänden, da bleibt wenig Zeit für anderes. Die ehrliche Aufarbeitung des Missbrauchs ist auch ganz wichtig.

Sollte die Kirche mehr Stellung beziehen? 

Ja. Außerdem finde ich es gut, dass etwa Flüchtlinge aufgenommen wurden. Die Kirche könnte weltoffener sein, ein gesprächsbereites Miteinander auch bei anderen Glaubensrichtungen zeigen. Aber auch bei Politikern sehen wir, dass das „C“ im Namen schon mal zu kurz kommt, wenn die eigene Macht infrage gestellt wird.

Wie lebt man als Sodale? 

Ich sollte sagen können, ja der Glaube ist mir wichtig, Tischgebete sind mir auch nicht fremd, ich lege Wert auf die Sakramente, besuche den Gottesdienst und versuche, den Glauben vorzuleben. Außerdem kann ich ihn bezeugen. Bin ich wortgewandt, schreite ich ein, wenn vielleicht gelästert wird. Sicher ist es nicht einfach, manche hadern mit ihrem Leben. Das ist kein Gnadenempfang auf Knopfdruck, man darf Geduld mitbringen und auch mal die eigene Sicht ändern. Wir beten, dass wir getragen und somit auch zufrieden sind. Ebenso beten wir für die Anliegen unserer Mitmenschen. 

Das Interview führte Karl-Heinz Günster

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