Portrait

Wenn Fotografie Geschmackssache ist

+

Nur was gut schmeckt hat auch das Potential für ein gutes Foto, sagt Alexander Walter. Und er muss es wissen. Der Food-Fotograf aus Baiern hat über 80 Kochbücher produziert. Doch auch seine Reisereportagen aus früheren Zeiten fanden große Resonanz

Ich poste, also bin ich!“ ist für viele der Leitspruch des Social-Media-Zeitalters. Und vor allem, wenn es ums Essen geht. Noch vor Familie und Autos sind Fotos von Gerichten – ob im Restaurant oder in der eigenen Küche – die am häufigsten hoch geladenen Bilder im Netz. „Ich esse, also poste ich“, könnte man sagen. Und mögen die Gerichte von bestechender Qualität sein, die Fotos sind es meist nicht. Was macht gute Food-Fotografie aus? Was ist zu beachten, dass aus einem schmackhaften Gericht auch ein ansprechendes Foto wird? 

Alexander Walter aus Antholing hat schon über 80 Kochbücher als Food-Fotograf produziert. „In erster Linie muss man Ahnung vom Kochen haben“, sagt er. „Was nicht gut schmeckt, sieht auch nicht gut aus.“ Aber: die Food-Fotografie hat auch eine hohe künstlerische Komponente. Welche Requisite passt zu welchem Gericht? Wie muss das Umfeld gestaltet sein? Aus welcher Perspektive und in welchem Licht wirkt das Gericht am besten? „Es ist ein Prozess, um ein schönes Bild von einem guten Gericht zu haben“, sagt Alexander Walter. Und so steht am Anfang des Prozesses ein leerer Teller, vielleicht ist noch eine Zwiebel darauf platziert und erste Bilder werden gemacht. Denn: Wenn das Set stimmt, muss es schnell gehen.

Alexander Walter: Seine besten Werke

 © www.alexander-walter.com
 © www.alexander-walter.com
 © www.alexander-walter.com
 © www.alexander-walter.com
 © www.alexander-walter.com
 © www.alexander-walter.com
 © www.alexander-walter.com
 © www.alexander-walter.com
 © www.alexander-walter.com
 © www.alexander-walter.com
 © www.alexander-walter.com
 © www.alexander-walter.com
 © www.alexander-walter.com
 © www.alexander-walter.com
 © www.alexander-walter.com
 © www.alexander-walter.com
 © www.alexander-walter.com
 © www.alexander-walter.com
 © www.alexander-walter.com

Walters Partnerin Maria ist Food-Stylistin, sie richtet die Gerichte optisch schmackhaft an, denn nur wenn das Essen frisch gekocht ist, sieht es auch auf dem fertigen Foto am besten aus. „Es ist ein enges Zeitfenster, vielleicht noch ein bisschen grober Pfeffer da oder ein Kräuterchen hier, aber mehr ist nicht mehr möglich“, erklärt Walter. Und die Kunst ist es, die Arrangements einer Fotostrecke bei einem Kochbuch so durchzuziehen, dass die Rezeptfotos von Seite 1 bis zum Schluss ein stimmiges Konzept bilden, dass sie harmonisieren und zusammenpassen. „Es gibt viele Techniken, die nach den Regeln der fotografischen Kunst funktionieren. Die muss man gelernt haben “, sagt Alexander Walter. Nach dem Abitur hat er zwei Jahre bei einem Fotografen in der Schweiz gearbeitet, dann hat er seine Ausbildung zum Fotografen an der staatlichen Lehranstalt für Fotografie in München absolviert, danach noch zwei Jahre bei etablierten Fotografen assistiert. Und dann ging es in die Welt. „Ich war ein klassischer People- und Reportagefotograf“, erzählt er. China, Guatemala, Tibet, Philippinen, Nepal – Walter hat über 50 Länder bereist, er hat Kinderheime in Rumänen fotografiert und Menschen in Nepal porträtiert, seine Reisereportagen sind in namhaften Magazinen erschienen. Seine letzte Reise führte ihn in den Libanon, für das Magazin der Süddeutschen Zeitung sollte er eine Reportage über die Zukunftsaussichten von Jugendlichen erstellen. Dabei kam er auch in Kontakt mit der Terrororganisation Hisbollah, er fotografierte Menschen, die sich später in die Luft sprengten, er war mit Blauhelmsoldaten in Minenfeldern unterwegs. Und er dachte sich: „Was machst du hier?“ Zu diesem Zeitpunkt war er junger Vater, es wurde zu heikel. 

Mit dem Kauf seines Hauses kam ein großes Studio dazu, er kannte viele Leute aus dem Foodbereich und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Vom Reisevogel, wie er sich selbst nannte, zum sesshaften Fotografen mit eigenem Studio, vom Abenteuer zur Vernunft – gibt es auch Momente, wo er diesen Weg bereut hat? „Nein. Jetzt sind meine Kinder groß, jetzt kann man wieder kleiner werden und nicht mehr soviel arbeiten“, sagt er. Und es soll wieder in die Welt gehen. Ein erster Schritt war seine Reise ins vom Bürgerkrieg gebeutelte Liberia. Er möchte wieder eigene Geschichten und Produktionen machen und: wieder analog fotografieren, seinen Fähigkeiten freien Lauf lassen, mit Farben und Licht spielen und so die Welt einfangen. sc

Auch interessant:

Meistgelesen

Kommentare