90. Geburtstag in Vaterstetten

Alles Gute, Frau Professor!

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Die Jubilarin (2. von links) mit Vize-Landrätin Waltraud Gruber, Bürgermeister Georg Reitsberger und Lebensgefährte Dagobert Lindlau (von links).

Die „Mutter der plastischen Chirurgie“ feiert 90. Geburtstag

Vaterstetten – Sie ist Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und des Bayerischen Verdienstordens, Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, Ehrenmitglied, Mitbegründerin und langjährige Präsidentin der Vereinigung der Deutschen Plastischen Chirurgen und, wie die Münchner Zeitung tz sie einmal nannte, „Mutter der plastischen Chirurgie“. In Vaterstetten feierte Professor Ursula Schmidt-Tintemann jetzt ihren 90. Geburtstag.Geboren und aufgewachsen in Ostpreußen, begann sie ihr Medizinstudium in Königsberg. Nach drei Semestern war jedoch kriegsbedingt Schluss. Das vierte Semester und ihr Physikum absolvierte sie in Prag, geriet dann jedoch in russische Gefangenschaft, aus der sie in einer Nacht- und Nebelaktion fliehen konnte. Über Pilsen und etliche glückliche Zufälle gelangte sie schließlich nach München. Dort nahm sie im Sommersemester 1946 ihr Studium wieder auf, parallel dazu verdiente sie sich ihren Lebensunterhalt unter anderem in der Heil- und Nervenanstalt in Haar.Im Krankenhaus Perlach lernte sie Professor Georg Maurer kennen und folgte ihm ans Krankenhaus Haidhausen, das er wieder aufbauen sollte. Bei einem Kongress lernte sie eine österreichische Ärztin der plastischen Chirurgie kennen, die ihr sehr imponierte. Damit war der Grundstein für Ursula Schmidt-Tintemanns weiteren Werdegang gelegt. Die plastische Chirurgie steckte damals in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Eingriffe der Wiederherstellungs- oder Verbrennungschirurgie wurden damals von Ärzten anderer Fachrichtungen vorgenommen. Ursula bildete sich beständig weiter, unter anderem in den USA und in England, bevor sie 1959 schließlich in Haidhausen eine Station für plastisch-chirurgische Eingriffe aufbaute. Als das Städtische Krankenhaus rechts der Isar, wie die Klinik mittlerweile hieß, an die Technische Universität München angegliedert wurde, erfolgte 1969 Schmidt-Tintemanns Habilitation.In den Folgejahren erlernten viele wichtige plastische Chirurgen ihr Handwerk bei ihr. Sie selbst konzentrierte sich neben der Wiederherstellungs- und Verbrennungschirurgie vor allem auf die Handchirurgie. Den Begriff „Schönheitschirurgie“ hingegen lehnt sie bis heute vehement ab. „Leider wird der Begriff plastische Chirurgie oft missbraucht“, bedauert sie, „es beinhaltet eben viel mehr als nur Schönheits-OPs.“ Ihr sei immer die Beratung ihrer Patienten am wichtigsten gewesen: Ein straffes Gesicht sei kein Garant für ein glückliches Leben, betont sie.Privat lebt die renommierte Ärztin seit 1955 in Vaterstetten, zusammen mit ihrem Lebensgefährten, dem bekannten Journalisten Dagobert Lindlau. An ihrem 90. Geburtstag hat sie viele Freunde, Weggefährten und ehemalige Schüler zu sich eingeladen. „Da wurde bis tief in die Nacht hinein gefachsimpelt“, erzählt Lindlau. Am Tag danach empfing die Jubilarin die offiziellen Glückwünsche der Gemeinde Vaterstetten und des Landkreises Ebersberg. Bürgermeister Georg Reitsberger berichtet, dass er 1981 selbst Patient bei Schmidt-Tintemann gewesen sei: „Bei einem Unfall erlitt ich einen Jochbeinbruch.“ Schmidt-Tintemann habe ihn nicht nur operiert, sondern sich auch danach um ihn gekümmert: „Immer wenn sie bei uns auf dem Hof Milch geholt hat, hat sie auch in den Stall geguckt und sich nach mir erkundigt“, erzählt das Gemeindeoberhaupt schmunzelnd. se

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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