Corona-Virus

Ein Gespräch mit Markus Bachmeier zur Situation des alten kinos in Zeiten der Corona-Krise

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Markus Bachmeier

"Ich bin nicht panisch, mache mir aber Sorgen", sagt Markus Bachmeier vom alten kino. Die Kosten laufen weiter, die Einnahmen sind weggebrochen. Es gibt aber auch schöne Zeichen der Solidarität

Ebersberg - Alles Gut, Herr Bachmeier? Nein, sagt der Leiter des Ebersberger „alten kinos“ deutlich. Denn auch die beiden Veranstaltungsorte altes Kino und alter Speicher sind von den derzeitigen Schließungen aller Spielstätten betroffen. „Die Situation kam völlig unerwartet und ist äußerst schwierig für uns.“ 

Bis zum 19.April fallen 33 Veranstaltungen aus, Kabarett und Kleinkunst, aber auch Vermietungen sind storniert. „Damit stehen wir vor einem finanziellen Problem, denn wir haben keine Einnahmen mehr, viele Ausgaben aber laufen weiter.“ Acht feste Mitarbeiter beschäftigt das alte kino. Die Gehälter laufen weiter. „Derzeit versuchen wir auf Kurzarbeit umzustellen,“ erklärt Bachmeier. Aber auch die Pacht für die Räumlichkeiten ist weiter zu bezahlen. Der Chef des Hauses sitzt täglich da und rechnet. Die monatlichen Kosten für das alte kino und den alten speicher liegen bei mindestens 50.000 Euro. 

Die Einnahmen sind ähnlich hoch, so dass sich die Kultureinrichtung in der Regel selbst trägt. Doch die 50.000 Euro Einnahmen fehlen jetzt. „Wir haben etwas Rückhalt und können eine gewisse Zeit überbrücken, vielleicht bis Ende April, aber danach geht nichts mehr.“ Natürlich werden derzeit keine Künstlergagen bezahlt, schließlich finden auch keine Veranstaltungen statt. Bachmeier ist froh, dass die Künstler darauf verständnisvoll reagieren. „Die meisten Veranstaltungen verschieben wir,“ erklärt er, „doch damit stehen wir vor einem anderen Problem: da ganz viel auf den Herbst gelegt wird, das Programm für diesen Zeitraum aber schon steht, kommen neue Termine hinzu.

 Das könne zu viel werden. Womöglich überfordern wir damit das Publikum.“ Worum sich Bachmeier derzeit auch bemüht, ist, die gerade aufgelegten Hilfsfonds abzufragen. Doch das gestaltet sich gar nicht so einfach, wie er berichtet, denn jemanden telefonisch zu erreichen sei schwierig. Zwei Tage habe er in einem Fall gebraucht, um überhaupt durchzukommen. Sorgen macht sich der Mann um die Künstler, denn viele leben von Monat zu Monat. „Die jetzt ausfallenden Gagen bedrohen manche Existenz.“ Eines indes lässt sich positiv verkünden: 

Obwohl bereits gekaufte Karten zurückgenommen werden und der Eintritt erstattet wird, seien es nur sehr wenige, die diesen Anspruch tatsächlich auch wahrnehmen. Bachmeier spricht von Solidarität: „Obwohl jeder seine Karten zurückgeben kann und sein Geld wiederbekommt, bin ich dankbar für jeden, der das nicht tut.“ Allerdings kaufe derzeit niemand neue Karten. Viele Vermietungen seien inzwischen bis in den Juni hinein storniert. Bachmeier hat bereits Anfragen nach Unterstützung bei Stadt und Landkreis gestartet. Die Antworten stehen noch aus. „Derzeit machen wir hier täglich eine neue Bestandsaufnahme und überlegen zudem, wie wir mit der bestehenden Situation kreativ umgehen können.“ Live-Streaming? Bachmeier hält nicht allzu viel davon, denn die Stimmung und Atmosphäre könne online einfach nicht übermittelt werden. Der derzeitige Stand: am 8.April will man sich mit Ebersbergs Bürgermeister zusammensetzen, um zu entscheiden, wie es weitergeht, ob ab dem 20.April wieder gespielt werden darf. Prognosen dazu seien allerdings völlig utopisch. Die Ereignisse überschlagen sich täglich. „Ich bin nicht panisch, aber Sorgen mache ich mir schon.“

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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