Aus den Amtsgericht

„An den Haaren herbeigezogen“

Das Amtsgericht in Ebersberg
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Vor dem Amtsgericht wurde ein Drogendelikt verhandelt

Hat ein Vaters seinen Sohn mit Drogen versorgt? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Schöffengericht in Ebersberg

Markt Schwaben – Ein 37-Jähriger muss in Ebersberg vor Gericht erscheinen. Die Ex-Freundin seines Sohnes beschuldigt ihn, seinen Sohn mit Drogen versorgt zu haben. Dem Markt Schwabener ist das Gerichtsgebäude in Ebersberg durchaus bekannt. Er ist hier schon einmal wegen eines Drogendeliktes vor der Anklagebank gestanden und zahlt die damals verhängte Strafe noch ab. Jetzt war er wieder im Amtsgericht, diesmal vor dem Schöffengericht. Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vor, eine Person unter 18 Jahren mit Drogen versorgt zu haben, also unerlaubte Abgabe von Drogen und zusätzlich unerlaubten Besitz.

Im Zeitrahmen vom Mai bis August letzten Jahres hat die nicht erschienene Zeugin und Ex-Freundin des Sohnes vom Angeklagten beobachtet, dass ihr Freund von seinem Vater wohl recht großzügig mit Marihuana versorgt wurde. Der Markt Schwabener stritt vehement ab, seinen 17-jährigen Sohn mit Drogen zu versorgen. „Das ist alles völlig an den Haaren herbeigezogen. Ich bin doch nicht so blöd und versorge meinen eigenen Sohn mit sowas.“ Außerdem würde er von Montag bis Freitag von 13 Uhr bis Mitternacht arbeiten, am Wochenende lange schlafen, da wäre also gar keine Zeit, um Drogen an seinen Sohn zu verteilen.

Auf die Nachfrage von Richter Nikol, wie es denn dann zu der Anzeige ihm gegenüber kam, erklärte der Beschuldigte: „Ich hab sie am Telefon beleidigt, vielleicht deswegen, aber ich habe mich bei ihr entschuldigt“. Sohn und Freundin hatten angeblich Streit, verloren sich bei einer „Alkoholtour“ aus den Augen und die Freundin rief darauf beim Vater an, um zu fragen, ob er denn wüsste, wo sein Sohn sei. Dann fielen die Beleidigungen, angeblich aber nur, weil der Angeklagte auf Arbeit war und der Anruf ihn stresste. Zumindest ein Zeuge kam am ersten Verhandlungstag – der ermittelnde Polizeibeamte aus Erding. Er sagte aus, dass sie zuerst die nicht erschienene Zeugin quasi im Visier hatten, bzw. beschuldigten. Sie postete ein Bild mit Marihuana in den sozialen Medien. Sie zeigte sich aber durchaus geständig und erzählte, dass ihr Freund, in dem zur Verhandlung stehenden Zeitraum fast täglich Marihuana konsumiert hätte, versorgt von seinem Vater.

Laut dem Polizeibeamten wirkte die damals Beschuldigte sehr glaubhaft. Des Weiteren hätte sie den Vater am Bahnhof auch mit einer Box voller Marihuana gesehen und den Verdacht geäußert, dass er dies verkaufen würde. Die Drogen wurden wohl aufgrund von den Wohnungsdurchsuchungen aus der Vergangenheit nicht mehr zu Hause gelagert, sondern nur noch in kleinen Mengen für den sofortigen Gebrauch. Bei einer Durchsuchung im Mai letzten Jahres fand die Polizei aber unterschiedliche Drogenutensilien, wie zwei Glasplatten mit Anhaftungen von Amphetamin. Gegen den Sohn wurde laut dem Ermittlungsbeamten aus Erding noch kein Verfahren eingeleitet, hier müsste noch das Handy ausgewertet werden. Aber auch der Sohn erklärte sich – zumindest bei der zuständigen Polizeidienststelle, mit denselben Worten, wie der Vater, dass nämlich alles bei den Haaren herbeigezogen wäre. Wer hier nun was an den Haaren herbeizieht und was denn tatsächlich geschah, das wird sich am nächsten Verhandlungstag zeigen. Die Sitzung wurde verschoben, weil die wichtigste Zeugin nicht erschien. In drei Wochen geht es weiter im Gerichtssaal. Wir werden berichten. : tt

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