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Anstiftung zum Diebstahl

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Gestohlen oder sicher aufbewahrt: Ein solcher Roller war Gegenstand einer Verhandlung am Amtsgericht Ebersberg. © Foto: Tretner

Der Richter am Ebersberger Amtsgericht hatte es im Fall eines Roller-Diebstahles mit verwirrenden Aussagen zu tun. Am Ende gab es dennoch ein Urteil.

Ebersberg – „Wenn man als Zeuge vor Gericht aussagt, muss man die Wahrheit sagen. Falls man etwas Falsches sagt, kann dies bestraft werden“, so klärte der Richter im Ebersberger Amtsgericht den Jugendlichen auf, der wegen Anstiftung zum Diebstahl vor Gericht stand. Als Vorwurf stand im Raum, dass der heute 18-Jährige, vor fast genau einem Jahr einen Zwölfjährigen aufforderte, einen Roller zu klauen. Dieser war an dem Fahrradständer einer Schule in Vaterstetten mit einem Zahlenschloss festgemacht. 

Diese Anklage stritt der Azubi vehement ab und betonte immer wieder, er hätte den Roller nur in seine Obhut genommen, um ihn zurückzugeben. Warum er dies nicht gleich tat und stattdessen das Diebesgut erst einmal mit nach Hause nahm, konnte der angeklagte Jugendliche dem Richter nicht erklären. 

Er erläuterte den Sachverhalt in seinem ganz eigenen Verständnis. So erzählte er, dass der Junge, der den Roller geklaut hat, ihn nicht zurückgebracht hätte und er sich dazu verpflichtet fühlte, die Sache wieder in Ordnung zu bringen. Die geladenen Zeugen widersprachen dieser Version. Sie legten die Geschehnisse gänzlich anders dar. Auf der gemeinsamen S-Bahnfahrt von Vaterstetten nach München heckten die Jungs angeblich den Plan aus, die Einzelteile des Rollers im Internet zu verkaufen. Als Gegenplan besprach man, dass diesen Roller doch einer von ihren Freunden bekommen solle, der keinen Roller hat. Auch dies stritt der Angeklagte ab und erklärte stoisch seine Unschuld. 

Ein Zeuge wiederum sagte aber aus, dass er gehört hätte, wie der Angeklagte zu einem Jungen sagte: Schau mal da ist ein Roller, was machen wir damit? Alles in allem wurde man aus den Aussagen der Jugendlichen nicht schlau. 

Der eigentliche Besitzer des Rollers sagte aus, dass er gleich am nächsten Tag, als er merkte, dass sein Roller gestohlen war, zur Polizei ging. Ein paar Tage später sah er zufällig einen Jungen im Skater Park mit seinem Roller. Daraufhin rief er die Polizei, die laut der zuvor abgegeben Beschreibung den Roller als den seinen identifizierte und ihm diesen zurückgab. Interessanterweise gab der Angeklagte damals vor der Polizei zu, den Roller entwendet zu haben. 

Somit wurde noch alles verwirrender. Erst als ein weiterer Zeuge geladen wurde, fing sich der Fall an ein wenig zu ordnen. Der Junge, der den Roller angeblich entwendete, sprach von Anfang an von einem „gemeinsamen Projekt“ mit dem Angeklagten. 

Das bewertete der Richter dann auch als ein gemeinschaftliches Vergehen. Es sei unglaubwürdig, sich in die Tat eines anderen so einzumischen und den Roller erst mal mit nach Hause zu nehmen, um ihn dann zurückzugeben. Da der Angeklagte zur Tatzeit unter 18 Jahre war, setzte das Gericht das Jugendstrafrecht an, da „es hier sicherlich noch einen Reifungsprozess geben würde“. Einen Roller im Wert von 200 Euro zu klauen, sei keine Bagatelle, so die weiteren richterliche Ausführung. Des Weiteren ist der Jugendliche nicht zum ersten Mal vor Gericht. Dreimal schon, fiel er strafrechtlich in Erscheinung. Falls er sich noch einmal etwas zu Schulden kommen lässt, wird ein Arrest verhängt und nicht wie jetzt eine Geldstrafe von 250 Euro. Tretner

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