Konflikt zwischen Artenvielfalt und Ertrag

Landwirte, Naturschützer und Politiker auf freier Flur

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Landrat Robert Niedergesäß gab sich umweltbewusst. Zur Besichtigung kam er mit einer mit Wasserstoff betriebenen Limousine und pflückte digital einen Blumenstrauß.

Der Erhalt der Artenvielfalt und der Ertrag der Felder gestaltet sich komplex. Ein Kompromiss wäre eine staatliche Förderung für Ertragsverluste der Landwirte

Landkreis – - Unter dem Motto „Landwirtschaft und Biodiversität – Erzeugung gestalten und Arten erhalten“ soll die Zusammenarbeit zwischen den Landwirten, dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg (AELF), der unteren Naturschutzbehörde und dem Landespflegeverband verstärkt werden. Im Fokus steht dabei die Biodiversität in Fauna und Flora, die Artenvielfalt der Kleintiere und Pflanzen, aber auch die Erkenntnis, dass dies staatlich gefördert werden müssen. Hierzu traf man sich im südlichen Schwabener Moos auf dem Hof der Familie Steiler. Dr. Georg Kasberger, Leiter des AELFs, begrüßte den Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes Franz Lenz, Johann Taschner von der Unteren Naturschutzbehörde, den Geschäftsführer des Landespflegeverbandes Josef Rüegg sowie Landwirte und Politiker der Region.

„Biodiversität ist die Vielfalt an Lebensräumen und Arten in unserer Kulturlandschaft. Die Landwirte sind unverzichtbare Partner bei der Pflege und Erhaltung dieser Vielfalt“. Was klar zu formulieren ist, war, wie sich beim Rundgang im südlichen Schwabener Moos herausstellte, in den vergangenen Jahrzehnten nicht immer einfach umzusetzen. Landwirte pochten auf ihre Erfahrung und den Gewinn, die Gegenseite auf den Erhalt der Biodiversität. Der Erhalt der Vielfalt und der Ertrag der Felder in Kombination mit den von staatlichen Stellen geförderten Maßnahmen gestaltete sich in der Vergangenheit komplex. Auch heute unterscheidet man zwischen „Kulap“, der Förderung im „Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm“, den freiwillig angelegten Blühstreifen sowie dem ökologischen Landbau und der Landwirtschaft. In der Bürokratie der Landwirtschaft herrscht zumindest Vielfalt. Landwirte, die sich für Biodiversität entscheiden, nehmen automatisch einen geringeren Ertrag bei der Ernte in Kauf, was sich mindern auf den Unternehmensgewinn auswirkt. Selbst die beste Arbeitsablaufs-Optimierung kann den verminderten Gewinn nicht wettmachen. Daher waren sich alle bei der Besichtigung einig: Dies ist durch Fördergelder auszugleichen.

 Im südlichen Schwabener Moos findet sich sogar ein Naturdenkmal, eine Streuwiese mit Wiesenknopf, Knabenkraut, Mehlprimel und Sibirischer Schwertlilie. Sogenannte Streuwiesen sind nicht mit Streuobstwiesen zu verwechseln. Die Streuwiesen sind in der Regel ohne Bäume, werden einmal pro Jahr gemäht, um nicht zu „verbuschen“, und ihr Ertrag wird als Einstreu in den Tierställen verwendet. Doch welche Flächen auf welche Art im landwirtschaftlichen Betrieb bearbeitet werden soll, so die einhellige Meinung, sollte in gemeinsamer Absprache erfolgen. Unwirtschaftlich zu bearbeitenden Flächen, weil hier Baugebiete, Fernstraßen oder ähnliches errichtet wurden, sollen künftig mehr dem Erhalt der Artenvielfalt dienen. Auffällig war, dass trotz Blütenreichtums im südlichen Schwabener Moos kein Honigbienen-Haus zu sehen war. 

Die Honigbiene ist das dritt-häufigste landwirtschaftliche Nutztier. Doch hier überlässt man den zu schützenden und teils vom Aussterben bedrohten Wildbienen das Terrain. Ein Sparziergang auf dem Weg durch die Artenvielfalt ist als ungefährlich zu sehen, weil die friedlichen Wildbiene so gut wie gar nicht stechen. ar

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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