Helferkreis Asyl in Zorneding über Corona

Asylhelferkreis Zorneding: „Wir brauchen kleinere Wohneinheiten“

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Die Asylbewerberunterkunft in Pöring

Landrat Robert Niedergesäß reagiert auf Vorwürfe vom Zornedinger Asylhelferkreis

Zorneding – Am 10. April entfachte ein Bewohner der Asylunterkunft in Pöring, um sein Leben zu beenden. Am selben Tag wurden Mitbewohner des Obergeschosses ins Erdgeschoss und andere Unterbringungsmöglichkeiten im Landkreis untergebracht - bedingt durch Corona. Dabei wurden Quarantänemaß- nahmen bezüglich Corona nicht eingehalten, kritisiert der Helferkreis Asyl in einem Brandbrief an Landrat Robert Niedergesäß. Und auch fehlende Desinfektionsmittel in der Unterkunft werden angemahnt.

Zudem besteht keine direkte Kontaktmöglichkeit mit den Pöringern, da sich Personen dort mit dem Virus infiziert hatten respektive unter Quarantä- ne stehen. Trotzdem gab es in der Unterkunft keine weiteren Tests. Dies und mehr wollte der Helferkreis nicht tatenlos hinnehmen und schickte einen offenen Brief - datiert am 18. Mai - ans Landratsamt. Darin unter anderem: „Es erschließt sich uns nicht, wie es mit den Zielen einer Quarantä- ne vereinbar sein soll, dass Bewohner – wohlgemerkt nicht der Infizierte - während der Quarantäne-Phase ohne aktuelles, negatives Testergebnis in andere Unterkünfte verlegt werden. Am 13. Mai wurde gemäß Meldungen des Landratsamtes Ebersberg ein Mann aus Somalia von Pöring nach Poing umgezogen, ein weiterer am selben Tag in das Containerdorf Zorneding. Die Quarantäne hätte in beiden Fällen jedoch erst mit Ablauf des 14. Mai enden sollen.“ Das Landratsamt reagierte relativ zeitnah und lud zu einem Dialogabend am 28. Mai ein. Wir sprachen mit Karin Hollerbach-Zenz, 2. Vorsitzende im Helferkreis, der zu dem Termin des Landratsamt ein Positionspapier einbrachte, über den aktuellen Stand der Dinge.

Frau Hollerbach-Zenz, welche Konsequenzen werden nun vom Landratsamt gezogen? 

Man will Covid-19-positiv-getestete Bewohner generell nach Pöring in das Obergeschoss verlegen, wo sie bis zum Ablauf ihrer Quarantäne-Phase bleiben sollen. Die Mitbewohner ihrer Unterkünfte gelten als relevante Kontaktpersonen. Sie sollen jeweils am 1. und 7. Tag getestet werden und stehen zunächst für 14 Tage unter Quarantäne, die sich allerdings verlängert, sofern sich ein neues Infektionsrisiko durch einen weiteren erkannten Covid-19-Fall ergibt. Man hat angekündigt, die Kommunikation mit den Helferkreisen verbessern zu wollen. 

Ist der Helferkreis damit zufrieden?

Das Testen war eine zentrale Forderung von uns, um in einer Übergangszeit mehr Sicherheit zu schaffen. In den letzten Wochen kann jedoch niemandem entgangen sein, dass Unterkünfte, in denen viele Menschen auf engem Raum und bei gemeinsamer Nutzung von Waschräumen und Küchen leben, „Hotspots“ für die Verbreitung des Virus darstellen. Es kommt immer wieder zu Infektionsketten, die nicht nur für die Bewohner, sondern auch für deren Kontaktpersonen im privaten sowie beruflichen Umfeld ein Risiko darstellen. Wir sollten daher alle ein zentrales – auch wirtschaftliches – Interesse daran haben, Wohnsituationen auch für diese Personengruppen zu schaffen, die den Anforderungen des Infektionsschutzes genügen. 

Wie viele Menschen sind aktuell in Pöring untergebracht?

Derzeit befinden sich nach unserem Kenntnisstand zwei Covid-19-Infizierte im 1. OG, wie viele aktuell im Erdgeschoss leben, können wir nicht genau angeben. Es sind zwischen 25 und 30 Bewohner. Haben Sie Zugang oder Kontakt zu den Bewohnern? Das Innenministerium hat nach wie vor den Zutritt zu den Unterkünften untersagt, unsere wöchentlichen Sprechstunden können daher nicht stattfinden. Wir haben schon zu Beginn der Beschränkungen ein Helferkreis-Telefon eingerichtet, über das wir auch für diejenigen erreichbar sind, mit denen wir nicht ohnehin regelmäßig im Kontakt stehen. Und wir versuchen, die Unterstützung der Flüchtlinge bei unterschiedlichsten Problemen bestmöglich aufrecht zu erhalten. 

Wie geht es jetzt aus Sicht des Helferkreises weiter? 

Das Landratsamt hat uns eine schriftliche Antwort auf unser Positionspapier zugesagt. Sobald uns diese vorliegt, werden wir sehen, ob ein weiterer Dialog mit dem Landratsamt oder anderen Stellen erforderlich ist. Und: Wir stehen mit unseren Forderungen nicht alleine. Nicht nur Helferkreise und Flüchtlingsräte aus fast allen Bundesländern, sondern auch Epidemologen fordern kleinere Wohneinheiten. Andere Landkreise, beispielsweise Erding, haben ihr Vorgehen bereits verändert. osw

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