Kunstschmied Manfred Bergmeister im Portrait

Ausdrucksstark durch schlichte Eleganz

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Manfred Bergmeister, Ehrenbürger und passionierter Kunstschmiedemeister

Seine Werke stehen in St. Petersburg, Straßburg oder in El-Alamein: Der Ebersberger Kunstschmied Manfred Bergmeister hat Außergewöhnliches geschaffen. Jetzt feierte der Ebersberger Ehrenbürger seinen 90. Geburtstag

Ebersberg – Im Landkreis Ebersberg kennt man das Bergmeister Grabkreuz-Museum mit rund 550 schmiedeeisernen Exponaten aus fünf Jahrhunderten und die international bekannten „Bergmeister-Leuchten“. Doch auch die Gitter in der Münchner Frauenkirche, das Wüstentor in El-Alamein und die monumentale Wandplastik in Erinnerung an 80.000 gefallene Soldaten in Sologubowka bei Sankt Petersburg stammen aus der Bergmeister Werkstatt. All seine Werke sind Unikate und Ausdruck zur jeweiligen Situation des Standortes. Diese Woche feierte der außergewöhnliche Kunstschmied und mit viele Auszeichnungen geehrte Ebersberger Ehrenbürger Manfred Bergmeister seinen 90. Geburtstag in seiner Heimatstadt Ebersberg - direkt neben seinem deutschlandweit einzigartigen Museum. Vital begrüßte er jeden seiner Gratulanten aus Politik, Wirtschaft und Vereine. „Es freut mich, dass Sie heute gekommen sind“, begrüßte er Landrat Robert Niedergesäß, der seinerseits von der Bergmeisterschen Schmiedekunst tief beeindruckt war und versprach, wieder zu kommen. Auf Anraten seiner Mutter hatte Bergmeister den Beruf des Elektrikers gelernt und wurde anschließend zum Wehrdienst eingezogen. Zurück in München traf er Professor Karl Nowak und machte an der Gewerbeakademie seinen Traum wahr - die Ausbildung zum Kunstschmied. Als sein Gesellenstück fertigte er ein barockes Grabkreuz. Bergmeister selbst war nicht auf der traditionellen Walz der Handwerker unterwegs. „Im Krieg war ich unterwegs und habe gesehen, wie andere leben und arbeiten“. Auf seinem Weg zur Meisterprüfung engagierte er sich für arbeitslosen Jugendliche, indem er ihnen Gelegenheit bot, sich in einer Lehrwerkstatt handwerklich zu qualifizieren. Wiederrum war es Karl Nowak, der Bergmeister den Kontakt zur legendären Münchner Kunstschmiede Sixtus Schmid vermittelte. Auf Menschen zu zugehen war Manfred Bergmeister immer wichtig. So war es in der Ebersberger Werkstatt, wo er ab 1954 seine Lehrlinge forderte und förderte, damit diese am Ende nicht nur den Gesellenbrief erhielten, sondern auch „Landes- oder gar Bundessieger wurden“, betonte der Jubilar engagiert. Anschließend räumte Bergmeister die Werkstatt, um mit der Familie des Auszubildenden das Ereignis gebührend zu feiern. Neben der Lehrlingsausbildung legte der Jubilar Wert darauf, dass in der Bergmeisterschen Kunstschmiede Werkstücke mit hohem handwerklichem Können und von langlebigen Materialien wie geschmiedetem Eisen, Edelstahl oder mit Silber hartgelöteter Schmiedebronze gefertigt wurden. Mit 87 Jahren konzipierte er für die Stadt Straßburg eine der letzten großen Skulpturen. In der Werkstatt selbst arbeitet er jetzt nicht mehr, weiß aber um die Werkstücke, die dort entstehen, und erkundigt sich nach dem Fortschritt der Arbeiten. Auf Sylt begann vor rund drei Jahrzehnten seine Leidenschaft für Papier, Pinsel und Farbe. Noch heute ist der 90-Jährige rührig. Aufgrund seiner vielen Reisen und der täglichen Zeitungslektüre fällt es ihm leicht mit den Geburtstagsgästen gegenwartsbezogen über Erinnerungen zu reden. Zu seiner Lektüre zählen auch Bücher über Leben und Werke andere großer Künstler wie das der Malerin Francoise Gilot über ihr Leben mit Pablo Picasso. Steht Manfred Bergmann in seinem Museum, erklärt er die traditionelle und wie auch die modern gestaltete Grabkreuze mit gleicher Intensität. Dazwischen findet der Besucher Meter hohe Gitter nebst kompletter Miniaturmodelle. Bei genauer Betrachtung wird deutlich: beide gehören zusammen und sind in der Münchner Liebfrauenkirche in ihrer Gänze wieder zu finden. „Zunächst machen wir ein kleines maßstabgetreues Modell“, erklärte Bergmeister. Damit der Kunde aber eine genaue Vorstellung bekommt, wird ein Teil beispielsweise eines Kirchengitters im Maßstab 1:1 gefertigt. Ebenso setzte Manfred Bergmeister sich aber auch für die Bürger in seinem Ebersberg ein, wo er 36 Jahre lang im Stadtrat sich engagierte, beispielsweise für die Entstehung des großen Waldsportparks. Er organisierte Fahrten zu den in ganz Europa verteilten Soldatenfriedhöfen: Zum einen, um Vorort den gefallenen Angehörigen zu gedenken, zum anderen, um mit den dort lebenden Menschen ins Gespräch zu kommen. Seine Motivation ist dabei, zur Völkerverständigung beizutragen und ein Stück Friedensarbeit zu leisten. Der Soldaten-Friedhof bei Costermano war eines der ersten Ziele und wurde inzwischen schon 50-mal mal besucht. ar

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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