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#Zusammenhalten

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Von: Oliver Oswald

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Güterzug hohe Geschwindigkeit
In Kirchseeon befürchtet man eine enorme Lärmbelästigung. © endewer1.mail.ru

Der Arbeitskreis Bahnlärm in Kirchseeon lud zur Info-Veranstaltung. Neues gab es kaum, doch wichtiger war der Appell um Geschlossenheit

Kirchseeon – Es war ein gut gemeinter Aufruf gegen den Bahnlärm in und um Kirchseeon. Und so waren am 19. Mai um die 250 Menschen in der ATSV-Halle versammelt. Sie wollten wissen, was „da auf sie zukommt“, wie viel Lärm droht durch zunehmenden Bahnverkehr, wird es Lärmschutz geben?

Der Arbeitskreis Bahnlärm, welcher im Mai 2018 gegründet wurde, wollte ein sichtbares Zeichen setzen, dass es sich bei den kommenden Gefahren für die Gesundheit nicht nur um das Anliegen von ein paar Aktivisten, sondern um große Anteile aus der Bevölkerung dreht. Spätestens mit der Eröffnung des Brennerbasistunnels 2030 werden sich die Durchfahrten der hunderte Meter langen Güterzüge auf der Strecke zwischen Grafing und Trudering drastisch erhöhen (wir berichteten: u.a. 16. Mai 2022).

Mehr Güter auf die Schiene – gerne, aber nur, wenn man vor damit zunehmendem Lärm geschützt wird. Hier, in diesem Abschnitt jedoch sieht die Bahn keine Maßnahmen vor. Denn dort wird es laut ihrer Definition keinen Neubau geben, wie etwa bei den Streckenabschnitten rund um Rosenheim. Kein Neubau, kein zusätzlicher Lärmschutz also. Ob denn die möglichen Gleisbrücken, fast so hoch wie dreigeschossige Häuser, die zusätzliche Güterzüge in die Schienen bringen könnten, dafür nicht Neubau genug wären, wurde am Infoabend nicht konkretisiert. Die Bahn arbeitet im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums, wie die Arbeitskreisgründer Alexander und Susanne Höpler bei ihren Sachvorträgen immer wieder unterstreichen.

Petitionen von Bürgermeistern, Landräten und anderen Mandatsträgern wurden bereits an die zuständigen Behörden weitergeleitet – ohne Erfolg. Hallo war von Beginn des Arbeitskreise mit an Bord, hat Bahnvertreter erlebt, die an den runden Tisch geschickt wurden, ohne Auftrag und sichtlich ohne Kompetenz; aber der Schein, auch der Dialogbereitschaft, wurde so gewahrt. Geändert hat sich laut Ehepaar Höpler daran – im positiven Sinne – nichts.

Interessant an diesem Abend immerhin die Frage einer Besucherin: Warum nicht untertunneln, auf dem Gelände des ehemaligen Bahnschwellenwerks; somit den Lärm unter die Erde bringen? Tatsächlich gab es vor vielen Jahren Überlegungen dazu, es wurden Kosten und nötige Gelder hochgerechnet. Doch aus scheinbar nicht mehr nachvollziehbaren Gründen wurde diese Option beerdigt. Neue Infos für Eingeweihte gab es insoweit nicht; vielmehr wurde an die Gäste appelliert, sich zu engagieren, sich zu wehren. Inwieweit sich Berlin – aktuell stammt der Bundesverkehrsminister von der FDP – davon beeindrucken lässt, sei dahin gestellt. Andreas Scheuer (CSU), der Vorgänger, war jedenfalls für Lärmgeplagte keine Hilfe.

Angesichts bundesweit zahlreicher Lärmprobleme der Bahn, sollte man aber zumindest auf´s Daumen drücken für Kirchseeonn und die gesamte Osttangente der dortigen S-Bahn-Gemeinden nicht verzichten. Was denn der nächste Schritt sein würde von Seiten der Lärmgegner? Dass Kirchseeons Bürgermeister Jan Paeplow sich noch enger mit anderen Rathauschefs betroffener Gemeinden vernetzen werde, um mehr Druck aufzubauen, so Susanne Höplers Antwort gegenüber Hallo. Und dass die Bürgerinnen und Bürger sich noch mehr einbringen wollten... Klingt ambitioniert, aber wie aus Polit-Talks: „Wir werden entschlossen handeln,; wir müssen unsere Positionen noch deutlicher machen...“.

von Oliver Oswald , S-Bahnpendler, lärmerfahren, Realist

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