Umstrittenes Projekt in Paffing

Baugebiet in der Idylle?

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Derzeit noch eine Idylle, bald vielleicht das künftige Baugebiet „West V“

In Pfaffing arbeitet man an einem neuen Baugebiet. Die Planungen verliefen hierzu schon länger. Doch es regt sich auch Widerstand

Pfaffing – Als Gerücht existiert ein neues Baugebiet in Pfaffing schon länger, nun ist es konkret. Der Gemeinderat fasste in seiner Sitzung Beschlüsse dazu. Das trifft jedoch nicht auf uneingeschränkte Zustimmung, denn eine „Initiative pro Bürgernähe in der Gemeindeentwicklung“, spricht sich dagegen aus. Nach „West IV“ folgt nun wahrscheinlich „West V.“ Und das in landschaftlich reizvoller Lage südlich der Hochriesstraße, westlich der Kampenwandstraße und nördlich von Werfling.

 Das leicht abfallende Gebiet ist 40.000 Quadratmeter groß und könnte Platz für geschätzte 30 bis 40 Parzellen mit Straßen und Eingrünung bieten. Bürgermeister Lorenz Ostermaier freute sich in der Sitzung über das große Interesse an der Gemeindepolitik, denn mehr als 30 Zuhörer ließen die Plätze knapp werden. Er erklärte, dass die Gemeinde das Grundstück mittlerweile gekauft habe, es seien langwierige Verhandlungen gewesen und bat um Verständnis dafür, dass man früher nichts dazu sagen durfte. Der erste Schritt bestehe nun darin herauszufinden, „geht‘s oder geht‘s nicht?“ Außerdem müsse für ein Baugebiet zuerst die Änderung des Flächennutzungsplans in die Wege geleitet werden. Das geschehe deshalb in einem sogenannten vereinfachten Verfahren, um im besten Fall Ausgleichsflächen einsparen zu können. 

Etwa 35 Behörden geben dabei ihre Stellungnahmen ab und die Bürger – sofern sie möchten – auch. Mit jeder einzelnen werde sich der Gemeinderat befassen und abgesehen davon biete er an, mit der Initiative darüber zu diskutieren. Zu beachten sei im Süden die Landwirtschaft, die solle keine Einschränkungen erfahren, und auch die Verkehrsanbindung verlange nach einer Untersuchung. Ostermaier warb um Verständnis für das Baugebiet. Pfaffing vergrößere sich seit 1965 kontinuierlich, das sei auch wichtig, etwa „damit sich ein Arzt und die Apotheke halten können.“ Er habe laufend Anfragen zu Baugebieten. Zweiter Bürgermeister Tobias Forstner (ÜWG) bat ebenfalls um Einsicht für die späte Information, doch habe man das nicht eher bekanntgeben dürfen. Es gehe darum, Bauland zu schaffen, der Gemeinderat sei von der Notwendigkeit überzeugt, denn die bisherigen Beschlüsse dazu fielen stets einstimmig. Sicher wolle man lieber nachverdichten, aber das genüge nicht um den Bedarf zu decken. Es sollen keine Kinder wegziehen müssen, weil sie vor Ort nichts finden. Gemeinderat Andreas Demmel (ÜWG) warb auch dafür, „ich wohne seit 40 Jahren in der Nähe“, er könne nachvollziehen weshalb manche fragen, warum bei uns? 

Zuerst habe man eine schöne Aussicht, jetzt verändere sich etwas, aber ein Neubaugebiet sei „jetzt nötig“. Ein Zuhörer aus der Initiative kam auch zu Wort und fragte, woher die Gemeinde ihre Zahlen nehme, man zweifle den Bedarf an, offenbar verfolge die Gemeinde mit Neubaugebieten die Absicht, Geld zu verdienen. Dem widersprach Bürgermeister Ostermaier: man gebe die Grundstücke „zum Gestehungspreis“ weiter und verdiene unterm Strich nichts daran. Die Vergabe erfolge im Einheimischenmodell, doch könne man einen Verkauf auf dem freien Markt nicht vollständig ausschließen, das gebe es immer.

Der Beschluss für die Änderung des Flächennutzungsplans fiel einstimmig. Aus landwirtschaftlicher Fläche soll in diesem Bereich ein Wohngebiet werden.

Die Initiative für Bürgernähe in der Gemeindeentwicklung

Was will die „Initiative pro Bürgernähe in der Gemeindeentwicklung“? In einem offenen Brief zuerst einmal eine umkehrte Vorgehensweise: Die Bürger sollten vor den Grundstückverhandlungen gefragt werden, nicht hinterher. Es heiße zwar, dass allgemein der Bedarf an Wohnraum steige, doch gehe die Zeit der geburtenstarken Jahrgänge vorü- ber, eine sinkende Nachfrage zu Wohneigentum stehe mit sinkenden Immobilienpreisen und Mieten bevor, heißt es in dem Brief. Ein neues Baugebiet verschärfe diese Situation. Befürchtet wird eine „Schlafsiedlung“ für München-Pendler, auch entstehe damit weiterer Flächenfraß. Außerdem: Wie hoch der Anteil Einheimischer daran sei, dürfe durchaus vorher bekannt sein.

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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