Berufsförderungswerk Kirchseeon renaturiert aufwändig

Baum fällt! Kritik am BFW berechtigt?

Geschäftsführer Günther Renaltner beim BFW Kirchseeon
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Geschäftsführer Günther Renaltner vor dem alten Cafeteria-Gebäude, das abgerissen werden soll.

In der ersten Sitzung des Marktgemeinderats Kirchseeon in 2021 ging es bei Bürgeranfragen vor allem um Baumfällungen auf dem Gelände des Berufsförderungswerks.

Laut Beobachtern wurden dort im Zuge geplanter Gebäudeabrisse und Neubauten mehr als 80 Bäume gefällt. Dies stieß auf heftige Kritik. Denn die Redner sahen eine ungenehmigte Übernachtaktion Ende 2020. Dabei wurden auch Geldbußen bis zu 500.000 Euro laut der Kirchseeoner Baumschutzverordnung in den Raum gestellt. Die Um-/Neubauten und erforderliche Baumfällungen sind bereits seit 2018 in der Kirchseeoner Verwaltung bekannt. Trotzdem zeigten sich Gemeinderatsmitglieder und Bürgermeister Jan Paeplow ob der Baumfällung nicht amüsiert: “Wir müssen es zunächst einmal sehr zähneknirschend zur Kenntnis nehmen”, so Paeplows Stellungnahme. Und das Vorgehen etc. würden geprüft.

Zuvor hatte das Berufsförderungswerk versucht, mögliche Kritik am Vorgehen zu entkräften: “Jedoch werde es nicht nur zu Ersatzpflanzungen kommen, der Anteil ökologischer Komponenten wird vielmehr nachhaltig vergrößert,“ so in der Präsentation des BFW während einer Sitzung mit den Ratsmitgliedern. Fakt: Am 28., 29 und 30. Dezember 2020 wurden von einer oberbayerischen Firma um die 100 Bäume – je zur Hälfte Laub- und Nadelbäume gefällt, so die Geschäftsführung BFW auf Nachfrage von „Hallo“.

Interview mit Geschäftsführer Günther Renaltner

Wann rechnen Sie denn eigentlich mit einer Baugenehmigung?

Mitte des Jahres könnte die vorliegen, denn es handelt sich ja um ein größeres Bauvorhaben.

Sie haben den Antrag dazu doch bereits eingereicht?

Nein, das passiert jetzt die kommenden Tage.

Zurück zu den Bäumen: In der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats herrschte sehr stark der Eindruck, dass sich die Mehrheit übergangen fühlte vom Vorgehen der BFW; auch der 1. Bürgermeister wirkte sehr unzufrieden. Gab es von Ihrer Seite im Vorfeld die Info „wir machen das Ende des Jahres“?

Wir haben vor Weihnachten den Bürgermeister informiert, dass wir es jetzt machen. Allerdings ohne konkretes Datum unter anderem wegen der Witterungsverhältnisse, der Verfügbarkeit der Firma etc. Nochmals: Wir haben definitiv angekündet, dass es jetzt dann passiert.

Gab es auf diese Info Reaktionen von Seiten des Bürgermeisters, der Gemeinde?

Ja, es wurde daraufhin telefoniert, ich glaube am 22. Dezember, und habe gesagt, dass es sehr kurzfristig gemacht werden kann.

Wann geschah es dann?

Am 28,29. und 30. Dezember durch drei Männer und ein paar Maschinen.

Welcher Art Bäume waren es?

Man kann wohl sagen fifty-fifty Laub- und Nadelbäume.

So zu sagen anfällige oder schützenswerte Exemplare?

Aus unserer Sichtung waren die nicht von der Kirchseeoner Baumschutzordnung erfasst.

Die Sie sich angeschaut haben?

Natürlich. Und wir haben ein naturschutzfachliches Gutachten erstellen lassen und vom Forstamt die Aussage bekommen, dass die Voraussetzungen für eine Fällung vorliegen. Auch vom Landratsamt haben wir signalisiert bekommen, dass da keine weitere Genehmigung erforderlich ist. Wir haben das ja jetzt nicht aus dem luftleeren Raum gemacht.

Bund Naturschutz, die Grünen, der SPD-Sprecher etc. machten den Eindruck, nicht eingebunden zu sein. Ein Kommunikationsproblem?

Dass wir was bauen wollen, auch Bäume gefällt werden müssen, das mag schon Irritationen auslösen, wenn es auf manche überraschend wirkt. Und man muss auch sehen, dass der Bund Naturschutz sehr viel Druck in den Kessel gebracht hat durch seine Öffentlichkeitskampagne und uns so massiv von dieser Maßnahme abhalten wollte, dass wir auch überlegt haben, was könnte da der richtige Weg sein. Wir haben uns dann für diesen Weg entschieden.

Der Bund Naturschutz ist ja schon seit längerem gegen die Baumfällungen.

Da haben wir im Herbst darauf reagiert und den Bund im November eingeladen, um zu erklären was und warum wir das machen, die Argumente auf den Tisch gelegt. Und wir haben ja jetzt neu sortiert und deutlich weniger Bäume gefällt als ursprünglich geplant. Die Vertreter der Ortsgruppe Kirchseeon waren einmal auf Einladung hier, aber auch mehrmals uneingeladen. Und haben die Umfänge der Bäume gemessen.

Und dann gab es ja noch eine gewollte Begehung.

Da war der ganze Gemeinderat mit dabei, am 12. November meines Wissens. Und da hat´s geheißen, das wollen wir auf keinen Fall, man wäre dagegen etc.. Aber wir hatten die Planung erstellt und die kostet viel Geld. Da kann man nicht, wenn vorher gesagt wird, „ ja so mach´ mas“, das auf einmal verändern.

Sie haben mit der Baumfällung also nichts getan, was man von außen nichts gewusst hätte?

Das sehen wir genau so.

Thema Renaturierung?

Es werden defintiv mehr Bäume gepflanzt als gefällt wurden. Ein Teil der gefällten Bäume wird vor Ort gehexelt, ein Teil anderweitig verwendet. Eine Bampflanzungsfirma für die Renaturierung haben wir noch nicht, aber einen Landschaftsarichteketen beauftragt, Und: Es wird mehr Fläche entsiegelt als versiegelt. Bei der Neuanpflanzung ist von dem Doppelten auszugehen im Vergleich zu den gefällten Bäumen.

Anlass für die Baumaßnahmen?

Aufgrund von Gutachten kann für die betreffende Gebäude nicht mehr wirtschaftlich saniert werden wegen Undichtigkeiten, statischer Korrosionsprobleme etc.

Neubau dann mit Solaranlage?

Ja, energetisch wird dementsprechend geplant und gebaut. Das haben wir auch dem Bund Naturschutz erläutert, aber die bestehen darauf, es hätte alles anders gehen müssen, allerdings ohne eigenen konstruktiven Vorschlag.

Was wird neu gebaut?

Ein Gebäude mit Erdgeschoss und 1. Stock. Darin neue Mensa, Cafeteria und Ausbildungsräume. Die Bauzeit wird um die zwei Jahre dauern, danach erfolgt der Abriss des alten Gebäudes, ungefähr ein Jahr lang; also in 2024 sollte alles fertig sein.

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