Filmvortrag

Stefan Erdmann zeigt Island im Capitol Grafing

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Stefan Erdmann zeigt bildgewaltige Blicke auf Island im Grafinger Filmtheater Capitol und warnt dabei vor Massentourismus

Grafing – Mit elf, zwölf Jahren, so erzählt er vergangenen Samstag seinem Publikum im Grafinger Filmtheater Capitol, habe er den ersten Langfilm sehen dürfen. Auf dem Programm: ein Wikinger-Film. Was den jungen Stefan Erdmann damals besonders faszinierte, waren vor allem die nordischen Landschaftsaufnahmen in diesem Streifen. Der Knabe beschloss, dort einmal hinzureisen, wenn er erwachsen ist. Inzwischen war der 1966 geborene Erdmann mehr als 30 mal in Island und hat etwas mitgebracht: Filmaufnahmen der dortigen Landschaft, aus denen er einen Kinostreifen im Sinne eines Diavortrages, wie sie einst von abenteuerlichen Reisen und Expeditionen berichteten, geschnitten hat. „ISLAND 63° 66° N“ nennt er dieses Opus, das er bei Vorführungen live mit Mikrophon kommentiert. 

Eine Geschichte erzählen seine Bilder nicht, es flimmern ausschließlich bildgewaltige Landschaftsaufnahmen auf der Leinwand. Als Film-Show bezeichnet der Macher dieses Format aus laufenden Bildern und Live-Kommentaren. „Island hat mein Leben verändert,“ gesteht er dem Publikum in seiner Vorrede, in der er auch über das zunehmende Problem von Massentourismus in Island spricht. Noch um die Jahrtausendwende – Erdmann besuchte den Inselstaat erstmals 2001 – existierte dort lediglich ein sanfter Tourismus, der sich spätestens seit 2008 deutlich ausbreitete. 

Island bekam schließlich mit der Finanzkrise 2008 internationale Aufmerksamkeit. Auch der Ausbruch des Eyjafjallajökull 2010 weckte die weltweite Reiselust dorthin. Im vergangenen Jahr, so Erdmann, bereisten etwa zwei Millionen Touristen das 350.000 Einwohner zählende Island. „Die meisten davon sind überflüssig, weil sie sich so gar nicht auf das Land einlassen.“ Nach langer Einführung ging´s dann auf Filmreise. Bestechende Naturschönheiten, gewaltige Gletscher, aktive Vulkane, überwältigende Wasserfälle, farbenprächtige und bizarre Gebirgsformationen hat Erdmann da eingefangen, endlose Weiten. Man wird in eine Welt einzigartiger Natur entführt, die mit ästhetisch feinem Blick festgehalten ist, ein Urland. Geradezu spektakulär sind die Aufnahmen aus der Luft. Das, was vom Boden aus gewaltig wirkt, wie reißende Gewässer, zeigt sich hier anmutig, graziös. Wasserlinien ergeben Adern, die Bilder der Erdoberfläche zeichnen nahezu mystische Welten, auch in ihrer auffallenden Farbigkeit. Abstrakt wirken diese Bilder beinahe. 

Dass der Filmemacher ganz offensichtlich persönlich eine tiefe emotionale Erfahrung mit diesem Land verbindet, zeigt sich unmissverständlich. Die Bildgewalt aber wird noch gesteigert durch Musik, die den ohnehin vorhandenen Pathos weiter verstärkt. Fast manipulativ wird der Zuschauer gefangen genommen. Nahezu zwei Stunden dauert das Vergnügen, der Filmabend, der Vortrag, bei dem Erdmann sein Publikum mit sanftem Ton ausführlich über das Land, zumindest über dessen Natur informiert. Was vor uns war und was nach der Menschheit ist, das ist es, was er uns zeigen will. Ob man hätte etwas kürzen können? Vielleicht, denn trotz der großen Ruhe, um die es dem Filmemacher auch geht, ist es immer gefährlich, alles in einer Hand zu belassen. Kamera und Schnitt zu trennen – Erdmann macht alles alleine -, lässt zumindest verschiedene Betrachtungsweisen zu. Trotzdem: die Bildgewalt hinterlässt ihre Spuren beim Publikum. Doch ob man immer wirklich überall hin muss? Erdmann hat schon recht, der zunehmende Tourismus verändert unsere Welt nicht nur positiv. Auch ein Urland kann zerstört werden.

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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