Lokaler Klimawandel

„Extremwetter werden häufiger werden. Auch im Landkreis Ebersberg“

+
Naturgefahrenexperte Björn Walz

Björn Walz, Naturgefahrenexperte zeigte auf, dass der Klimawandel eine immer noch unterschätzte Herausforderung ist.

Ebersberg – Der Saal in der Ebersberger Alm war bis auf den letzten Platz gefüllt, mit besorgten Bürgern und ein wenig Politikprominenz. „Ich bin es gar nicht gewöhnt, vor so viel Publikum zu sprechen, es ist nicht mein erster Vortrag, aber mein am besten besuchtester“, waren die ersten Worte von Walz. Zuvor schon stellte Anja Walz, AKU-Kreisvorsitzende (Arbeitskreis Umweltsicherung und Landesentwicklung) bei der CSU, nicht ohne Stolz den Werdegang ihres Sohnes vor. Der nämlich ist Experte für Naturgefahren und Klimaentwicklung bei der Münchner Rück, einem großen Versicherungsunternehmen. 

Seit 35 Jahren zeichnet er unter anderem das Wetter in Grafing auf – lückenlos. Und schon seine Facharbeit am Gymnasium in Grafing 1993 zum Thema Klima wurde ausgezeichnet. Bei einer Wetterkolumne in einer Tageszeitung geht er heutzutage auf spezielle Themen für die Leser, hinsichtlich Klima ein. Dass er verständlich, mitreißend, unterhaltsam und mit viel Humor, solche doch etwas schweren Themen auch in gut gefüllten Sälen den Zuhörern nahe bringen kann, hat er spätestens an diesem Abend bewiesen. Die immer noch unterschätzte Herausforderung Klimawandel, hat globale aber auch lokale Auswirkungen, die wir hier im Ebersberger Raum bald zu spüren bekommen werden, so der Tenor über den ganzen Vortrag hinweg. „Wenn wir nicht anfangen zu handeln, als reichster Landkreis, wer dann?“ Nach dieser Frage trat wieder einmal betretendes Schweigen ein. 

Und Walz bemerkte weiter mit ein wenig verstimmter Miene, dass zu seiner Facharbeitszeit die Themen von heute auch schon auf dem Tisch lagen – leider. Schon vor 25 Jahren stand fest, dass wir mit unserem „Nichthandeln“ die Zukunft unserer Kinder schädigen werden. Als grenzenlosen Wahnsinn von heute bezeichnet der Klimaforscher unter anderem, dass die Autos, die schneller als 250 km/h fahren in den letzten sieben Jahren um 70 Prozent zugenommen haben. 

Über den ganzen Abend hinweg versuchte er, vor allem die Glaubenssätze von Klimaleugnern zu entkräften. Definitiv ist laut Walz, der Zusammenhang von CO2 Anstieg und globaler Erwärmung, mit natürlichen Schwankungen nicht mehr erklärbar. Nach vielen Daten und Fakten war allen klar, dass wir die zunehmenden Wetterphänomene auch im Landkreis bewältigen werden müssen, aushalten müssen. Was sind das zum Beispiel für Phänomene? Stationäre Wetterlagen werden zunehmen. Dadurch, dass immer weniger kalte Luft aus dem Norden kommt, verschiebt sich, bzw. entkräftet sich der Gegensatz der Wetterlagen, so dass die Druckgebiete nicht mehr weiterziehen. So bleibt alles länger an einer Stelle. Vor einigen Jahren war dieses Phänomen in Simbach am Inn zu beobachten oder auch in Moosach bei Grafing. Die Gewitter zogen aufgrund von wenig Wind, nicht weiter und so regnete sich innerhalb weniger Stunden teilweise der Niederschlag von eineinhalb Monaten ab. Welche Schäden dies verursachte, kann man sich vorstellen. Und diese Extremwetter werden häufiger werden - auch bei uns im Landkreis. 

Die Landwirtschaft wird sich umstellen müssen, die Städteplanung, Kanäle aus den 60iger Jahren, werden die Wassermassen von den heutigen Wetterlagen nicht mehr fassen können, aber auch die Forstwirtschaft wird sich erneuern müssen. „Die Fichte hat komplett ausgedient“, so Walz und es könnte durchaus sein, dass demnächst auch einmal der Ebersberger Forst von den immer häufiger auftretenden Waldbränden betroffen sein wird. Es wurden aber nicht nur Fakten hinsichtlich des Klimawandels gezeigt und erläutert sondern auch was jeder einzelne dagegen tun kann, denn verzichten ist hier nicht das Gebot der Stunde, laut Walz, sondern sparen. Und das kann man beim Verbrauch von Plastik, Energie und Co und wenn man neuere Techniken einsetzt, sei es beim Fahrzeug oder der Heizung zu Hause. Es gibt viele Möglichkeiten, hier Einsatz zu zeigen. Am Schluss gab es viel Applaus und doch einige nachdenkliche Gesichter bei so manchem Politiker aus dem Landkreis, wahrscheinlich nicht darüber, dass sich bald ein Weinanbau auf der Ludwigshöhe lohnen könnte.ar

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

Auch interessant:

Meistgelesen

Die Gretchenfrage: Nachverdichtung, aber wie?
Die Gretchenfrage: Nachverdichtung, aber wie?
Recht – aber richtig?
Recht – aber richtig?
Der Kirchseeonplan
Der Kirchseeonplan
„The Best of Fotoclub Vaterstetten“
„The Best of Fotoclub Vaterstetten“

Kommentare