Reportage

„Goldener wird´s nicht“

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Patricia mit dem Anfänger-Bogen

Hallo-Redakteurin Patricia Henke durfte sich an Pfeil und Bogen ausprobieren. Möglich machte das Bogensportgesellschaft (BSG) Ebersberg. Ihr Fazit: „Ein besonderes Erlebnis, das ich unbedingt wiederholen möchte.“

Ebersberg – Das Wetter kann besser nicht sein. Ein strahlender Apriltag. Es weht kein Lüftchen. Das Eisentor am Bolzplatz hinter der Halle am Volksfestplatz in Ebersberg steht offen. Noch weiter hinten, fast versteckt steht eine kleine Holzhütte: das Vereinsheim der Bogensportgesellschaft Ebersberg. Verabredet bin ich hier mit Sebastian „Wast“ Eichler, der zweite Vorsitzende des Vereins. Mitte Februar trudelte eine Mail der BSG bei uns in der Redaktion ein. Darin berichtete der Verein stolz vom errungenen Meistertitel in der 1. Bundesliga Süd. Bogenschießen – da musste ich gleich an Kevin Costner in seiner grandiosen Rolle an Robin Hood denken oder an den Elben Legolas von Herr der Ringe, dessen Pfeile nie ein Ziel verfehlten. 

Gut, dass sich mein Beruf oft mit Dingen kombinieren lässt, die mich schon immer irgendwie interessiert haben. Ich bin etwas zu früh. Zeit sich umzusehen. Vor der Hütte liegt eine große Wiese. Mittig stehen einige runde Zielscheiben, die auf vierfüßigen Holzgestellen angebracht sind. Jetzt kommt Wast, mit dabei ist seine Frau Karin. Es wird sich geduzt, die Begrüßung ist herzlich. Wast sperrt uns das Sportheim auf. Viel Platz ist im Inneren nicht, aber hier finden die Mitglieder alles, was sie brauchen: Ein Tisch mit Eckbank, eine kleine Küche und ein Regal an dem viele Bogen hängen und noch mehr bunte Pfeile.

Im Steinbruch gingen viele Pfeile hinüber

An den Wänden hängen Urkunden und altertümliche Bogen. Karin macht mir einen Kaffee. Beide sind Mitglieder der ersten Stunde. Im März wurde der Verein 30 Jahre alt. Der Anfang brachte einige Hürden mit sich. Die Suche nach einem geeigneten Trainingsgelände erwies sich als schwer. „Ganz am Anfang trainierten wir in einem Steinbruch“, erinnert sich Karin Eichler. „Sehr ungünstig, da haben wir uns viele Pfeile ruiniert.“ Später ging es auf das hügelige Gelände am Skilift. Heimisch wurde der Verein an der Attenberger-Schillinger-Straße, wo er auch heute noch ist und im Sommer trainiert wird. Mittlerweile hat sich die BSG Ebersberg zu einem der stärksten Bogensportvereine in Bayern mit über 100 Mitgliedern gemausert. 

Seit der Gründung konnte auch schon viele Erfolge gefeiert werden. Dazu zählen drei Deutsche Meistertitel, fünf Deutsche Vizemeisterschaften, 12 Bayerische Meisterschaften, 10 Bayerische Vizemeisterschaften und zahlreiche Siege bei den oberbayerischen Meisterschaften sowie viele Turniersiege im In- und Ausland. „Unsere konstant gute Entwicklung haben wir zum Großteil unseren Sportleiter Ernst Schuh zu verdanken“, sagt Wast Eichler. Wast und Karin machen die Begeisterung für diesen Sport förmlich greifbar. Sie nehmen sich ausgiebig Zeit, mir alles genau zu erklären. Ich hätte nie gedacht, dass es schon allein so viele verschiedene Bogenarten gibt. 

Als Beispiele zeigen sie mir einen Recurve und einen Compound Bogen. Ich werde dann einen Recurve Bogen testen. Dieser hat erst eine Biegung Richtung Schützen, macht aber dann nochmal eine Kurve in die andere Richtung (Siehe Bild.) Wir gehen raus. Wast und Karin haben ihre eigenen Bogen mitgebracht und bauen diese auf. Wahnsinn, was alles an so einen Bogen dran ist: Visier, Stabilisator, Bogenfenster, Pfeilauflage – ich kann mir bei Weitem nicht alles merken. Dann muss ich mir Schutzkleidung anlegen. Unerwartet, aber nachdem Wast blutige Geschichten zum Besten gibt, mehr als einleuchtend. Ich bekomme einen Armschutz, Brustschutz und ein Fingertab, damit ich die Sehne ordentlich spannen kann. Wir beginnen mit Trockenübungen. 

Zeigt wie es geht: Gekonnt fixiert Wast Eichler sein Ziel

Karin erklärt alles bis ins kleinste Detail. Ruhig, geduldig. Ich beginne meinen richtigen Stand zu finden, Körperspannung aufzubauen. Den Bogen ersetzt zunächst ein dehnbares Sportgummiband. Allein beim Spannen muss ich gefühlt auf zehn verschiedene Einzelheiten achten. Sehr anstrengend. Hohe Konzentration ist gefragt. „Bogenschießen ist nach Golfen der schwierigste Sport“, wirft Wast ein. Jetzt darf ich den Anfänger-Bogen ausprobieren. Erst ohne Pfeil. Wieder nur spannen. „Auf keinen Fall die Sehne auslassen“, mahnt Karin. „Nur spannen und die Sehne ruhig in die Ausgangsposition gleiten lassen.“ Dreimal, viermal, fünfmal. Mein rechter Arm beginnt zu zwicken, der Nacken spannt. Schluss mit Trockenübungen. Karin bringt mir sechs Pfeile. Die Scheibe ist etwa 15 Meter von mir entfernt. „Leicht nach vorne beugen, Sehne langsam spannen, Arm strecken aber nicht überstrecken, rechten Arm weit nach hinten ziehen, Finger am Kiefer anlegen, die Sehne an Nase und Mund entlanglaufen lassen“, Karin begleitet mich bei jedem Schuss. Ich versuche mich sehr auf diese vielen Schritte zu konzentrieren. 

Dabei vergesse ich oft das eigentliche Zielen. 4 der 6 Pfeile landen in der Wiese, immerhin 2 stecken in der Scheibe. „Zu lange zielen darf man nicht“, sagt Karin. „Man verliert das Ziel aus den Augen, kann die Konzentration nicht hochhalten.“ Warte ich zu lange, höre ich nur „Goldener wird´s nicht“. Ich darf nochmal 6 Pfeile fliegen lassen. Diesmal ist die Ausbeute besser. Alle 6 landen in der Scheibe. Einer sogar im roten Bereich. Mein bestes Ergebnis. Das machte mich schon sehr stolz. Mir tut alles weh, auch geistig fühle ich mich erschöpft. Aber irgendwie gab mir das Ganze einen besonderen Kick, ich stand unter Adrenalin. „Einige Mitglieder nutzen ihre Mittagspausen, um hier etwas Dampf abzulassen“, erklärt Wast. „Sie kommen, schießen ein paar Pfeile und gehen wieder zur Arbeit.“ Nach einmaligen Ausprobieren kann ich sagen: ich werde es wieder machen. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Es reizt. Ich danke Wast und Karin für ihre Geduld und den lehrreichen Nachmittag! Info BSG Ebersberg e.V. Brandstr. 2 in Grafing www.bsg-ebersberg.de pat

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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