Interview

Brandermittler der Kripo Erding: „Denjenigen möchte ich von der Straße haben“

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Arbeit im sensiblen Bereich: Der Brandermittler der Kriminalpolizei Erding möchte lieber nicht erkannt werden

Feuer ist Urangst und Faszination zugleich. Wenn Gebäude brennen, dann reißt es uns aus dem Alltag.  Wenn der Brand gelöscht ist, steht die große Frage des Warums im Raum. Kriminalhauptkommissar Martin Niederbuchner und seine Kollegen vom K1 der Kriminalpolizei Erding begeben sich auf Spurensuche

Landkreis – Es ist nichts Alltägliches, dennoch kommt es vor: Ein Haus brennt. Letztes Jahr das Museum Wald und Umwelt in Ebersberg, ein Wohnhaus in der Eberhardstraße ebenfalls in Ebersberg oder erst kürzlich der Großbrand einer Scheune mitten im Ortszentrum von Steinhöring. Zurück bleiben verkohlte Balken, viel Schmutz und abgerissene Wände. Wenn die Feuerwehr ihre Arbeit getan hat, dann rücken die Brandermittler von der Kriminalpolizei Erding an. Wir haben mit Martin Niederbuchner gesprochen, der eigentlich anders heißt, aber aufgrund seiner Tätigkeit im Bereich Kapitalverbrechen nicht genannt werden möchte.

Herr Niederbuchner, im Landkreis Ebersberg musste die Feuerwehr im Jahr 2019 159 Mal zu Brandeinsätzen ausrücken. Wann kommen denn Sie und Ihre Kollegen zum Einsatz? 

Nun, wenn es klar war, dass zum Beispiel das Essen angebrannt war, dann rücken wir natürlich nicht aus. Ein Gradmesser ist die Schadenshöhe, so ab 50.000 Euro werden wir aktiv. Und natürlich, wenn ein Gebäude abbrennt und man nicht weiß warum.

Wie gehen Sie dann am Einsatzort vor?

Zunächst ist das klassische Polizeiarbeit. Wer hat den Brand gemeldet? Was haben Zeugen, aber auch die Einsatzkräfte vor Ort beobachtet? Wie war das Wetter zum Zeitpunkt des Brandausbruches? Wir reden natürlich auch mit den Bewohnern oder Eigentümern. Wurde im Haus etwas repariert, welche Heizung ist eingebaut, befand sich eine Werkstatt im Haus?

Und dann?

Nachdem wir von der Feuerwehr das Okay bekommen haben, das Haus zu betreten, arbeiten wir uns in den Räumen vor um einzugrenzen, wo das Feuer genau ausgebrochen ist.

Aber bei einem Großbrand ist dort doch alles zerstört!

Ja, es ist teilweise schwierig. Alles ist schwarz, die Lichtverhältnisse sind schwierig. Dennoch kann man den Brandherd eingrenzen. Es gibt sogenannte Brandzehrungen in unterschiedlicher Ausprägung, welche Rückschlüsse auf die Hitzeentwicklung und die Nähe zur Brandausbruchsstelle zulassen. Oder sogenannte Brandtrichter. Wo die Hitze am größten ist, da hat sich der Putz von der Decke gelöst.

Das klingt nach harter körperlicher Arbeit.

Ja, es ist richtig handwerkliche Arbeit. Es ist dreckig, wir stehen im Schlamm, man schwitzt und muss Inventar aus dem Weg räumen – aber ich mag das.

Sie haben also den Brandherd lokalisiert. Wie gehen Sie dann weiter vor?

Es stellt sich dann natürlich die Frage, warum ist das Feuer ausgerechnet hier ausgebrochen. Stehen oder standen hier elektrische Geräte, gibt es eine Steckdose, sind eventuell Kabel verlegt worden? Eine häufige Ursache ist, wenn mehrere Mehrfachsteckdosen aneinander gesteckt sind und am Ende vielleicht eine Waschmaschine angeschlossen ist. Derartige Gegenstände stellen wir als Beweismittel sicher und können an diesen in unserem Labor in Erding - eines der neuesten in ganz Bayern – genauere Untersuchungen vornehmen. Eine weitere Ursache ist zum Beispiel Tierfraß an Kabeln – wobei das schwierig festzustellen ist, da vom Kadaver in der Regel nicht viel übrig bleibt.

Nach Großbränden – wie hier im April in Steinhöring – kommen die Brandermittler der Kripo Erding zum Einsatz

Und wenn dort keine Steckdose zu finden ist, kein Gerät stand?

Dann werden an der Stelle Proben genommen und – wenn wir damit nicht weiterkommen – an das Labor im Landeskriminalamt geschickt. Dort gibt es Chemiker, die viel spezifischer untersuchen können.

Um zu Prüfen, ob eventuell Brandbeschleuniger oder ähnliches verwendet wurde?

Genau. Im LKA gibt es das kriminaltechnische Institut mit zahlreichen Spezialisten. Ich als Polizeibeamter kann jedoch vor Ort noch weiter ermitteln. Ist hier etwas, was eigentlich nicht sein kann? Wurde ein Fenster ausgehebelt oder eine Tür aufgebrochen? Können wir DNA-Spuren sicherstellen. Ich habe eine Zeitlang bei der Spurensicherung gearbeitet, was für meine jetzige Tätigkeit als Brandfahnder sehr hilfreich ist.

Ermitteln Sie jeden Brandstifter?

Nein, aber ich kann sagen, dass wir sehr viele technische Möglichkeiten haben, um den Tätern auf die Spur zu kommen. Diese möchte ich hier aber nicht nennen.

Was treibt Jemanden an, etwas anzuzünden?

Das ist eine gute Frage, die sich nicht abschließend beantworten lässt. Der Antrieb ist wohl wie bei vielen anderen Verbrechen auch Aufmerksamkeit, Rache, persönliche Verschmähung aber natürlich auch die Faszination am Feuer.

Warum haben Sie sich für diesen Bereich der polizeilichen Arbeit entschieden?

Zum K1 zu gehen war für mich eine bewusste Entscheidung. Wir bearbeiten hier nicht nur Brandursachen, sondern generell Kapitaldelikte wie Mord und Totschlag, aber auch Sexualdelikte. Das kann belastend sein, aber man arbeitet immer im Bewusstsein, etwas Wichtiges zu tun.

Und das nimmt man dann nicht mit nach Hause?

Wenn ich Heim gehe, kann ich dienstlich Erlebtes gut ausblenden – meistens zumindest. Aber wir sind hier Verbrechern auf der Spur und da kommt schon der Anspruch des Ermittlers hoch, dass ich denjenigen von der Straße haben möchte. Wir arbeiten hier alle sehr professionell, aber dennoch sind wir auch Menschen. Da ist es auch mal angebracht, Opfern oder Geschädigten tröstend die Hand zu halten. 

Das Interview führte Christian Schäfer

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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