Bräu-Kirta Forsting

Pichen – ein fast vergessenes Handwerk

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Die Brauerei Forsting hatte die letzten Tage mächtig Besucherandrang. Am Samstag war Flohmarkt, und Sonntag und Montag war Bräu-Kirta auf dem Gelände der Privatbrauerei Forsting und an diesem letzten Wochenende im August wird das Pichen gezeigt.

Forsting – „Früher, da war ich ganz schön beschäftigt mit dem Pichen“, erzählt Heinrich Fleidl stolz, aber auch ein wenig wehmütig. Gepicht werden oder wurden die Bierfässer, damit sich das Bier gut hält. Erneuert werden muss das Pech im Inneren regelmäßig, denn sobald sich Risse zeigen, können sich dort Bakterien ansammeln und das Bier verderben. Der Rentner arbeitete früher als Bierfahrer „und als Zimmerer und, ach, er hat einfach alles gemacht“, lacht Mario Blank, 2. Braumeister der Forstinger Brauerei spitzbübisch. Er ist heut auch mit dabei und schaut dem Profi-Picher fest auf die Finger, damit er was lernt. „Denn das wäre arg schad, wenn das nach mir keiner mehr könnt“, so Fleidl. 

Einmal im Jahr werden jetzt die Fässer gepicht, immer zur Bräu Kirta Ende August. Man bracht auch in der heutigen Zeit nicht mehr so viele Holzfässer, diese werden nämlich nur noch auf Bestellung gefüllt. Ansonsten geht es auch in Forsting ganz modern zu, das Bier lagert und gärt in Edelstahlfässern. „Mit den heutigen modernen Schankanlagen, wären die Holzfässer ja auch gar nicht mehr vereinbar“, klärt der 2. Braumeister auf. Wobei noch ein wenig Holzfass-Tradition gibt es noch in München. Im Hirschgarten beispielsweise wird noch das ganze Jahr über daraus gezapft und die Augustiner-Brauerei hat sogar noch auf der Wiesn seine Holzfässer dabei und schenkt auch daraus aus. In den alten Filmen der „Unter unserem Himmel“ Serie vom BR, kann man noch sehen, wie die großen 60 ha Liter fassenden Fässer gepicht werden. In diese musste immer der kleinste, also der Lehrling hineinklettern, um das Pech mit dem Brenner zu verflüssigen. 

In Forsting macht das schon eine Maschine, aus dem Jahr 1910. Die über hundert Jahre alte Pich-Anlage bewährt sich jedes Jahr auf das Neue. Es sind aber auch die Fässer kleiner. Und so dampft und riecht fast schon streng nach dem Brauereipech, welches aus Kiefern- und Fichtenholz gewonnen wird. Unten im Keller sind zwei kleine Öfen, die mit Holz geheizt werden und im Erdgeschoss steht auf jedem Ofen eine Pich-Maschine. Die Fässer werden dort aufgelegt und der heiße Dampf löst das alte Pech und danach wird auch gleich das neue Pech von dort aus eingebracht. Danach müssen die Fässer rollen, damit sich alles gut verteilt, während sie auskühlen. Dies geschieht auf zwei parallel liegenden, mit einer Maschine betriebenen Rollen. Ganz billig ist das Pech nicht, kostet doch so ein Fass mit 120 Liter um die 1100 Euro. Aber man braucht auch nur alle 5 Jahre eines – zumindest für die rund 50 Fässer, die noch in Forsting im Umlauf sind.

 Der 68-Jährige Fleidl freut sich jedes Jahr auf diesen Termin, ist es doch quasi sein Hobby und die Freude sieht man ihm förmlich an. Beobachtet man ihn während der Prozedur, so sieht man ganz genau da sitzt jeder Handgriff, aus der Übung heraus und aus der Liebe zum Handwerk. Heute gehen ihm schon noch ein paar Hände zu Hilfe, wie der 2. Braumeister oder Bernhard Asböck, ein Freund der Brauerei, wie Blank der Braumann ihn nennt. Abgerundet hat das Programm noch die Isener Blasmusik und natürlich das Freibier, welches es aus einem Holzfass gab. Übrigens soll das Bier aus einem frisch gepichten Fass, ganz besonders schmecken. Tretner

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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