Mehr Züge, wenig Gehör

Brenner-Basis-Tunnel: Anwohner fühlen sich nicht gehört

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Statt Hilfsangebote bekomme man nur Mogelpackungen mit Beruhigungstabletten. Der Ausbau des Brenner-Basis-Tunnel erhitzt die Gemüter der Anleger: Sie fühlen sich mit ihren Ängsten nicht gehört

Landkreis – „Die Leute haben die Schnauze voll, ich hab´s erlebt in der S-Bahn“, schimpfte Omid Atai beim „red´ mit!“- Abend der Ebersberger KreisSPD in der Vaterstettener „Landlust“. Es ging nur um ein Thema, den Ausbau des Brenner-Basis-Tunnels, den geplanten und von allen Seiten gewünschten Umstieg auf den Güterverkehr, aber eben auch um die Nachwirkungen auf die Anreiner, sprich: Lärm. Der Poinger Atai, Landratskandidat der SPD, forderte die Behebung der aktuellen Missstände rund um die Bahn und den Regionalverkehr, bevor Neues angegangen werden soll. Man bekäme als mangelnde Hilfsangebote immer nur „Mogelpackungen mit Beruhigungstabletten“. Diese brauche man nicht mehr, man sei mit den Problemen bei der S-Bahn an sich schon absolut am Limit, so der 31-Jährige. Ins gleiche Horn stieß Susanne Hoeppler vom Kirchseeoner Arbeitskreis Lärmschutz: „Wir wollen eine Planung beim Ausbau von vorne bis hinten, vorher braucht es keinen Spatenstich!“ Hauptproblem der anwesenden Vertreter von Bürgerinitiativen aus Trudering bis Kirchseeon ist die Nichtbeachtung bestehender Bahnstrecken, wenn es um Lärmschutzmaßnahmen geht. Denn die Deutsche Bahn sieht nur bei Neubau einen derartigen Bedarf, nicht aber bei Verkehrswegen, die bereits bestehen – und das bei einem Mehrfachem an Zugaufkommen.

Ismail Ertug aus der Oberpfalz, Mitglied im Verkehrsausschuss des Europaparlaments, war zu Gast. Er kennt die Probleme, musste aber zugestehen, dass die aktuelle Gesetzeslage eben nur bei Neubau Lärmschutzmaßnahmen vorschreibe. „Die Deutsche Bahn und das Verkehrsministerium wissen, dass es hier Unmut gibt.“ Der Einfluss der EU sei aber diesbezüglich nicht vorhanden. Sein Statement war bereits eines der klaren Zeichen an diesem Abend im überfüllten Tagungsraum: Dass all die Bürgerinitiativen von München bis Ebersberg und dem Inntal kaum offene Ohren bei den Entscheidern finden werden.

 Die EU gehört mangels Befugnis jedenfalls nicht dazu. Daran änderte auch das impulsive Auftreten der EU-Parlamentarierin Maria Noichl (SPD Rosenheim) nichts, die sich über schlichtweg fehlende Zahlen aus dem Verkehrsministerium bezüglich Zugbwegegungen und Aussichten zur Lärmbelastung beschwerte. Man bekäme seit Jahren lediglich Schätzungen von den zuständigen Stellen und Behörden. Immerhin: Ganz ohne Widerhall scheinen die zahlreichen Proteste und Eingaben deutschlandweiter Bürgerinitiativen nicht ganz zu versanden: Das bayersiche Innenministerium scheint „die Hosen voll“ zu haben, so Noichl. Man wolle sich die Bestandsstrecken doch noch einmal genauer anschauen. Das taten viele der Besucher, auch Gastgeberin Doris Rauscher (Landtagsabgeordnete der SPD) am Eingang zum Tagungsraum, wo Alexander Hoeppler vom Kirchseeoner Arbeitskreis Bahnlärm einen Infoständer mit Details zum Flaschenhals zwischen München und Grafing zeigte: Keine neuen Gleise, aber hunderte Züge mehr in Zukunft, das Ganze ohne Maßnahmen gegen den bestehenden geschweige denn kommenden Lärm. 

An wen wenden, was tun, damit sich die so zu sagen verfahrene Situation im Sinne der Lärm-Geschädigten bessert? Eine zielführende Antwort gab es darauf nicht, denn der Verweis auf die Bundesregierung oder den Verkehrsminister zeigte keinen neuen Weg zur Lösung. Ein Gast hatte immerhin diesen Vorschlag: „Man muss die Verantwortlichen vor Ort schleppen, damit sie merken, was sie den Menschen da antun!“ os

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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