„Landet nicht da, wo ich gelandet bin“

Buchautor berichtet Schülern von seiner Dorgensucht

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Lehrerin Verena Feist und Autor Dominik Forster.

Der Buchautor Dominik Forster berichtet Neuntklässlern des Humboldt-Gymnasiums von seiner Drogensucht

Vaterstetten – Unter dem Motto „Schneller Kick oder nachhaltiger Genuss“ fand im Humboldt-Gymnasium gerade eine Woche der Gesundheit und Nachhaltigkeit statt. Für alle Jahrgangsstufen gab es Aktionen zu den Themen Umweltschutz, Nachhaltigkeit, soziale Medien und Suchtprävention. Lehrerin Verena Feist hatte dazu den Buchautor Dominik Forster nach Vaterstetten geholt. Der Ex-Junkie berichtete aus seinem Leben, wobei er gleich klarstellte: „Ich bin kein Ex-Süchtiger. Süchtig bleibt man sein Leben lang.“ 

Zwar ist er mittlerweile seit acht Jahren clean und seit fünf Jahren trocken, „aber der Entzug dauert an.“ Forster geriet schon als Kind in eine Abwärtsspirale, wie sie jeden treffen kann: Die Mutter medikamentenabhängig, der Vater Alkoholiker, war Dominik schon mit zehn Jahren auf sich gestellt. In der Schule wurde er zum Mobbingopfer, dem keiner half. Durch falsche Freunde und den Wunsch nach Anerkennung kam er zum Rauchen, Trinken und schließlich zu Partydrogen. „Mit 17 hab ich angefangen, mit 21 war ich am Ende.“ Glaubte er anfangs noch, „dass die Droge aus einem kleinen Spasti einen Superhelden macht“, so hatte er schon bald nach jedem Konsum „unfassbare Schmerzen“, schließlich auch Paranoia, die er weiterhin mit Drogen zu betäuben versuchte. Als er nicht nur selbst konsumierte, sondern auch dealte, kam er ins Gefängnis. „Sonst wäre ich mit 21 wohl gestorben.“

 Die Zeit im Knast beschreibt Forster so: „Da sitzen nur Monster. Nur Psychopathen und ich, der kleine Dominik, nicht mehr der Superheld.“ Forster hatte so große Angst vor seinen Mithäftlingen und deren Repressalien, dass er sogar versuchte, sich umzubringen. Nach der Haft folgte die Obdachlosigkeit, später ein Rückfall. Er landete im Krankenhaus, kam knapp an der Dialyse vorbei. Bis heute leidet er an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Dass er überhaupt überlebt hat, verdankt er zwei guten Freunden, darunter der Frau, die er kürzlich geheiratet hat. Bei ihr und ihrer Familie fühlt er sich erstmals „in Liebe angenommen.“ Forsters drastische Beschreibung seiner Erlebnisse lässt keinen der Neuntklässler unberührt: Mucksmäuschenstill ist es im Atrium, während Forster erzählt. Die Schüler müssen das Gehörte erst verdauen, bevor sie anfangen, Fragen zu stellen. Forster hat seine Erlebnisse in zwei Büchern verarbeitet: „crystal.klar“ (Ullstein) und „klar.kommen“ (Fabulus-Verlag). 

Und er hat seine Erfüllung in der Aufklärung gefunden, er geht in Schulen und hält Vorträge vor Schülern, Lehrern und Eltern. Seine Botschaft: „Feiern gehört zum Erwachsenwerden, aber landet nicht da, wo ich gelandet bin. In der Zeit, die ich damit verbracht habe, mich umzubringen, könnt Ihr alles machen: um die Welt reisen, eine Familie oder ein Unternehmen gründen.“ se

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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