Das Leben ist immer lebensgefährlich

Die letzte Feuerrede von Walter Brilmayer

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Bürgermeister Walter Brilmayer bei seiner letzten Feuerrede.

Ganz in seiner Art befasste sich auch heuer Bürgermeister Walter Brilmayer in seiner Feuerrede anlässlich der Sommersonnenwende auf der Ludwigshöhe mit „ganz grundsätzlichen Gedanken“ zum Alltag der Gesellschaft.

Ebersberg – Wer zum Anzünden des traditionellen Sonnwendfeuers kam, hatte freie Sicht zum Feuer und viel Platz. Dafür hatte der Dauerregen gesorgt. Keine Probleme hatten die Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr Ebersberg sowie der Ebersberger Spielmannszug. 

Dabei waren auch die Vereinsfahnen, allerdings in der Schutzhülle verpackt und zur Gänze fielen die Tänze der Trachtler aus. Der Holzboden der Tanzbühne war triefend nass und somit die Verletzungsgefahr bei möglichem Ausrutschen während der Tänze zu groß, informierte Trachtlervorstand Michael Wiefarn. Ausgehend von Erich Kästners Spruch „Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich“ beleuchtete Brilmayer in seiner traditionellen Feuerrede bei Regen die Entwicklung der Schutzgüter wie Brandschutz, Datenschutz, Arbeitsschutz, Hochwasserschutz, Nichtraucherschutz, Mutterschutz, Strahlenschutz, Mieterschutz, Kündigungsschutz, deren hohe Sicherheitsstandards ihre Berechtigung hätten. Oft artete das Sicherheitsdenken aber auch in eine Art Sicherheitswahn aus. „Übertriebene Sicherheitsvorschriften schränken unsere persönliche Freiheit ein, verkleinern und verringern unsere Spielräume“, so der Ebersberger Rathauschef. Gerade im Alltag, im ganz normalen Leben erlebe er, dass „Erwachsene für jeden Pipifax eine Vorschrift oder einen Warnhinweis brauchen und bekommen, weil sie nicht mehr in der Lage sind Gefahren selbst einzuschätzen und ihnen mit angemessenen Mitteln zu begegnen. Auf diese Art schränken wir unsere persönliche Freiheit immer stärker ein“. 

Er appellierte, dass „es deshalb wichtig ist, immer gründlich abzuwägen zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und dem Bedürfnis nach persönlicher Freiheit. Die Verhältnismäßigkeit muss passen. Und da liegt meiner Meinung nach viel im Argen, ausgelöst durch übertriebenen Sicherheitswahn und anerzogene Ängstlichkeit“. Brilmayer warnte, dass „umso mehr Bürokratismus, Dokumentationspflichten und sonstige Einschränkungen vorgegeben werden, umso mehr kleine Betriebe vom Markt verschwinden werden, weil sie die hohen Standards vor allem bü- rokratischer Art oft überhaupt nicht mehr erfüllen können. Oder der Sicherheitswahnsinn bei der Legionellen-Bekämpfung in unseren Wassersystemen. Hier werden Milliarden Kosten verursacht und gewaltige Energiemengen zum Aufheizen der Systeme verbraten“. Bei der Einführung neuer Sicherheitsmaßnahmen sollten „auch die Auswirkungen auf unser freies Handeln, auf unser Recht auf Risiko bedacht“ werden. 

Damit letztendlich die Menschen die Fähigkeit nicht verlieren, Gefahren selbst einzuschätzen, Gefahren richtig einzuschätzen und mit ihnen dann auch entsprechend umzugehen. „Es braucht uns jedenfalls nicht zu wundern, dass dieses Einschätzungsvermögen verloren geht, wenn wir von Kindesbeinen an wie unter einer Glasglocke behütet werden. Alle Gefahren werden wir nie ausschließen können, denn seien wir ehrlich, Leben ist immer lebensgefährlich“. ar

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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