1. meine-anzeigenzeitung
  2. Lokales
  3. Ebersberg

Ausgabedisziplin in Steinhöring

Erstellt:

Von: Peter Kees

Kommentare

Bürgermeisterin Martina Lietsch in der Schulturnhalle in Steinhöring.
Bürgermeisterin Martina Lietsch in der Schulturnhalle in Steinhöring. © Kees

In Steinhöring lud Bürgermeisterin Martina Lietsch zur Bürgerversammlung ein

Steinhöring – Wünsche, Anträge? Niemand meldet sich. Steinhörings Bürgermeisterin Martina Lietsch (FLS) fragt nochmal nach. Der Saal bleibt stumm. Besser kann eine Bürgerversammlung nicht laufen. Vergangenen Donnerstag hatte die Rathauschefin in der örtlichen Schulturnhalle ihren Jahresbericht abgehalten.

Ihrem Vortrag vorangestellt: eine Vorstellung der Energieagentur Ebersberg-München. Kein schlechter Auftakt: Steinhörings Bürgern und Bürgerinnen die Energiepolitik schmackhaft zu machen. Schließlich will Lietsch ihrer Verantwortung gerecht werden: „Wir sind es unseren Nachkommen schuldig, die richtigen Weichen zu stellen, auch in Sachen Energieversorgung.“

In diesem Zusammenhang verkündet sie stolz, dass die Gemeinde zeitnah die restlichen, noch nicht auf LED umgerüsteten 130 Straßenlaternen – spätestens im Januar – umrüsten will. Die verbleibenden sind bereist modernisiert. 83 Prozent Energieeinsparung bedeutet das. Beim Thema Photovoltaik, das man grundsätzlich intensivieren will, bereits eine Machbarkeitsprüfung dazu in Auftrag gegeben hat, um zu eruieren auf welchen gemeindlichen Dächern man zusätzliche Photovoltaik-Anlagen installieren könnte, hätte man aus der Zuhörerschaft eigentlich Vorbehalte erwartet und zwar zur geplanten Freiflächenphotovoltaikanlage im Weiler Buchschechen.

Als Lietsch im Frühjahr diesen Plan ihren Mitbürgern erstmals verkündete, gab es prompt Kritik mancher Anwohner, die die Landschaft verschandelt sahen. Inzwischen scheint es, hat man sich verständigt. Niemand erneuerte auf der Bürgerversammlung irgendwelche Vorbehalte. Grund zu Beschwerden gab es auch in anderen Bereichen nicht.

Der Haushalt der Gemeinde (Gesamthaushalt: gut 12 Millionen Euro, Rücklagen zum 31.21.21: 1,8 Millionen Euro, Schuldenstand zum 31.21.21: knapp 2,4 Millionen Euro) sei stabil, auch wenn die Gewerbesteuereinnahmen 2021 im Vergleich zu den Vorjahren knapp 150.000 Euro weniger betrugen. Der Grund dafür sei aber nicht Corona-bedingt, sondern läge in der Umstrukturierung eines großen Betriebes, erklärte Lietsch.

Allerdings müsse auch darauf aufmerksam gemacht werden, dass sich der positive Aufwärtstrend der Haushaltsjahre 2017 und 2018 nicht fortgesetzt hat. 2017 konnte die Gemeinde gut 1,2 Millionen Euro an Gewerbesteuereinnahmen verbuchen, 2021 lediglich 625.000 Euro. Die Einkommensteuereinnahmen dagegen sind 2021 mehr als 83.000 Euro höher als im Vorjahr. Das läge wohl daran, witzelte Lietsch, dass inzwischen mehr Frauen arbeiten gingen.

Die positive Entwicklung dieser Einnahmenquelle hat sich also fortgesetzt. Gleichwohl: „Eine Prognose für die kommenden Haushaltsjahre ist mit vielen Unsicherheiten behaftet,“ mahnte Lietsch. „Ob es eine ähnlich positive Entwicklungen wie in den Haushaltsjahren vor Corona geben wird, ist unmöglich abzuschätzen.“ Deshalb: die Entwicklung der Kommunalfinanzen sei kritisch zu beobachten.

Freilich spielten hier die aktuellen Entwicklungen eine Rolle. Ergo: man müsse sich weiter an „die seit vielen Jahren eingeschlagene Ausgabedisziplin“ halten. Lietsch ergänzt: „Mit Blick auf die Finanzlage ist immer darauf zu achten, dass freiwillige Aufgaben nur realisiert werden dürfen, wenn entsprechende Finanzierungsspielräume vorhanden sind und die Pflichtaufgaben nicht vernachlässigt werden.“

Die Überplanung des ehemaligen Lagerhauses soll fortgeführt werden

Unter diese freiwilligen Leistungen fällt womöglich die Fortsetzung der Städtebauförderprogramms, konkret die Überplanung des ehemaligen Lagerhauses am Bahnhof, für den im Frühjahr das Ergebnis eines Architekturwettbewerbs vorgestellt wurde. Lietsch dazu: „Der Gemeinderat hat beschlossen, wir machen auf alle Fälle weiter.“ 240.000 Euro hat das Wettbewerbsverfahren gekostet, ein Großteil davon wurde bezuschusst.

Ausgegeben hat man 2021 ferner u.a. Geld für ein neues Feuerwehrfahrzeug für die Feuerwehr in Tulling (37.700 Euro), für die Digitalisierung der Klassenzimmer in der örtlichen Schule, für die Verbesserung der Raumakustik und den Umbau der Sanitäranlagen im AWO-Kinderhaus, für die Erschließung des Baugebietes Tulling Nord 2 (knapp 1,2 Millionen Euro, die man über Grundstücksverkäufe refinanzieren will), für die Erneuerung von Kanal- und Wasserleitungen, für Straßenunterhalt und für den Breitbandausbau, der im August 2022 abgeschlossen wurde. Problempunkte, die Lietsch am Donnerstag ansprach: es gibt noch zu viele Wasserrohbrüche und im Kompostabfall würden viele Mitbürger auch anderen Müll entsorgen. Deshalb hat sie Kontrollen eingeführt. Zwei Neuigkeiten wurde auch noch verkündet: Steinhöring bekommt demnächst zwei Elektroladesäulen, eine in Steinhöring, die andere in Tulling und ist vom Bayerischen Staatsministerium für Digitales just mit der Auszeichnung „Digitales Amt“ versehen worden. Am Ende bedankte sich ausgerechnet der politische Gegner, Steinhörings 2.Bürgermeister Christian Schächer (CSU), für die offene und transparente Zusammenarbeit. Besser kann es tatsächlich nicht laufen.

Auch interessant

Kommentare