Dunkle Geschichte – lebensfrohe Gegenwart

Großes Interesse an der Ausstellung Lebensborn e.V. in Steinhöring

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Das Interesse an der Ausstellung und am Vortrag über den Lebensborn e.V. in Steinhöring war groß

Im Café Wunderbar, dem Ort, an dem der Einrichtungsverbund Steinhöring, einen Platz schuf, wo sich Menschen mit und ohne Behinderung begegnen können, fand ein Vortrag über den Lebensborn e. V. statt.

Steinhöring – Der Besucheransturm war so groß, dass Anna Bräsel, Historikerin und Autorin der Ausstellung „Der Lebensborn e. V.“ des Kreisjungendrings Ebersberg und Vortragsredende an diesem Tag, zuerst einmal ihren Plan für diese Veranstaltung ändern musste. Der Vortrag wurde in das Café Wunderbar verlegt.

Relikte zeugen von der dunklen Vergangenheit

Zuvor wurden noch die letzten Relikte der Lebensborn Architektur auf dem heutigen Gelände des Einrichtungsverbund Steinhöring angeschaut. Da wäre zum einen unten am Teich ein Stück des Zaunes zu erwähnen, mit dem das Gelände umzäunt war. Auffällig sind hier, die im geschmiedeten Zaun eingearbeiteten Runen, mit denen die Nationalsozialisten gerne und plakativ verwendeten. Selbst die Doppelrune der SS kann man im Zaun erkennen. Vor dem Cafè steht eine große steinerne Figur – Mutter mit Kind. Und auch der Anbau an ein früheres Bauernhaus steht noch. 

Der Anbau wurde früher als Kinderklinik genutzt. Viel ist nicht mehr übrig aus diesen Zeiten. „Man hat früher nicht so sehr darauf geachtet etwas zu konservieren. Hauptsache Deckel drauf auf die unangenehme Sache“, so erklärt Bräsel das Verschwinden historisch wichtiger Gebäude. Den Wasserturm und den Eingangsbereich mit den zwei großen Nazi-Leuchten darauf sehen heute noch tausende Autofahrer, wenn sie durch den Ort fahren. Aber nicht nur Gebäude verschwanden, auch die meisten der Lebensborn-Akten wurden angeblich in einer Nacht- und Nebelaktion vernichtet. Dies ist aber nur eine Theorie. Es gibt einige Hypothesen, wie, wo, wann die Papiere, die man heute gut für eine Aufarbeitung gebrauchen könnte, verblieben sind. Rund 850 Leute arbeiteten damals für den Verein Lebensborn und halfen mit die Rassenrichtlinien der Nationalsozialisten umzusetzen, in dem sie zum einen eine positive Auslese machten oder eben eine negative. Das waren dann die Menschen, die nicht für lebenswert befunden wurden. 

Das Heim für werdende Mütter und deren Kinder überprüfte sehr genau, ob Mütter, Kinder und auch die Väter rassisch wertvoll waren. Denn ansonsten durfte man das Heim nicht nutzen. Heinrich Himmler, der Mann an der Spitze der SS, machte sich Gedanken darüber, dass mit den jährlich ungefähr 100.000 Abtreibungen im Land auch viel wertvolles Blut verloren gehen würde.

Statt der kirchlichen Taufe gab es die SS-Weihe

So entstand die Idee der Lebensborn Heime für werdende Mütter und Kinder, in welchem letztere unter geschützten Umständen geboren werden konnten. Und die Mütter konnten anonym bleiben, niemand erfuhr von ihrem Aufenthalt. Man sprach sich nicht mit den Nachnamen an, sondern nannte sich nur beim Vornamen. Wenn sie die Kinder nicht selbst aufziehen konnten, wurden diese vorzugsweise an SS-Familien zur Adoption übergeben. Zuvor wurden sie natürlich einer SS-Weihe unterzogen, der Ersatz für eine kirchliche Taufe. Aber nicht nur die Frauen und werdenden Mütter blieben anonym, auch die Dorfbevölkerung von Steinhöring wusste nicht genau, was da vor sich ging. „Man sah nur Frauen, SS-Männer, aber was da genau vor sich ging, das wusste man nicht so genau“, erläutert Bräsel. 

Auch Kinder aus besetzten Gebieten wurden in den Lebensborn-Heimen deutschlandweit, Steinhöring ist das erste seiner Art, germanisiert und eingedeutscht – vor allem Kinder aus Norwegen. 1936 wurde das Heim eröffnet. Später arbeiteten dann auch KZ-Häftlinge aus Dachau in Steinhöring, denen es hier, so kann man aus Interviews aus diesen Zeiten lesen, wesentlich besser ging als im KZ. Im April 1945 wurde das Ende eingeläutet, 1971 ging das Gelände in die Nutzung als Betreuungszentrum über. Tretner

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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