Tafeln erfinden sich neu

Die Lebensmittelverteilstellen im Landkreis Ebersberg erfinden sich neu

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Die Grafinger Tafel

Die Corona-Epidemie stellt auch die 10 Tafeln und Lebensmittelverteilstellen im Landkreis vor große Herausforderungen.

Landkreis - Einige Tafeln, so die in Poing, in Ebersberg oder in Aßling sind nach wie vor zu den regulären Zeiten geöffnet. Wobei aber die Tafelmitarbeiterinnen bei der Ausgabe streng darauf achten, dass Kunden und Helfer den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand und auch die Hygienevorschriften beachten. Andere Tafeln, wie die Tafeln in Vaterstetten, Kirchseeon und Grafing organisierten einen Lieferdienst, der die Lebensmittel zu ihren Kunden bringt. „Leider sind unsere Räumlichkeiten in der Griesstraße so beengt, dass wir den Sicherheitsabstand von 1,5 Meter nicht gewährleisten können“, so begründen die Grafinger die Schließung ihrer Tafel. 

Die Zornedinger Tafel musste aus den gleichen Gründen ihre üblichen Räumlichkeiten verlassen und veranstaltete an den beiden Samstagen vor Ostern auf dem Hof eines örtlichen Landwirtes einen Ostermarkt, zu dem alle Kunden eingeladen waren. „Bei Regen werden wir wohl in die Tiefgarage umziehen“, verriet Franz Bachl, der neue Vorsitzende der Zornedinger Tafel. 

Viele Tafeln und Lebensmittelausgabestellen verteilten vor Ostern an ihre Kunden Warengutscheine, die sie beim örtlichen Handel einlösen konnten. „Auch für unsere Kunden soll es ein schönes Osterfest geben, gerade jetzt, wo die Angst vor dem Virus die Gemütslage vieler sehr stark belastet“, so Hans Rombeck von der Grafinger Tafel. Aber die Krise habe auch ihre guten Seiten. So berichtet der Grafinger davon, dass sich bei ihm innerhalb weniger Tage mehr als 30 Helfer meldeten, die die Tafel beim Ausfahren der Lebensmittelpakete unterstützen wollen. Die meisten davon vom TSV Grafing, dem örtlichen Sportverein. „Mit einer so großen Zahl von Freiwilligen hatte sogar der Vorstand nicht gerechnet“, berichtete Rombeck. 

Überhaupt sei die spontane Hilfsbereitschaft groß, sei es beim Mithelfen oder beim Spenden von kleineren oder auch größeren Geldbeträgen. In Grafing fielen damit besonders die Kolpingfamilie und das katholische Frauen- und Mütterbündnis positiv auf. Und finanzielle Unterstützung brauchen alle Tafeln und Lebensmittelausgabestellen im Landkreis dringend. 

Denn nach wie vor reichen die Lebensmittel, die von den Ehrenamtlichen der Tafeln bei den Supermärkten und Lebensmittelhändlern abgeholt werden können, nicht aus. Um momentan alle Kunden ausreichend versorgen zu können, müssen die Tafeln derzeit Waren zukaufen. Wer also die Tafeln und Lebensmittelausgabenstellen unterstützen möchte, frage am besten im Rathaus der jeweiligen Gemeinde nach oder suche im Internet nach der örtlichen Tafel. „Viele verfügen über eine eigene Homepage“, so Rombeck. Bei allen Tafeln habe die Corona-Krise aber auch einen Prozess des Nach- und Neudenkens in Gang gesetzt, verriet der Grafinger Tafel Verantwortliche. „Durch Corona wurde uns plötzlich bewusst, wie verletzlich wir und unsere Arbeit ist, wie schnell wir fast ausgeschaltet werden können“, sagte Rombeck. 

Nahezu alle Tafel-Ehrenamtlichen gehörten zur Altersgruppe der Höchstgefährdeten. „Die jüngsten sind mindestens 60 Jahre alt, die meisten sind wesentlich älter und das gilt für fast alle Tafel“, so der Grafinger. Deshalb sehe man in den vielen jungen Leuten, die sich jetzt gerne engagieren möchten, auch eine große Chance für die Nach-Corona-Zeit. Rombeck: „Wenn es uns gelingt, einige der jetzigen Helfer davon zu überzeugen, dass dieser Dienst sinnvoll ist, aber auch Spaß macht, vielleicht bleiben dann einige dabei und wir können unseren Lieferdienst ausbauen.“ 

Bislang beliefert man in Grafing hauptsächlich ältere und kranke Tafelkunden, die nicht mehr in die Griesstraße kommen können. Rombeck denkt noch einen Schritt weiter: „Durch den Corona-Shutdown sind plötzlich eine große Zahl Berufstätiger in eine bedrohliche finanzielle Situation geraten, mit 60 % Prozent Kurzarbeitergeld kommt nicht weit“, so der Grafinger Tafelverantwortliche. Er sieht für die Tafeln im Landkreis eine Zeit heranbrechen, die der Situation der Jahre 2013 bis 2018 ähnelt, als zahlreiche Geflüchtete und Asylbewerber bei den Tafeln und Lebensmittelausgabestellen um Hilfe und Unterstützung nachsuchten.

„Damals haben wir immens viel gelernt und hatten die Situation recht schnell im Griff und wussten damit umzugehen. Mit den damals gemachten Erfahrungen und der Unterstützung von vielen Bürgerinnen und Bürgern können wir zumindest Hunger und Durst stillen und damit die erste Not lindern“, so Hans Rombeck. red

In folgenden Gemeinden im Landkreis gibt es eine Tafel oder eine Lebensmittelverteilstelle: Aßlinger Tafel e.V. Ausgabe Freitag von 14 bis 15.30 Uhr www.sozialforum-bayern.de/asslinger-tafel 

Ebersberger Tafel Ausgabe Donnerstag 10.30 bis 11.30 Uhr https://www.ebersberg-evangelisch.de/diakonie/ebersberger-tafel-wissenswertes 

Glonner Tisch, Donnerstag 10 bis 11 Uhr www.glonner-tisch.de 

Grafinger Tafel, Mittwoch 10 bis 11 Uhr https://www.caritas-nah-am-naechsten.de/soziale-dienste-ebersberg/cont/40139 

Kirchseeon Schlaraffenland Dienstag, 9 bis 11 Uhr https://schlaraffenland-kirchseeon.jimdofree.com/ 

Markt Schwaben Tischlein deck Dich, Donnerstag, 10.30 Uhr bis 11.30 Uhr AWO-Ortsverband Markt Schwaben 

Poinger Tafel Mittwoch, 10 bis 11 Uhr www.poinger-tafel.de 

Steinhöringer Lebensmitteltheke St. Gallus, Kath. Pfarrei Steinhöring 

Vaterstettener Tafel, Donnerstag 10 bis 12 Uhr, https://www.nbh-vaterstetten.de/dienste/tafel/ Zornedinger Tafel, Mittwoch 10 bis 11 Uhr http://www.zornedinger-tafelev.de.

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