Gesundheit versus Fortschritt

Fördert die Elektrifizierung des Filzenexpress das Krebsrisiko?

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Isabell Auer wehrt sich gegen das Elektrifizierungsvorhaben des Filzenexpress.

Zweite Dialogrunde zwischen besorgten Anwohnern und Vertretern der Bayerischen Eisenbahngesellschaft und der Südostbayernbahn vergangenen Donnerstag in Tulling

Steinhöring - Die Bahn will die Strecke Ebersberg-Wasserburg langfristig in das Münchner S-Bahnnetz integrieren. Dafür soll der Filzenexpress elektrifiziert werden. Doch Anwohner wehren sich. Sie haben Angst vor Elektrosmog und haben eine Bürgerinitiative gegründet. 

Bei einer Infoveranstaltung vergangenen November im Tullinger Dorfgemeinschaft schlugen die besorgten Bürger der Bahn deshalb eine Alternative vor: die Strecke Wasserburg-Ebersberg könnte zukünftig mit akkubetriebenen Zügen befahren werden. Vergangenen Donnerstag trafen sich – in Anwesenheit des Landrats Robert Niedergesäß und Steinhörings Bürgermeister Alois Hofstetter - Vertreter der Bayerischen Eisenbahngesellschaft und der Südostbayernbahn mit den Bürgern erneut zum Dialog. Schnell wurde deutlich, der Vorschlag der Bürgerinitiative wurde zwar ernst genommen, ist aber aussichtslos. 

Fahrzeuge mit alternativen Antrieben – etwa Brennstoffzellen-Akku-Hybrid oder wasserstoffbetriebene Züge – kommen für die Strecke nicht infrage, erklärte Florian Liese, Planungschef der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Regional- und S-Bahn-Verkehr in Bayern plant, finanziert und kontrolliert. Einerseits weil sie auf Strecken mit Tunnelbahnhöfen nicht zulässig sind und andererseits weil ihre Fahrdynamik für die Strecke der Münchner S-Bahn nicht geeignet ist. 

Ähnlich kompliziert sei es mit den so genannten E-E-Hybrid-Fahrzeugen – Züge bei denen die Oberleitung die Akkus auflädt. Es fehlten hier nicht nur Erfahrungswerte – die ersten Pilotprojekte solcher Züge starten erst Mitte, Ende diesen Jahres auf kleinen Strecken -, die Fahrdynamik der Züge sei vor allem zu schlecht, ihr Gewicht zu groß. Akkubetriebenen Zügen könnten deshalb nicht in den S-Bahn-Betrieb integriert werden. Zudem seien die Investitionskosten zu hoch. Die Bahn hält an ihrem Vorhaben fest: sauber zu fahren und die Strecke Wasserburg-Ebersberg in das Münchner S-Bahn-Netz zu integrieren. 

War beim ersten Infoabend mit brachial-bayerischem Gestus versucht worden, die Bürger davon zu überzeugen, so lies man diesmal Sachlichkeit walten und Argumente sprechen, denen schwer etwas entgegenzusetzen war. 

Die Referentin der Bürgerinitiative, Isabell Auer, lies trotzdem nicht locker und verwies vor allem auf die gesundheitlichen Risiken, die das Elektrifizierungsvorhaben für die Bürger in unmittelbarer Nähe hat. Dafür war u.a. Dr. Peter Jacob aus Schliersee geladen, Mitglied der Strahlenschutzkommission. Der Physiker sieht einen Zusammenhang von Leukämieerkrankungen und Magnetfeldern, wie sie auch Oberleitungen erzeugen und beruft sich dabei auf 30 wissenschaftliche Studien. Zwar sei die Situation bislang ungeklärt, doch solange ein Krebsrisiko nicht ausgeschlossen werden könne, wäre es Irrsinn, die Elektrifizierung voranzutreiben, so seine Statement. 

„Wir stehen ganz am Anfang der Vorplanungen,“ beschwichtigt Christian Kubarsch, Infrastrukturleiter der Südostbayernbahn. „Lassen Sie uns Zeit, wir werden Ihre Hinweise und Sorgen beachten und bleiben im Dialog.“ Er ergänzt: „Die Elektrifizierung soll doch eine Verbesserung der Region sein.“ 

Natürlich gibt es gesetzlich festgesetzte Grenzwerte. Nur die seien etwa zehn Jahre alt, bemerkt ein Anwohner. „Meiner Erfahrung nach werden diese Werte ungefähr alle zehn Jahre angepasst, also bald, weshalb es doch sinnvoll ist, bereits jetzt mit aktualisierten Werten zu arbeiten.“ Er verweist auf elektromagnetische Abschildungen wie sie beispielsweise in der Schweiz existieren. „Nicht nur die Schweiz, viele Länder sind viel weiter als wir.“ 

Die Vorteile der Elektrifizierung des Filzenexpress konnten die Bürger an diesem Abend jedenfalls nicht überzeugen. 2026 soll sie abgeschlossen sein. „Der Faktor Mensch sollte höher bewertet werden, als ein Projekt,“ so der Kommentar eines Zuhörers. „Volkswirtschaftlich gesehen ist die Elektrifizierung der Strecke besser,“ so der Mann von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft. Kees

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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