40 Kitzen das Leben gerettet

Luftrettung für das Bambi

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Christian (li.) und Florian Neumair, die beiden Rehkitzretter aus Oberschwillach.

Die Rehkitze rund um Oberschwillach können seit dieser Saison aufatmen. Christian und Florian Neumair suchen vor der Mahd die Wiesen mit ihrer Drohne inklusive Wärmebildkamera ab.

Pastetten/Oberschwillach – Jährlich ereilt eine Vielzahl von Rehkitzen ein grausames Schicksal, wenn die Wiesen, in denen die Rehmutter sie ablegt, mit großen Mähwerken bearbeitet werden. Die gefährlichste Zeit liegt zwischen Mai und Juni, der Hauptsetzzeit. Anfang Mai, als die ersten Wiesen gemäht wurden, begannen die beiden Brüder mit ihrer Kamera den Boden abzusuchen. Zusammen mit Jägern und Bauern bilden sie ein Rettungsteam, um möglichst viele Jungtiere vor Verletzungen durch die Mähwerke schützen zu können. 

Von den Jägern bestand schon immer das Angebot an die Bauern, das Feld abzuschreiten, am besten Tags zuvor und mit Fremdgeruch, wie Parfüm oder dem mitlaufenden Hund, um das Feld uninteressant für die Kitzablage zu machen. Sobald das Terrain durch Veränderung jeglicher Art zu gefährlich wird, lockt die Rehmutter das Kitz woanders hin. Mit ihrer „technischen Sicht“ aus der Luft haben die beiden Tierretter viel größere Chancen das Feld für das Tierwohl zu sicher. Allerdings müssen sie dafür früh aufstehen, denn die Wärmebildkamera funktioniert nur, wenn die Umgebungstemperatur einen großen Unterschied zur Körpertemperatur des Kitzes aufweist. Abends zum Beispiel ist die Umgebung immer noch zu hoch temperiert und sobald die Sonne morgens aufsteigt, wird es ebenfalls schwierig. 

Christian Neumair lotst, sobald er auf seinem Display ein Kitz entdeckt, den Jäger an Ort und Stelle. „Oft stehen die direkt davor und sehen es nicht, so gut geschützt oder getarnt sind die Tiere“, erzählt Florian Neumair, der jüngere der beiden Brüder. Mit einem Brotkorb, der über das Tier gestülpt wird, kann der Bauer später ohne Probleme, bzw. ohne das Tier zu verletzen, herum mähen. Eine weitere Möglichkeit ist, das Tier an eine andere Stelle zu tragen. „Aber für das Kitz ist es wesentlich angenehmer nicht hin und her geschleppt zu werden“, so nochmal Florian Neumair, der erst kürzlich erfolgreich seine Jagdprüfung bestand und betont, wie wichtig ihnen beiden die ehrenamtliche Tierschutzarbeit in diesem Rahmen ist. 

Die Kamera, die beide im Moment benutzen haben sie aus eigener Tasche bezahlt. Damit sie in Zukunft noch schneller und besser nach den Tieren suchen können, der Zeitrahmen ist morgens doch enorm begrenzt, haben sie zusammen mit der VR Bank Erding ein Crowd-Funding-­Projekt für eine neue Kamera gestartet. Diese kann nämlich einen breiteren Streifen ablichten und somit ist ein Hektar Wiese durchaus schneller abgesucht. Nur allein die Kamera kostet um die 5.000 Euro, das Fluggerät dazu noch nicht mitgerechnet oder die Akkus, von denen einer mit 160 Euro zu buche schlägt. Die Spendenphase ist erst mit gut einem drittel der Zeit abgelaufen, somit hat jeder der dieses Projekt unterstützen möchte, noch Zeit sich zu beteiligen, damit die Rehkitzrettung aus der Luft im nächsten Jahr noch erfolgreicher wird. 

Heuer haben sie schon 40 Kitze gerettet. Ihr Einsatzgebiet reicht von Aschheim, Speichersee über Lengdorf bis fast nach Dorfen. „Es hat sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen und an manchen Tagen mussten wir auch Aufträge absagen, weil wir es nicht geschafft haben“, so Christian Neumair. Um vier Uhr früh stehen die beiden an solchen Tagen auf, damit sie eine halbe Stunde später auf dem Feld sind. Ohne tolerante Arbeitgeber könnten sie diese Art des Tierschutzes allerdings nicht anbieten. Rekord bei der Rehkitz­rettung war übrigens an einem Morgen innerhalb von zwei Stunden zehn Kitze in zehn Brotkörben. tt

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