Gut zu wissen, dass man nicht alleine ist

Ebersberg: Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch kranker Menschen

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Brigitte Weitzer ist selbst als Angehörige betroffen. Deshalb gründete sie die Selbsthilfegruppe

Eine psychische Erkrankung trifft niemanden nur allein. Auch sind immer unmittelbare Angehörige oder Freunde mitbetroffen. Die Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch kranker Menschen unterstützt in Form von Austausch, Aufklärung und Gemeinschaft.

Ebersberg – Brigitte Weitzer, die Ansprechpartnerin dieser Selbsthilfegruppe, ist selbst Betroffene. Eine ihrer Söhne erkrankte in jungen Jahren an einer Psychose. Drei schlimme Episoden dieser Erkrankung erlebte die Familie sozusagen zusammen, bis die richtige Diagnose kam und auch die richtigen Medikamente. Nicht nur der Lebensentwurf des Sohnes löste sich auf, auch das Leben der Eltern war von der Krankheit des Sohnes mitbetroffen. „Die Diagnose war ein Schock“, so Weitzer. Stirbt ein Familienmitglied, so kondoliert man und die Angehörigen bekommen die Anteilnahme von Freunden und Verwandten. Aber wie sieht es aus, wenn man einen Menschen an eine schwere psychische Erkrankung verliert? Da wird dann schon das ein oder andere Mal hinter vorgehaltener Hand getuschelt, was da wohl innerhalb der Familie passiert sein muss? 

Psychische Erkrankungen – von einer Psychose bis hin zur Depression – können jeden treffen, jeden Tag und trotz alledem oder gerade deswegen ist sie so ein großes gesellschaftliches Stigma - immer noch. Auch dagegen wollen Weitzer und ihre Mitstreiter gegenhalten und Eltern, Angehörige, Partner hierfür stärken, um diese Art von Gegenwind, der sich zusätzlich zur Erkrankung einstellt, besser zu handeln. 

So ist es doch häufig bis die Regel, „dass sich Freunde, Bekannte zurückziehen“. Das persönliche Umfeld verändert sich stark, bis dahin, dass es zerbricht, so die Erfahrung aus der langjährigen Arbeit von Weitzer. „Mit einer psychischen Krankheit verändern sich die Menschen eben sehr, damit muss man sich auseinandersetzen und das ist anstrengend. Und es macht natürlich auch Angst.“ 

Im Moment sind 23 Personen in der Gruppe, die sich regelmäßig treffen. Seit 2003 gibt es die Selbsthilfegruppe nun schon. In einer wechselnden Kleingruppe von meist acht bis zehn Leuten tauschen sich Mütter, Väter, Partner von Erkrankten aus. Man muss nicht reden, man kann und darf. Gesprochen wird auch über die neuesten Gesetze, Regelungen, alles was man als Angehöriger wissen sollte, was einem die Kommunikation mit Ärzten und Ämtern erleichtert. 

So ist es durchaus sinnvoll, sich Fragen an die Ärzte zuvor zu notieren, sich Gedanken zu machen, „denn wir wissen alle, Ärzte haben heutzutage einfach wenig Zeit“. Das Motto ist: „Zusammen mit den Ärzten das beste daraus machen“. Der Beweggrund diese Selbsthilfegruppe zu gründen, ist natürlich auch bei Weitzer die eigene Betroffenheit, dass sie ihre Erfahrungen teilen wollte und immer noch möchte. Wohl das mitunter schwerste, was man als Elternteil und auch als Angehöriger in solch einer Situation lernen muss, lässt sich aus der langjährigen Erfahrung von Brigitte Weitzer sehr gut annehmen: „Man muss auch lernen sie zu lassen, auch wenn es schlimm und schwer ist, es ist ihr eigenes Leben“. Der Spagat zwischen Sorge, Fürsorge und Loslassen ist wohl bei jeder schweren Erkrankung das Meisterstück, welches es von den Mitbetroffenen zu leisten gilt. Das Schöne an so einer Gruppe ist: Hier lernt jeder von jedem. 

Die Treffen in Ebersberg finden einmal monatlich, Mittwochs von 18 bis 20 Uhr im Haus der Sozialpsychiatrischen Dienste, Ebersberg statt (Sieghartstraße 21/lll). Bei Interesse vor dem ersten Besuch einfach unter Tel.: (0 80 92) 12 36 oder per E-Mail unter b.weitzer@ya- hoo.de anmelden. Tretner

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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