Ausstellung „DIN EN ISO 9001“

Ebersberger Kunstverein: endlich offen

Künstler Alexander Laner im Kunstverein Ebersberg
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Der Münchner Künstler Alexander Laner hat mit seinem Objekt „Freude am Fahren“ eine Linie auf den Boden eines Raum gezeichnet, entstanden durch den Gummiabrieb des einzigen Reifens an dem Gebilde.

Der Ebersberger Kunstverein zeigt ab Freitag die Ausstellung „DIN EN ISO 9001“ in der Alten Brennerei

Ebersberg – Das Getöse ist unerträglich. Die Alte Brennerei stinkt nach Benzin und Abgasen. Gerade eben hat der Münchner Künstler Alexander Laner mit seinem Objekt „Freude am Fahren“ – ein Schubkarrenuntergestell mit einem Boxermotor – eine Linie auf den Boden eines Raum gezeichnet, entstanden durch den Gummiabrieb des einzigen Reifens an dem Gebilde.

„Vor Publikum mache ich das nicht,“ erklärt er. „Das ist viel zu gefährlich und auch zu laut.“ Die Ohren dröhnen. Die Pressevertreter wurden soeben Zeugen einer exklusiven Performance, die das Werk erst schafft, das ab Freitag im Ebersberger Kunstverein zu sehen ist und wunderbar korrespondiert mit den Bildern an den Wänden.

Dort hängen – dem Brachialen förmlich entgegengesetzt – Papierarbeiten mit zarten Mustern, feinen geometrischen Strukturen. Sie stammen von Sofie Bird Møller, die ebenfalls in München lebt und mit Laner verheiratet ist. Zwei Welten werden da vorgeführt, man könnte fast meinen - wenn es nicht zu klischeebesetzt wäre - das männliche und das weibliche Prinzip. D

ie in Dänemark geborene und an der Akademie der Bildenden Künste in München studierte Møller erforscht das, was die tradierte Herangehensweise an Pinsel und Leinwand erweitern könnte. Von der klassischen Malerei möchte sie weg. Sie konstruiert beinahe mathematisch errechnete Formationen, klebt diese mit weißen Klebebändern auf Papier und überzieht die Blätter anschließend mit Acrylfarben, wieder mit strukturiertem Strich.

Natürlich, die Farben entwickeln dabei eine gewisse Eigendynamik. Bei aller Akribie ist nicht genau zu steuern, welche Farbe wie intensiv ihre Spur hinterlässt. Farbmuster überlagern das Konstruierte. Es geht um den Spagat zwischen Berechenbarkeit und dem Unvorhersehbarem, um das Spannungsverhältnis zwischen Organischem und systemischer Strenge auf dieser abstrakten, beinahe grafisch wirkenden Werkserie, die während der Coronazeit entstanden ist und freilich auch eine konkrete Lesart zulässt: eine auf die Reglementierungen in unserer Welt bezogene.

Weiter vorne dröhnt es abermals. Dort steht noch ein alter Mercedes-Motor aus einer ehemaligen S-Klasse. Der aber treibt kein Fahrzeug an, sondern einen Plattenspieler. So hat es sich der Künstler ausgedacht. Motorengeräusch vermischt sich mit einem Chopin Klavierkonzert. „Dieses Werk ist eines meiner Klassiker,“ erzählt Laner, der ebenfalls an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert hat, „stammt aus dem Jahr 2005 und wurde weltweit schon in verschiedenen Museen gezeigt.“ Was ihn inspiriert habe, war Werner Herzogs Film „Fitzcarraldo“, die Idee, eine riesen Apparatur für etwas Absurdes einzusetzen. Herzog lässt ein Schiff über einen Berg ziehen, Laner die Nadel eines Plattenspielers von einem Automotor betreiben. Inzwischen, so erzählt er, werde dieses Werk häufig anders als noch vor wenigen Jahren wahrgenommen. Die Klimakrise, die neue Moral scheinen die Freiheit der Kunst einzuschränken. Benzinmotoren dürften in einer Ausstellung nicht mehr laufen. Umso besser, dass sie in Ebersberg gezeigt werden, denn die Freiheit der Kunst ist wesentlich – auch und gerade in den gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen. Laners Antwort ist ein drittes Werk, ein Planschbecken, in dessen Mitte eine Tankstellen-Zapfsäule steht, aus der Wasser läuft.

Die Ausstellung „DIN EN ISO 9001“ von Sofie Bird Møller und Alexander Laner ist unbedingt sehenswert. Während des Aufenthalts in den Räumen der Alten Brennerei besteht eine FFP2-Maskenpflicht.

Öffnungszeiten bis zum 4.Juli sind freitags von 18 bis 20 Uhr, sowie samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr. Kees

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