Lebensmittel mit Herz

Essen für Bedürftige in Steinhöring

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Im Dezember letzten Jahres feierte die „Lebensmitteltheke“ Steinhöring ihr 15-jähriges Bestehen und freut sich über tatkräftige neu Helfer.

Eine Gruppe von Ehrenamtlichen sammelt nun schon seit über 15 Jahren bei den Supermärkten vor Ort und im Landkreis die Ware ein, die es nicht mehr in die Ladentheke schafft und verteilt sie an Bedürftige in Steinhöring

Steinhöring – Frau Rosa Bauer (85) initiierte damals in ihrer Garage die erste „Lebensmitteltheke“, so nennen sie nämlich die wohltätige Organisation hier im Ort, die ansonsten in Deutschland eher unter „Die Tafel“ bekannt ist und Nahrungsmittel an die Leute verteilt, denen aus unterschiedlichen Gründen zu wenig zum Leben, besser gesagt zu wenig zum Essen bleibt. Hier aber organisiert man sich privat, sprich ist nicht an der Tafel angeschlossen, sondern wird von der Pfarrei Steinhöring unterstützt, in deren Räumen auch die Verteilung stattfindet. 

Verwaltungsleiter der Pfarrei Christian Doerr steht hier den Ehrenamtlichen mit Rat und Tat zur Seite. Das ist auch dringend nötig, denn um jeden Dienstag die „Theke“ zu öffnen, bedarf es viele Helferhände. Da muss zum einen an unterschiedlichen Tagen die Ware von den Supermärkten abgeholt werden, hier gibt es einen richtigen Fahrplan. Der Aldi Markt in Edling, Rewe in Steinhöring, Lidl in Ebersberg und der Hasi-Bäcker werden befahren. „Bäcker Daumoser bringt die Ware selbst“, erzählt Josef Huber, bekannt als Kreisheimatpfleger und hier vor allem als unersetzlicher Fahrer zu den Märkten – er fährt Montag und Dienstag zu Lidl. 

Unersetzlich vor allem deswegen, weil sie im Moment „etwas dünn“ aufgestellt sind bei der Lebensmitteltheke. „Wir bräuchten ein wenig mehr Leute, die mithelfen, denn wenn einer bei uns ausfällt, wird es schon etwas kritisch, einen Ersatz zu finden“, erklärt Annemarie Gaiser, die im Moment viele administrative Dinge übernimmt und sich mehr Unterstützung durch neue Helfer wünscht. Es muss auch nicht immer jeden Dienstag oder zu festen Zeiten Präsenz gezeigt werden, es würde durchaus auch reichen, ab und an, gerade wenn jemand ausfällt einzuspringen. Und die Ware muss natürlich auch sortiert, und in die Kühlung geräumt werden, der Pfarrsaal danach geputzt und gereinigt werden. Wer hier mithilft, findet sich nicht nur in einer mehr als sozialen Tätigkeit wieder, der- oder diejenigen finden hier auch einen Ort mit ganz viel Herz vor. Lustig, humorvoll, herzlich geht es hier im Pfarreisaal von Steinhöring zu, trotz oder gerade wegen der oft angespannten oder ausweglosen Situation derjenigen, die hierher kommen. „Man braucht hier keine Scham haben“, so Sepp Huber. Armut macht auch einsam und Einsamkeit ist ein ganz schrecklich lähmendes Gefühl. 

Das wissen sie hier auch und so laden die Helfer, die kommenden Menschen jedes Mal auf Kaffee und Kuchen ein. So kommt man ins Gespräch, man merkt, man ist nicht alleine und vor allem erfährt man, dass es kein Makel, kein Stigma ist, sich hier Unterstützung zu holen. Es kommen Rentner, die zum Beispiel zu wenig für hohe Mieten plus einer guten Versorgung mit Nahrungsmittel haben, alleinerziehende Mütter, Familien, wo das Geld nicht reicht, obwohl der Familienvater Lohn und Arbeit hat und natürlich kommen auch die Geflüchteten hier vor Ort. „Genieren“, so ist es Gaiser ganz wichtig nochmals zu erwähnen, „braucht man sich bei uns nicht“. Die Altersspanne reicht von 30 bis 80 Jahren und es kommen jeden Dienstag um die 25 Menschen in den Pfarrsaal. Als Eintritt sozusagen, zahlt jeder einen Euro und kann dann aus Brot, Butter, Eier, Käse, Wurst, Obst und Gemüse auswählen, selbst Blumen gibt es an dem ein oder anderen Tag. Die Lebensmitteltheke im Pfarreisaal von St. Gallus in Steinhöring hat jeden Dienstag von 10 bis 11 Uhr geöffnet. at

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