Kultur

Welche Auswirkungen hat das künstliche Licht auf Mensch und Tier? Ein Besuch im Museum Wald und Umwelt

Ausstellung im Museum Wald und Umwelt in Ebersberg
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Die Macher der Ausstellung (v.l.): Astrid Geweke, Umweltpädagogin; Ursula Kunz, Dipl. Biologin; Dr. Rudolf Schierl, Dipl. Chemiker; Dipl.Ing. Jochen Carl nebst Dr. Hannes Müller, Leiter des Museums und Hans Vollhardt, Vorsitzender des Förderkreises Museum Wald und Umwelt

Wenn der Sternenhimmel fremd wird: Ein Besuch im Museum Wald und Umwelt in Ebersberg

Ebersberg – Welche Auswirkungen der Verlust der Nacht auf Mensch und Natur hat, können Besucher im Museum Wald und Umwelt erfahren. Wer schon einmal in der Wüste war, der weiß, wie beeindruckend der Sternenhimmel sein kann, zum Greife nah erscheinen sie.

Kein Vergleich zum abendlichen Firmament zum Beispiel in München und selbst bei uns hier im Umland der Großstadt. Die Lichtglocken, die durch übermäßige Beleuchtung entstehen und sich über die Städte setzen, sind über hundert Kilometer sichtbar. Vor allem die Straßenbeleuchtung macht hier die Nacht zum Tage.

Selbst eine Skala gibt es, die den Grad der Lichtverschmutzung angibt: Die Bortle-Skala. Klasse 1 ist extrem dunkel, wie zum Beispiel in der Wüste oder im Hochgebirge. Die höchste Einstufung, Klasse 9 ist die helle Innenstadt, bis in den Zenit hinein erleuchtet, von Sternenbildern fast keine Spur mehr.

Dabei, so erfährt man von den Ausstellungsmachern, ist der Wechsel zwischen hell und dunkel wichtig für alle Lebewesen, auch für uns Menschen. Bis vor wenigen hundert Jahren herrschte in der Natur in der Nacht völlige Dunkelheit. Die Menschen gingen sozusagen mit den Hühnern ins Bett. Ende des 19. Jahrhunderts zog die elektrische Beleuchtung in die Städte Europas und verkörperte Fortschritt und Wohlstand. Mittlerweile ist die Erleuchtung zum Problem geworden. Neueste Forschungen zeigen, dass der späte Blick zum Beispiel auf das Smartphone oder Tablet durchaus unseren Schlaf stört, weil das für gesunden Schlaf wichtige Hormon Melatonin bei Licht nicht ausreichend gebildet werden kann.

Aber nicht nur wir Menschen leiden unter der nicht mehr vorhandenen Dunkelheit. Tiere, wie zum Beispiel viele Nachtfalter verfangen sich regelrecht im Licht der Straßenlaternen. „Jede Nacht verenden Millionen Insekten, weil sie bis zur völligen Erschöpfung endlose Kreise um Haus- und Straßenlampen ziehen oder an deren Oberfläche direkt verbrennen“, steht unter einem eindrucksvollen Bild in der Ausstellung.

Dort sieht man, wie viele Falter es nur auf einer einzigen kleinen Brücke sein können, die vom künstlichen Licht gefangen genommen werden. Jochen Carl, der die Idee für diese Ausstellung hatte und auch die Projektleitung übernahm, ergänzt hier: „Selbst die Fische nehmen diese beleuchtete Brücke als überwindbare Barriere wahr und schwimmen nicht unten durch“.

Und auch bei Pflanzen kommt es zu Störungen, von Duft und Nektar beispielsweise oder der jahreszeitliche Rhythmus verschiebt sich. Das viele Licht suggeriert den Bäumen, dass es immer noch Sommer ist, sie werfen ihr Laub später ab, Frostschäden können die Folge sein.

In der Ausstellung sind viele Folgen der taghellen Nacht erklärt und multimedial erfahrbar. Die Sternwarte Wind in Forstinning beteiligt sich übrigens mit Führungen zum Nachthimmel über Ebersberg oder direkt in der Sternwarte. Nähere Infos zu „Verlust der Nacht“ gibt es unter www.museumwaldundumwelt.de. Geöffnet ist die Ausstellung Samstag, Sonntag und am Feiertag von 12 – 17 Uhr - tt

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