Magische Bilder

Bildgewaltige Kanaren im Capitol Grafing

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Stefan Erdmann lebt im Chiemgau.

Eine der liebsten Inselgruppe der Deutschen, die Kanaren stellte Stefan Erdmann im Capitol bildgewaltig vor. Magische Bilder verzauberten das voll besetzte Kino. Die teilweise von Erdmann selbst komponierte Musik und sein live zum Film gehaltener Vortrag taten ein übriges, um die Grafinger zu verzaubern. Am 13. April ist sein Film über Island zu sehen

Grafing – „Das Grafinger Publikum ist extrem angenehm, die Energie, die da im Raum herrscht, ist schon etwas besonderes.“ Diese Worte sagte der Filmemacher vom Chiemsee, Stefan Erdmann, vor Aufführungsbeginn. Vom Herbst an, „von Zeitumstellung zu Zeitumstellung“, bis in das Frühjahr hinein ist der 53-Jährige mit seinen Filmen auf Kinotour. Gerade sind die „Kanaren“ aktuell, aber auch seine zurückliegenden Filme, wie über Island, verzaubern das Publikum. 

In der aktuellen Vorstellung waren viele Besucher, die erst eine Woche zuvor den Islandfilm sahen und sofort Erdmann-Sucht-Charakter entwickelten und sich auf den heutigen Abend besonders freuten. Im Fernsehen kann man seine Filme selten sehen, da dort heutzutage „ein schneller geschnittenes Format“ gesucht wird. „Das ganze soll schon eine gewisse Ruhe ausstrahlen“, erklärt Erdmann, „die Gelassenheit, mit der ich im Leben unterwegs bin, soll man auch auf der Leinwand spüren können“. Den bewusst langsamen Bildverlauf bemerkt man sofort, wenn man im Kinosessel merklich entspannt, sobald die Bilderreise beginnt. Man könnte sagen – Projektziel erreicht. 

Aber nicht nur Entspannung darf der Zuseher erleben, das ist „nur“ die Grundhaltung, die hier entwickelt wird, sozusagen die Basis. On top gesellt sich allerlei dazu: Magische Momente, Spannung, Freude, Szenen, die einem den Atem rauben. Zum Beispiel wenn man „im“ Film mitreisen darf nach El Hierro, der ersten Insel von den acht Kanareninseln, die Erdmann an diesem Abend vorstellt. Dort steht man förmlich mit im magischen Lorbeerwald und glaubt jeden Moment springen Feen oder sonstige Märchengestalten aus diesem verwunschenen Wald heraus. Alles stimmt in diesem Moment. Die Komposition ist perfekt. Der eingefangene Lichteinfall, die Farben, die dazu unterlegte Musik versetzt den letzten im Saal in eine andere Welt. 

Drei Jahre lang filmte der Unterwössener immer wieder auf den Inseln; insgesamt waren es um die elf Monate. Gelassenheit ist hier sicherlich nötig, denn wie er beschreibt, ist nicht immer gleich das perfekte Bild im Kasten. „Wenn das Wetter schlecht ist, dann stehst du da und wartest und wartest auf den perfekten Moment“. Das größte Glück eines jeden Filmemachers ist natürlich, wenn diese „perfekte Welle“ vor ihm ist. An den Filmabenden sieht der Zuseher die Essenz der langen Arbeit. „Es ist nicht so einfach 200 Stunden Material auf zwei herunter zu reduzieren“. 

Um einen roten Faden im Film zu erhalten, bleiben viele perfekte Sequenzen auf der Strecke. Den Eindruck hat der Zuseher freilich nicht, für ihn reiht sich ein besonderer Einblick auf Landschaft, Tier und Mensch an den anderen. Für die Bilder, die man in Erdmanns Filmen sehen darf, braucht es eine bestimmte innere Haltung des Filmemachers. Wunderbar anzusehen ist es, wie respektvoll, fast schon zart er auf Mensch und Tier zugeht, keine gestellte oder erzwungene Szene hat er nötig. Nichtsdestotrotz bleibt sein Blick offen für Skurriles. So darf man beim „weißen“ Faschingsumzug auf La Palma einen Mann beobachten, der selbstverliebt mit seinem Spiegelbild im Schaufenster tanzt. 

Die Kanarischen Inseln sind eine Inselgruppe vulkanischen Ursprungs vor der Nordwestküste Afrikas, die für ihre schwarzen und weißen Sandstrände berühmt sind. Und über sie hinwegfliegen zu können, mit den Drohnenbildern ist atemberaubend. Der gesamte Film ruft in einem ein archaisches Naturerleben, ja eine Berührtheit hervor, die wir vielleicht heutzutage zu wenig kennen und erleben. Gänsehauteffekt ist garantiert, wenn man dem Berg Pico del Teide auf Teneriffa, der größten Insel, beim Erwachen aus dem Wolkennest bestaunen darf. Es scheint als wären in diesem Dokumentarfilm mehrere Genres vereint: Liebes-, Märchen-, Abenteuer-, Natur- und Tierfilm. Auf alle Fälle spürt man als Kinogänger, die Liebe mit der Stefan Erdmann seine Projekte angeht. Zu filmen, zu entdecken, neugierig sein – das alles ist seine Leidenschaft, die er zum Glück mit uns teilt. Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, kann am 13. April den Island-Film nochmal in Grafing erleben. Tretner

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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