Aus dem Kirchseeoner Gemeinderat

Keine Chance für Fachärzte

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Oliver Legler vom Kommunalbüro für ärztliche Versorgung brachte schlechte Nachrichten für Kirchseeon und Umgebung.

Einfach als Arzt eine Praxis aufmachen? Das geht nicht. Dies wurde jetzt bei der Gemeinderatssitzung in Kirchseeon deutlich

Kirchseeon – Sie wohnen im nördlichen Teil des Ebersberger Landkreises? Glückwunsch, denn dann ist der Weg zu einem Termin beim Facharzt kein wirkliches Problem: Eine bemerkenswerte Ballung von Kinder- und Frauenärzten lässt sich hier ausmachen, das Gegenteil von den südlichen Nachbarn. Bestes Beispiel Kirchseeon. Zeitnah an die ersten Besprechungen zum Thema Unterversorgung in der Marktgemeinde und dem Vortrag des auf Nachfolger hoffenden Dr. Seidelmann (wie berichteten) war Oliver Legler vom zuständigen Kommunalbüro für ärztliche Versorgung eingeladen worden und zur ersten Ratssitzung Anfang August erschienen. 

Seine - undankbare - Aufgabe: Antwort geben auf die Frage: Geht was in puncto Ansiedlung von beispielsweise Kinderärzten in der Marktgemeinde? „Nein!“ So lässt sich die abschließende Antwort zusammen fassen. Denn der Landkreis Ebersberg ist mit Fachärzten eher überversorgt. Somit ist eine Ansiedlung einer Fachkraft aktuell einfach nicht möglich, weil nicht vorgesehen und somit nicht erlaubt. Eine - nennen wir es mal - Außenfiliale einer bestehenden Praxis, die aber über ihren Hauptsitz abrechnet, das wäre im Zweifelsfall gerade noch irgendwie denkbar, aber von vielen Genehmigungsfaktoren abhängig. Freilich könnte auch ein Arzt aus dem ordentlich versorgten Poing in einer der unterbesetzten Gemeinde ziehen, findet aber scheinbar nicht statt. Wie es zur ungleichen Verteilung der angesiedelten Ärzte im Landkreis gekommen ist, das konnten nicht nur die zahlreichen Besucher im Sitzungssaal nicht nachvollziehen. Kopfschütteln beim Bürgermeister sowie den Räten bestätigte diesen Eindruck. 

Die Grundlagen für mögliche Ärzteansiedlungen bildet eine bundesweit geltende Bedarfsplanrichtlinie, mit deren Hilfe die kassenärztlichen Vereinigungen die mögliche und nötige Verteilung festlegen. Einer Kommune sind - so das Fazit nach Leglers Ausführungen - bei Wunsch und Umsetzung pro mehr Ärzte vor Ort die Hände gebunden. Aber Lichtblick am Ende des Tunnels: Welche Zahlen auch immer für die entscheidende Bedarfsplanung zugrunde liegen, sie sind alt. Neue, bereits vorliegende Zahlen würden laut Legler allerdings erst ab 2020 relevant. Dass sich aber daraufhin realistisch etwas an der Fachärztesituation im vernachlässigten Landkreissüden in absehbarer Zeit im Sinne der Patienten ändern wird - die Chancen stehen scheinbar bei Null. 

Tröstliches letztlich von Zuhörer Jan Paeplow, CSU-Mitglied und Bürgermeisterkandidat: „Wir sollten genau durch solche Veranstaltungen Öffentlichkeit erzeugen. Denn im Hintergrund haben wir eines erreicht, wenn die neuen Zahlen zum Beispiel für Kinderärzte erhoben und veröffentlicht werden: Dann sind wir präsent. Nach nicht öffentlichen ersten Daten, wird im Landkreis tatsächlich eine neue Stelle frei. Dann werde ich mich dafür stark machen, dass wir einen Kinderarzt bekommen.“ Es gab aber an diesem Abend viele, die meinten, dass die aktuelle Situation völlig von der Realität entfernt sei.“osw

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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