Energiesparen am Modelldorf

Energiespardorf: In Kirchseeon kann man den Energieverbrauch praxisnah simulieren

+
Wie ändert sich der Stromverbrauch durch ein Windrad? Landrat Robert Niedergesäß schaut bei der Präsentation des Energiespardorfs gespannt auf den Monitor.

Erzeugung und Verbrauch von Energie kann man in den Landkreisen Ebersberg und München jetzt praxisnah simulieren: An einem „Energiespardorf“ aus Holz.

Kirchseeon – Ups, da hat Robert Niedergesäß (CSU) das Windrad doch glatt mitten in den Forst gesetzt. Schnell pfriemelt der Ebersberger Landrat das Modellrädchen wieder von der Steckplatte, setzt es kurzentschlossen auf das Holzbrett nebenan. Sein Nachbar Georg Reitsberger (FW), Bürgermeister und Bauer aus Vaterstetten, guckt nun überrascht auf ein Windrad auf seinem Maisfeld. Dabei braucht er den Mais doch für seine Biogasanlage. „Die Energiewende ist kompliziert, aber es geht“, meint Moderator Peter Satzger. 

Der Diplom-Physiker aus Landsberg hat vor Jahren das erste „Energiespardorf“ entwickelt. Inzwischen gibt es weiter solcher Holzmodelle, an denen man spielerisch erforschen kann, wie Energie eingespart und die künftige Energieversorgung klimafreundlich gestaltet werden kann. 

In Kirchseeon ist nun in Kooperation mit der Energieagentur Eberberg-München, dem Bund Naturschutz und dem Berufsbildungswerk St. Zeno das sechste Modelldorf entstanden. Anhand des Modells könne aufgezeigt werden, wie individuelles Handeln Auswirkungen aufs Ganze hat, sagt Landrat Niedergesäß. „Schließlich wollen wir den Klimaschutz leben und umsetzen.“ 

20.000 Euro hat das „Energiespardorf“ gekostet, das künftig durch Schulen und Bildungsstätten in den Landkreisen Ebersberg und München wandern soll. Aber auch für Kommunalpolitiker sei es ein gutes Anschauungsobjekt, um die Energiewende realistisch ausprobieren zu können, sagt der Ebersberger Klimaschutzmanager Hans Gröbmayr. 

Die Spielfläche, vergleichbar mit der Größe Kirchseeons, besteht aus unterschiedlichen Holzplatten, deren Aufdruck verschiedene Landschaftsformen darstellen. Darauf kleine Holzhäuschen, die zum Beispiel Kirche, Mehrfamilienhaus oder Industriegebäude symbolisieren. Sie werden den Teilnehmern zugeordnet, die bestimmte Rollen übernehmen. Jeder Bau hat eigene Elektroanschlüsse, die mit einem Computer verbunden sind. So sind Verbrauchsveränderungen sofort ablesbar. Bei der Präsentation werden jetzt Photovoltaikmodule eingesetzt, Scheinwerfer simulieren Sonnenschein: Der Verbrauch sinkt deutlich. Auch weil „Hausbesitzer“ Niedergesäß trickst. Er dreht sein Mehrfamilienhaus kurzerhand um 90 Grad, um mehr Sonne abzukriegen. Als Sparmaßnahme verzichten die Teilnehmer dann kurzerhand auf alle Wäschetrockner im Modelldorf. „In ganz Kirchseeon hängt die Wäsche jetzt wieder draußen“, witzelt Moderator Satzger. Nun protestiert nun der „örtliche Elektrohändler“, weil er Umsatzeinbußen fürchtet. 

Genau das ist die Idee: Realistische Bezüge und das Problem bei manchen Entscheidungen sichtbar zu machen. „Den Kindern fehlt es an Erfahrung und Wissen, wie Politik funktioniert“, sagt Satzger. Zudem sei „sparen nicht sexy, Gerätekauf macht Spaß“. Drei Stunden dauert ein Workshop mit dem Modelldorf. Geeignet ist er für Schulen ab der 5. Jahrgangsstufe. Nun werden noch fachkundige Moderatoren ausgebildet, ab dem Sommer soll das Dörfchen auf Tour gehen. Bei Interesse einfach eine Mail an die Energieagentur Ebersberg schicken. die

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

Auch interessant:

Meistgelesen

Hallo verlost die vhs Vortragskarte
Hallo verlost die vhs Vortragskarte
Raser in Vaterstetten gestellt - 80 km/h zu schnell unterwegs
Raser in Vaterstetten gestellt - 80 km/h zu schnell unterwegs
Blaulicht Empfang in Parsdorf
Blaulicht Empfang in Parsdorf
Grafings Schulden steigen
Grafings Schulden steigen

Kommentare