Fulminante Eröffnung

Arkadien-Festival in Ebersberg eröffnet

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Arkadischer Bar-Bus im Klosterbauhof

Zum ersten Mal findet es statt, das Arkadien-Festival. Vergangenen Freitag eröffnete es fulminant mit der internationalen Kunstausstellung „Wo bitte geht´s nach Arkadien?“ in den Räumen der Alten Brennerei im Klosterbauhof, Galerie des Ebersberger Kunstvereins.

Ebersberg - Schon von weitem sah man an diesem Abend, dass es sich um keine gewöhnliche Ausstellungseröffnung handelte. Der Klosterbauhof war verwandelt. Bereits ab den Morgenstunden lief der Traunsteiner Künstler Helmut Mühlbacher zwölf Stunden lang dort im Kreis und lud Passanten ein, mit ihm ein paar Runden zu drehen, um über Arkadien und die Gegenwart zu reflektieren. Seinen Mitläufern drückte er ein Kärtchen in die Hand und bat sie ihre Sicht auf die Probleme der Gegenwart darauf zu schreiben. Aber nicht nur Mühlbacher verzauberte den Platz. 

Der aus den Niederlanden stammende Künstler Robert Roelink hat ein zeltartiges Gebilde in den Klosterbauhof gesetzt, über dem ein Astronaut schwebt. Ihm geht es darum, neue Strukturen zu suchen, altes Denken zu überwinden. „Wir sind alle Welt-Astronauten auf einer Mutterschiff-Erde. Es gibt eine Weltentwicklung, die in den verschiedenen Kulturen vor sich geht. Wir müssen mehr zusammenarbeiten.“ Die Besucher standen Schlange, um in das Innere seiner Installation zu gelangen. Heinrich Knopfs Stehle nebenan formuliert es deutlich: er hat die fünf Kontinente codiert in 7-stelligen Binärziffern darauf geschrieben. Alles eins. Aus dem Dachgiebel der Alten Brennerei ist ein Mann in einer Kiste zu sehen, der dort nicht mehr herauskommt, eine Videoarbeit von Judith Rautenberg. Auch hier die mahnende Botschaft: Wir müssen Auswege finden. 

Und dann steht da ein alter Omnibus im Klosterbauhof, der als temporäre Bar fungiert. Fast eine Art Geheimtipp, denn darinnen wird das Anliegen der Ausstellung geradezu gelebt. Keine Frage, der Klosterbauhof ist verwandelt. „Großartige Energie, die hier herrscht,“ freut sich ein Besucher. Auch die Gebäudehülle ist verwandelt: der Berliner Oliver Rednitz hat die Fassade plakatiert. Herzen sind zu sehen. „We are one“ ist da etwa zu lesen. Die Eröffnung war gut besucht wie selten. Zahlreich ist das Publikum erschienen. Ganz offensichtlich suchen die Menschen nach Antworten die brennende Gegenwartsprobleme. Genau hier versucht die Ausstellung anzusetzen. Sie versteht sich als Forum für dafür. Kein Wunder, dass viel Kunstwerke irritieren, Fragen stellen oder zum Nachdenken anregen. Da geht es um Ökonomie, dort um vermeintliche Idylle. 

Der Berliner Dennis Fuchs hat eine Tischtennisplatte mitgebracht samt Schlägern aus unterschiedlichen Materialien und verschiedenen Größen. Die wurde rege bespielt Auf den Punkt gebracht: wir müssen anders denken und handeln, Dinge in Frage stellen. So ähnlich könnte auch das Leitmotiv der Ausstellung lauten. Zur Eröffnung gab´s neben verschiedenen Reden auch Performances. Da schrieb der Dachauer Werner Bauer etwa „Mein Arkadien ist größer als Deines!“ auf den Galeriefußboden. Phoebe Lesch aus München reflektiere über den Kunstbegriff: alles könne Kunst sein, oder: auch nichts. Ebersbergs Bürgermeister Walter Brilmayer überreichte an diesem Abend den mit 2000 Euro dotierten Kunstpreis der Stadt Ebersberg. Sein Empfänger: der Ingolstädter Thomas Neumaier für seine wunderbar absurden Objekte, einem „Objekt für einen Flaneur“ oder dem „Travelling Forest“, einem Stück Birkenholz versehen mit einem Griff und einem Anhänger einer Fluggesellschaft. Eingriffe, die zur Irrstation führen, zum Nachdenken. Nachgedacht wurde dann an Tag zwei und drei. Die Juroren, Mitglieder der Arkadischen Akademie, hielten Vorträge über Arkadien, Utopie, Architektur – Max Haarich und David Lipgens von der Münchner Botschaft der Litauischen Künstlerrepublik Užupis sprachen über Künstliche Intelligenz. Am Abend ging man in einer Diskussionsrunde der Frage nach, wie Kunst und Arkadien der Gegenwart begegnen könnten. Auch diese beiden Konferenztage waren gut besucht. Und es geht weiter. 

Bis zum 10. März finden noch so einige Veranstaltungen in der Ausstellung statt, eine Filmpremiere, eine Repai-Cafe, eine Kleidertauschparty, weitere Vorträge, eine Konferenz der Kinder, ein klassisches Konzert und die Uraufführung eines Theaterstücks von Herbert Achternbusch. Das gesamte Programm findet man online unter: www.kunstvereinebersberg.de. red

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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