Kriminalstatistik Polizeipräsidium Oberbayern Nord

Fast 20 Prozent weniger Unfälle im Jahr 2020

Leere Autobahn
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Leere Straßen wegen des Lockdowns: der Rückgang des Verkehrsaufkommens spiegelte sich merklich im Unfallaufkommen der Verkehrsstatistik 2020 wider

Kriminalstatistik Polizeipräsidium Oberbayern Nord: Mehr Diebstahl, Sachbeschädigung und Internetbetrügereien

Region – Das Polizeipräsidium Oberbayern Nord hat die Polizeiliche Kriminalstatistik von 2020 herausgegeben. Insgesamt ist das Gesamteinsatzgeschehen im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig. Mit über 181.000 im Einsatzleitsystem erfassten Einsätzen ist hier ein Rückgang um knapp vier Prozent festzustellen. Der nicht zuletzt durch den Lockdown bedingte Rückgang des Verkehrsaufkommens spiegelte sich auch merklich im Unfallaufkommen der Verkehrsstatistik 2020 wider. So waren im vergangenen Jahr 19,1 Prozent weniger Verkehrsunfälle zu verzeichnen.

Eine zusätzliche Belastung für die Einsatzbeamten stellte die Überwachung der Infektionsschutzvorschriften dar. Im Jahr 2020 kamen hier 15.724 Fälle zur Anzeige. Über ein Drittel aller Delikte wurde im Bereich der Verstöße gegen die Ausgangssperre festgestellt, gefolgt von Fällen verbotener Menschenansammlungen und Verstößen gegen die Maskentragepflicht. „Wir sind uns bewusst, dass die Pandemiekrise für Polizeibeamte und Bürger gleichermaßen einen Ausnahmezustand darstellt, der nur gemeinsam bewältigt werden kann“, so Polizeipräsident Günther Gietl.

Häusliche Gewalt

Im Jahr 2020 wurden im Bereich des PP Oberbayern Nord 2.163 Fälle (2019: 2.179 Fälle) aus dem Phänomenbereich Häusliche Gewalt polizeilich bekannt. Somit ist festzustellen, dass die Fallzahlen aufgrund der Corona-Pandemie und der damit teilweise verbundenen Ausgangsbeschränkungen in der polizeilichen Erfassung nicht gestiegen sind.

Begleitend zum Pandemiegeschehen stieg das Phänomen des Subventionsbetruges signifikant von zwei Fällen im Jahr 2019 auf 120 Fälle im Jahr 2020 an. Der hierdurch entstandene Schaden beträgt rund 1,5 Millionen Euro. Die hier festgestellten Delikte bezogen sich fast ausschließlich auf die Inanspruchnahme nicht zustehender Corona- Soforthilfen.

Die Gesamtübersicht der Kriminalitätslage des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord beinhaltet auch Delikte, die durch die Bundespolizei bearbeitet werden. Die Tatorte liegen grundsätzlich im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Der Schutzbereich des Polizeipräsidiums umfasst die Landkreise Erding, Ebersberg, Freising, Fürstenfeldbruck, Dachau, Landsberg, Starnberg, Eichstätt, Pfaffenhofen, Neuburg-Schrobenhausen sowie die kreisfreie Stadt Ingolstadt. Im Zuständigkeitsbereich liegt auch der Flughafen München.

Im Jahr 2020 wurden im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord 60.235 Straftaten statistisch erfasst (ohne Verkehrs- und Staatschutzdelikte).

Gegenüber 2019 nahm die registrierte Kriminalität um 1,8 Prozent (- 1.092 Fälle) ab. Strafbare Versuche werden in der Statistik mit erfasst. Im Zehnjahresvergleich, also gegenüber dem Berichtsjahr 2011, nahm die Kriminalität im Dienstbereich um 1.994 Fälle oder 3,2 Prozent ab. Nach einem verhältnismäßig hohen Wert im Jahr 2016 ergibt sich nun das vierte Jahr in Folge ein deutlicher Rückgang. Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße gingen in den letzten 10 Jahren sogar um 2.592 Taten, also 4,4 Prozent zurück.

Sachbeschädigung und Diebstahl

Im Jahr 2020 wurden mehr sog. „Sonstige Straftatbestände gemäß StGB“ gemeldet. Die beiden Deliktsgruppen Sachbeschädigung und Diebstahl machen hierbei fast die Hälfte der Gesamtkriminalität im Bereich des PP OBN aus. Insbesondere die Graffiti-Sachbeschädigungen stiegen um 1.458 Fälle, d. h. 35,9 Prozent an.

Der Anteil der Diebstahlsdelikte hingegen ging weiter um -9,6 Prozent zurück. Seit dem Jahr 2011 sogar um 25 Prozent. Ergänzend angemerkt machen auch der Anteil der Straftaten gegen Nebengesetze ging nach drei Jahren steigender Zahlen erstmals zurück. Dies beruht nach Meinung der Experten auf einem Rückgang bei den Einreiseverstößen.

Im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Betäubungsmittelkriminalität nahmen die Rauschgiftdelikte entgegen des bayernweiten Trends zu (um 408 Fälle im Vergleich zum Vorjahr/ 8,3 Prozent). Auch im Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte sind die Fallzahlen um 6,7 Prozent gestiegen. Besonders bei den Betrugsdelikten ist ein Anstieg um 9,3 Prozent, und damit ein mehr an 701 Fällen, zu verzeichnen. Das Polizeipräsidium Oberbayern Nord wirkte dem ansteigenden Betrugsphänomen mit einer groß angelegten Präventionskampagne „Leg auf“ und fortlaufender Aufklärungsarbeit in Zusammenhang mit Callcenterbetrügereien, „Stichwort Falscher Polizeibeamter“, entgegen.

Internetkriminalität

Im Bereich der Internetkriminalität wurden durch die Dienststellen des PP Oberbayern Nord 3.575 Internetstraftaten mit einem Hinweis auf handelnde Täter in Deutschland bearbeitet. Dazu kommen 4.643 Taten mit Erfolgsort in Deutschland, die durch im Ausland handelnde Täter begangen wurden.

Gegenüber dem Vorjahr nahm die Anzahl der Internetdelikte im Inland um 337 Taten (10,4 Prozent) zu. Der Internetbetrug stieg im Vergleich zum Vorjahr um 5,9 Prozent. Zum Jahr 2011 beträgt der Anstieg 73,1 Prozent. 2020 entstand ein Gesamtschaden in Höhe von 1.622.974 Euro. Die Schadensumme ging dabei zum Vorjahr um 353.000 Euro zurück.

Kernbotschaften 2020

Niedrigster Straftatenstand seit 2011; Höchste Aufklärungsquote seit 10 Jahren; Signifikanter Rückgang von Rohheits- und Raubdelikten; Rückläufiger Trend bei Wohnungseinbruchdiebstählen; Erstmaliger Rückgang von Straftaten durch Zuwanderer; Rückgang der Straftaten in Asylunterkünften; Deutlicher Anstieg von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung; Callcenter-Betrugsphänomen (falsche Polizeibeamte; Präventions-Kampagne „Leg auf!“ - Karl Höpfl/PP Oberbayern Nord

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