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Feuerwehr – das kann jede Frau

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Dass Frauen auch die Arbeiten von Männern stemmen können, zeigt hier Veronika Berndl bei einer Übung zur technischen
Hilfeleistung am PKW.
Dass Frauen auch die Arbeiten von Männern stemmen können, zeigt hier Veronika Berndl bei einer Übung zur technischen Hilfeleistung am PKW. © Foto: Tretner

Veronika Berndl ist die neue Frauenbeauftragte beim Kreisfeuerwehrverband Rosenheim. Zusammen mit ihrer Kollegin Sophie Hamberger aus Bernau am Chiemsee, wird sie in den nächsten sechs Jahren dafür sorgen, dass noch viel mehr Feuerwehren im Landkreis weibliche Unterstützung bekommen.  

Edling – Die beiden Feuerwehrfrauen haben das Amt erst ganz frisch inne, aber die ersten Pläne sind schon geschmiedet. „Wir wollen zeigen, was die Frauen alles können, und vor allem Mut machen, sich auch als Frau den Aufgaben bei der Feuerwehr zu stellen“, so die ersten Überlegungen von Veronika Berndl. „Wir werden viel Öffentlichkeitsarbeit machen, so dass es immer mehr publik wird, dass es uns auch bei den Feuerwehren gibt“.

Dass es hier noch einiges aufzuholen gibt, dazu erzählt Berndl eine kleine Anekdote: „Ich sperrte bei einem Kirchumzug die Straße ab, da sprach mich ein älterer Mann an und meinte, ob ich wirklich bei der Feuerwehr wäre. Zum Spaß habe ich die Montur nicht an, dachte ich mir. Nachdem ich ihm erzählte, dass ich aktiv bei der Feuerwehr bin und wir uns darüber unterhielten, wie toll das doch wäre, meinte der Mann am Schluss - beim Einsatz bist aber nicht mit dabei, oder?“ Dass Frauen bei der Feuerwehr nur zum Händchen halten dabei sind, ist oft das Bild der Öffentlichkeit. „Das können wir zwar auch“, lacht Berndl, „aber wir können auch das, was die Männer können“. Wobei es nicht so klingen soll, dass Männer in der Feuerwehr damit Probleme hätten, wenn Frauen ebenfalls ein Feuerwehramt bekleiden. Darin sieht jedenfalls die 24-Jährige kein Problem. „Ich denke eher, die Schwierigkeit liegt darin, dass es schon immer so war, dass eben nur die Männer im Amt waren“.

Es soll normal werden, dass Frauen mit dabei sein können. In einigen Feuerwehren ist das schon durchaus der Fall, aber eben nicht in allen. Die Frauenquote liegt bayernweit bei 12,4 Prozent, „nicht wirklich viel“, findet Berndl. Bei der Edlinger Feuerwehr, in der die Referendarin für Realschule seit 2015 Mitglied ist – da haben sie mittlerweile zehn erwachsene Frauen und bei der Jugend sind es 11 Mädchen. Das macht Berndl durchaus ein wenig stolz. War es doch für sie damals gar nicht so einfach Fuß zu fassen als einzige Frau in der Edlinger Feuerwehr.

Ende August nun wurde sie einstimmig von den Frauen der 117 Feuerwehren aus dem Landkreis Rosenheim zur Frauenbeauftragten gewählt. Das Amt gibt es übrigens erst seit 2017. Am letzten Wochenende fuhr sie mit zwei anderen Edlinger Feuerwehrfrauen auf den Bundeskongress der Feuerwehrfrauen nach Hamburg. Dort waren zwei Tage voll mit Workshops geboten, mit Themen wie Großtierrettung, technische Hilfestellung und auch Bus und LKW´s wurden zerlegt. Dass dies wieder so ein Sonderding für Frauen ist und warum die Männer nicht mitdurften, antwortet Berndl: „Solange wir so etwas brauchen, sind wir noch nicht da, wo wir hinwollen. Wenn es selbstverständlich ist, wir in der Feuerwehr als Frauen auch etabliert sind, dann werden wir auch solche Frauenworkshops nicht mehr brauchen oder eine Frauenbeauftragte“.

Aber noch ist das nicht so weit. Berndl selbst stieg 2015 mit knapp 18 Jahren als Quereinsteigerin bei der Feuerwehr ein. Quereinstieg deshalb, weil es normalerweise eine Jugendzeit in der Feuerwehr gibt, in der man spielerisch die Abläufe lernt. Berndl lernte diese im Übungsdienst und in Fortbildungen. Mittlerweile ist sie Jugendwartin, hat einen Motorsägen- und LKW-Schein, ist im Atemschutz ausgebildet und startet jetzt im September einen Maschinistinnen-Lehrgang. Für die jungen Mädchen in der Jugendfeuerwehr ist Berndl somit ein Vorbild und wohl auch die ein oder andere Hürde von - so war es schon immer, dürfte damit wohl eindeutig nicht mehr vorhanden sein. Für sie selbst war und ist „der Papa das große Vorbild, er hat mir gezeigt, wie toll das Ehrenamt bei der Feuerwehr ist und wie viel Spaß das machen kann“. Jetzt will sie Vorbild sein und die Jugend motivieren. Zu Einsätzen wird die Edlingerin wohl die nächste Zeit nicht mehr so oft mitfahren können, denn das Referendariat schickt sie nach Bayreuth, „aber am Wochenende bin ich immer zu Hause und das Amt der Frauenbeauftragten wird auf alle Fälle ausgefüllt. Die Feuerwehr ist einfach meine Leidenschaft, mein großes Hobby“.

Schaut man sich die Bayernquote an, so gäbe es sicherlich auch in Franken hinsichtlich Frau und Feuerwehr einiges zu tun. Im Landkreis hat ein Viertel der Feuerwehren keine Frauen, heißt aber auch, dass 75 Prozent Frauen mit dabei haben. Da hat sich das junge Amt der Frauenbeauftragten schon durchaus gelohnt. Der prägendste Einsatz für Berndl war der große Bauernhofbrand von Anzenberg. „Ich war im ersten Auto mit dabei und brauchte vor Ort erst einmal ein paar Minuten, denn so ein großes Feuer, so einen Feuerball hatte ich noch nie gesehen. Gott sei Dank kam weder Mensch noch Tier zu schaden“. Auch der Mannschaftsgedanke, das reibungslose Zusammenarbeiten der Feuerwehren aus den verschiedenen Gemeinden hat Berndl enorm beeindruckt. „Da ist es egal, ob du Frau oder Mann, Lehrerin oder Schlosser bist, da gibt es ein Problem und alle arbeiten an der Lösung“.

Bei einem anderen Einsatz, einem schweren Autounfall wurde ein 12-jähriger sehr schwer verletzt. Nach seiner Genesung besuchte er die Edlinger Feuerwehr und bedankte sich für die Rettung. Das sind für Veronika Berndl, wie wohl für jeden aktiven Feuerwehrler die Momente, wo alle Mühe und auch Gefahr bei diesem Ehrenamt abfallen. Für all jene, die noch zweifeln ob es für sie möglich sei, auch so ein Amt in der Feuerwehr - als Frau – inne zu haben, der sei ein Gespräch mit Veronika Berndl empfohlen. Sie wird jegliche Hilfestellung zur Verfügung stellen, damit Frau sich traut eine echte Feuerwehrfrau zu werden. „Ich hatte erst letztens ein Gespräch mit einer fünfzigjährigen Frau, die immer schon zur Wehr wollte, aber in ihrem Alter gar nicht mehr daran dachte, das tun zu können. Und jetzt ist sie mit dabei.“ Mut machen, Brücken bauen, Hilfestellungen bieten, Vorbild sein, die Aufgaben der Frauenbeauftragten. a

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