Weihnachten für Flüchtlinge

Frieden – das allein ist feierlich

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Grüße an die Heimat (v.l.): Kflom, Seyou und Kamteh, in Zorneding untergebrachte Flüchtlinge

Was machen die Asylbewerber eigentlich an Weihnachten? Sind sie trotz allem in Feierlaune? Macht der Weihnachtsmann bei den Unterkünften Station? „Hallo/Grafinger Anzeiger“ hat nachgesehen

Kirchseeon/Zorneding – Weihnachtsstress allerorten: Die Gans muss was werden, Geschenke fein hergerichtet, nix vergessen, kommt die Oma pünktlich, sollen wir singen? Derlei Fragen müssen sich die zumeist jungen Flüchtlinge etwa in Kirchseeon oder Zorneding am Heiligabend nicht stellen. Ihre Bedenken gehen eher in Richtung: Wie soll es für mich weiter gehen, wo soll es für mich weiter gehen, darf ich bleiben, bekomme ich Arbeit, wie geht´s meiner Familie Zuhause? Das fragen sich Kflom, (21/Eritrea), Kanthe (21/Mali) und dessen 19-jähriger Landsmann Seyou an diesem für sie gar nicht so besonderen Abend. Kflom ist einer der ganz wenigen Christen in den landkreisweiten Flüchtlingsunterkünften. Und er ist eine besondere Ausnahme, denn er gehört nicht zur Mehrzahl der orthodoxen, sondern ist katholisch getaufter Christ. Für das Foto steht er extra aus seinem Bett im Containerbau auf, freut sich – ebenso wie die anderen Bewohner (51) über Besuch, überraschenden noch dazu. Erst seit sieben Monaten ist Seyou in Deutschland, aber er versteht die deutsche Sprache schon ganz gut. Auch deutsch zu sprechen, das funktioniert bemerkenswert. Und so ist er sogleich Übersetzer für seine „neuen Kumpels“. Die Unterkunft ist sauber, man fühlt sich wie in einem Bürogebäude. Immerhin gibt es hier getrennte Zimmer, sogar einen Tischtennisraum, der reichlich genutzt wird. Im Flur hängen Fotos mit dem örtlichen Helferkreis. Die Security vor Ort ist entgegenkommend, sehr freundlich und hilfsbereit. „Es gab bis dato nur zwei mal Handgreiflichkeiten, leider mit einer Festnahme, aber ansonsten verläuft es hier friedlich“, so der 19-jährige Andreas, der erst vor zwei Monaten hier den Dienst aufnahm. So friedlich es sein mag, die jungen Männer würden freilich gerne wieder nach Hause. „Aber erst, wenn wieder Frieden herrscht“, so die drei Afrikaner. Unglaublich sei die Hilfsbereitschaft vor Ort, man fühle sich gut aufgehoben, so auch die Meinung der beiden Moslems. Ganz so zufrieden zeigen sich Untergebrachte in Kirchseeon nicht: „Wie sind froh, in Frieden und Freiheit sein zu können, das kann man feiern. Doch die Lebensumstände, wie wir wohnen, das ist nicht schön.“ Diesem Ausdruck der Tristesse ist leider nichts hinzuzufügen, wenn man die Turnhalle des örtlichen Gymnasiums betritt: Chaos auf engstem Raum, irgendwie gereizte Stimmung. Nicht nur im Vergleich zum Zornedinger Containerbau eigentlich nicht hinnehmbar (wir berichteten). Immerhin behelfen sich einige der Bewohner mit künstlerischer Tätigkeit, zeichnen Bilder, viele davon zeigen die Heimat. Erinnerung eben. Und ja, den Weihnachtsmann, das Fest, das kennen sie sogar aus der afrikanischen Heimat. Hier und da wird dort im kleinen Rahmen bei den Christen gefeiert. Doch aufgrund der Umstände in der Halle mag so richtig Feierlaune bei den Kirchseeonern Flüchtlingen nicht aufkommen. „Gesegnet“ sei Zorneding.osw

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