Mehr Natur im Garten

Ein Plädoyer für naturnahe Paradiese

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Rasen brauche man für Kinder und als begehbare Fläche. Aber stören da Blumen?, fragt Gerhard Schaffelhofer vom Gartenbauverein Vatersetten.

Der Gartenbauverein Vaterstetten zeichnet 32 Vaterstettener Gartenfreunde für ihre vorbildlich Gärten aus. Der 2. Vorsitzende, Gerhard Schaffelhofer, ruft zu mehr Natur im Garten auf.

Vaterstetten – Adam trägt Eva auf den Schultern, damit sie die verbotene Frucht vom Baum pflücken kann. Dabei wächst ihr der Apfel geradezu in die Hand. Diese Szene stellt eine eindrucksvolle Bronzeskulptur dar. Sie steht im Garten von Trauttmansdorf in Meran. „Durch die Frucht gelangt Eva zu der Erkenntnis, dass es mühsam ist, auf der Erde zu leben“, kommentiert Gerhard Schaffelhofer, 2. Vorsitzender des Gartenbauvereins Vaterstetten, dieses von ihm gezeigte Bild. „Wir Menschen wurden aus dem Paradies vertrieben und schaffen mit unserer Arbeit unser neues Paradies.“ „Im Schlossgarten von Trauttmansdorf blühen 190.000 Tulpen. Doch auch in unserer Gemeinde gibt es viele schöne Gärten, von denen ebenfalls viele in den vergangenen Jahren ausgezeichnet wurden“, sagt Schaffelhofer. „Sie haben die schönsten Gärten sonst wären Sie nicht hier!“, sagt er anlässlich der Preisverleihung für die schönsten Gärten im Gemeindegebiet Vaterstetten. 

Geduld und Ruhe seien die wichtigsten Tugenden für einen Garten in dem alle Sinne angesprochen werden. „Sie müssen sich in Ihrem Garten wohlfühlen!“ Anregungen für einen blühenden Garten bietet der Gartenbauverein, zum Beispiel durch die Stammtische an jedem letzten Montag des Monats in der Landlust. Dort gibt es jeweils einen Fachvortrag. Auf der Homepage des Gartenbauvereins unter www.gbv-vaterstetten.de kann man sich über die aktuellen Aktivitäten des Vereins informieren. 

Nach der Preisverleihung ging Schaffelhofer auf das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ ein. Diese Initiative sei notwendig. Er habe nichts gegen die Landwirte, doch warum es in einer Großstadt mehr Schmetterlinge gebe als auf dem Land? Doch nun scheine sich etwas zu tun: Staatsregierung, Opposition, Landwirte und alle Beteiligten an diesem Thema scheinen zusammen zu arbeiten. „Die Landwirte müssen unbedingt ins Boot geholt werden, denn ohne ihre Mithilfe geht es noch weiter bergab mit der Vielfalt. Und natürlich müssen sie finanzielle Ausgleiche gekommen, wenn sie durch Vorschriften Nachteile erhalten“, fordert Schaffelhofer. Die wichtigsten Aspekte des Volksbegehrens würden, mit Abwandlungen, Gesetzestext. Er erinnerte daran, dass sich das Land Bayern und auch ein früherer Vaterstettener Bürgermeister bereits vor Jahrzehnten um einen Biotopverbund bemüht hätten. Somit sei dies gleichermaßen Geschichte und Ziel. Doch auch in der Ausbildung der Landwirte sowie in den Schulen müsse ein Bewusstsein für die ökologischen Zusammenhänge geschaffen, die Ökolandwirtschaft gestärkt, mehr Blühwiesen geschaffen werden auch wenn letztere für die Landwirtschaft nicht so effizient seien wie das „nackte Gras“. 

Mit einem Hinweis auf das Buch „Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde erläuterte er die Situation der Bienen in Amerika. Dort fahren Bienenzüchter ihre Bienestöcke Hunderte von Kilometern zu den Obstplantagen, weil die Bienen allmählich aussterben. In China würden Menschen gezwungen werden, mit Leitern auf die Obstbäume zu steigen, um die Blüten mit dem Pinsel zu bestäuben. „Soweit dürfen wir es nicht kommen lassen“, ruft Schaffelhofer. „Was können wir tun?“ Es gebe zu viele geschleckte Gärten, die mit Mährobotern gepflegt, in denen gedüngt und vernichtet werde. „Lassen Sie die Gärten gezielt ein wenig verwildern“, sagt er und weist auf die Zertifizierung des Landesverbands der Gartenbauvereine hin: „Bayern blüht, Naturgarten“. 

Zum Zertifikat gehören unter anderem der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel, der Verzicht auf chemisch synthetische Dünger, der Verzicht auf Torf, jedoch eine hohe ökologische Vielfalt. Dafür gebe es „Lachgesichter“ für ein „Wildes Eck“, die Zulassung von Wildkräutern, Vielfalt der Lebensräume, blühende Stauden, Bienennahrung und Insektennahrungspflanzen.“ Der perfekte Rasen sei ein Dogma der Reklame, sagt Schaffelhofer. Man brauche ihn für Kinder und als begehbare Fläche, doch dann dürfe er auch Gänseblümchen enthalten. Giersch, Spitzwegerich und Löwenzahn seien nicht nur ein Ärgernis, man könne sie auch essen. „Ärgern Sie sich nicht über das erste Unkraut, sondern freuen Sie sich über das erste Gartenbier im Freien, Bienchen summen drum herum“, so Schaffelhofer abschließend.red

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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